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Samstag, Juli 20, 2024
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    Kapital-Ökonom: Gewerkschaften nehmen “erheblichen Reallohnverlust wissentlich in Kauf“

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    Die IG Metall fordert in der anstehenden Metall-Tarifrunde acht Prozent mehr Lohn. Das seien nach Arbeitskämpfen dann „im Klartext fünf Prozent“, so der ehemalige Wirtschaftsweise Bert Rürup. Die Gewerkschaft würde damit Reallohnverluste „wissentlich in Kauf“ nehmen. Auch ein anderer kapitalnaher Ökonom findet lobende Worte für den geringen Konfliktwillen der Gewerkschaften.

    Im Handelsblatt-Podcast „Economic Challanges“ wird offener als an anderen Orten über die politische Lage aus Sicht des deutschen Unternehmertums diskutiert. Am Freitag haben sich nun der ehemalige Chef der “Wirtschaftsweisen”, Bert Rürup, sowie der Direktor des kapitalnahen “Instituts der deutschen Wirtschaft”, Prof. Michael Hüther, erfreut über die Haltung der DGB-Gewerkschaften in der Krise gezeigt.

    Lobend erwähnt wurde dabei die Forderung der IG Metall-Gewerkschaft in den derzeitigen Metall-Tarifverhandlungen. 8 Prozent Lohnerhöhung auf 12 Monate seien ein “Friedensangebot”, so Rürup. Denn das heiße im “Klartext”, dass die Gewerkschaften bereit seien, sich auf tatsächliche 5 Prozent einzulassen. Dies bedeute, dass man “einen erheblichen Realeinkommensverlust” akzeptiere. Die Teuerungsrate wird auf das Jahr 2022 gerechnet voraussichtlich 7 Prozent betragen.

    Trotz Inflation und steigender Preise für Benzin, Lebensmittel und Miete würden erhebliche Realeinkommensverluste der Arbeiter:Innen mit Rücksicht auf die Unternehmen somit „wissentlich in Kauf genommen“, so Rürup. Auch die Aussage des IG Metall-Chefs Jörg Hoffmann, dass sie “mit der Sicherung der Kaufkraft überfordert” seien, wurde von Michael Hüther lobend erwähnt.

    Die Rolle der DGB-Gewerkschaften, zu denen auch IG Metall zählt, sei „in hohem Maße staatstragend“, so Rürup. Die Gewerkschaften würden eine „hohe Flexibilität“ im „Spagat“ zwischen “Mitgliederinteressen” und „gesamtwirtschaftlicher Verantwortung“ zeigen. Die Haltung der Gewerkschaften sei ein gutes Beispiel für die “ausgleichende Politik” der sozialen Marktwirtschaft, so Hüther weiter, die von „einer Friedensidee“ her gedacht sei.

    Kritisch gesehen wurde hingegen der Streik der Hafenarbeiter:Innen, der letzte Woche stattfand, gerade auch weil er von der versöhnlichen Politik anderer Gewerkschaften abweiche. Bei dem größten Streik an deutschen Häfen seit 40 Jahren war es auch zu Angriffen der Polizei gekommen. Ver.di ließ sich später auf eine 6-wöchige Friedenspflicht ein.

    “Wir sind der Hafen!”: Polizei greift streikende Arbeiter:innen an – ver.di lässt sich auf Friedenspflicht während der Verhandlungen ein

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