Nach vorangegangenen Provokationen zwischen China und den USA führte Taiwan am 27.07.2022 eine Militärübung durch, um sich gezielt auf eine Invasion Chinas vorzubereiten.

Während sich die westliche Welt und ihre Medien auf den Konflikt in der Ukraine fokussieren, spitzt sich die Lage um die Insel Taiwan weiter zu. Nachdem US-Präsident Joe Biden im Mai erklärte, die USA würden Taiwan im Falle eines Angriffs Chinas militärisch verteidigen, führt nun die Reiseplanung der Vorsitzenden des amerikanischen Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi, zu weiterer Anspannung.

Nancy Pelosi hat nach dem Präsidenten und der Vizepräsidentin das höchste Amt in den USA inne und gab an, im August nach Taiwan reisen zu wollen. Damit wäre sie seit 25 Jahren die höchstrangigste Persönlichkeit aus den USA, die das Land besucht.

US-Präsident Biden: USA würden für Taiwan in den Krieg ziehen

 

Nancy Pelosis Reise nach Taiwan ist zwar noch nicht offiziell, jedoch reagierte China direkt mit Drohungen. So fordert beispielsweise Hu Xijin, ein einflussreicher Kommentator der Regierungszeitung Global Times, Pelosis Besuch mit militärischen Mitteln zu verhindern oder zumindest zu stören.

Dass es tatsächlich zu einem Abfangmanöver oder gar Abschuss der Maschine kommt, mit der die Vorsitzende des amerikanischen Repräsentantenhauses reist, ist eher unwahrscheinlich. Nichtsdestotrotz ist davon auszugehen, dass sich die USA und China bei einem Besuch Pelosis ein heikles militärisches Be- und Überwachungsspiel liefern werden.

Was bei allem außer Frage steht, ist die Absicht der USA mit diesem Besuch: Sie zeigen sich weiter parteiisch auf der Seite Taiwans und provozieren damit die chinesische Regierung. Um die Interessen der Insel selbst geht es den USA in erster Linie nicht. Vielmehr wollen sie ein weiteres Mal ihre Macht demonstrieren und ihr Einflussgebiet erweitern.

Ein gefährliches Machtspiel um geostrategische Interessen. Denn sollte es zu einem Angriff Chinas auf Taiwan kommen und sollten die USA zugleich ihre jetzigen Drohungen für diesen Fall umsetzen, würde das eine direkte Konfrontation zwischen den beiden wirtschaftlich stärksten Ländern der Welt zur Folge haben und damit mutmaßlich einen dritten Weltkrieg auslösen.

Wie bald es dazu kommen könnte, zeigt die Militäroperation Taiwans. Simuliert wird dabei eine Invasion Chinas an der Nordwestküste der Insel, an der sogar die Präsidentin Taiwans, Tsai Ing-wen, persönlich teil nimmt.

Das Hauptziel der Übung bestehe darin, die „Kampffähigkeiten des Heeres insgesamt zu verbessern“, so der Sprecher des Verteidigungsministeriums, Sun Li-Fang. Außenamtssprecher Zhao Lijian reagierte aus Peking mit Einschüchterungsversuchen. Ihm zu Folge ist der Versuch Taiwans, sich militärisch gegen China zu widersetzen, hoffnungslos. Umso mehr begrüßte Taiwan deswegen den möglicherweise bevorstehenden Besuch Nancy Pelosis und die weitere Unterstützung der USA.

Ob sich die Lage entspannen wird, könnte ein bevorstehendes Gespräch zwischen den beiden Präsidenten von USA und China Joe Biden und Xi Jinping in diesen Tagen zeigen. Sicher ist: Beide Seiten werden keine Schwäche zeigen wollen.


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