Ende Juni wurde durch den amerikanischen “Supreme Court” ein Gerichtsurteil gekippt, das Abtreibung auch in den USA ermöglichte. Dem Urteil ging ein jahrzehntelanger Kampf durch die Frauenrechtsbewegungen voraus. Seitdem finden fast täglich Proteste statt, um das Recht auf Selbstbestimmung für Frauen zu erkämpfen und zu bewahren. Wir haben dazu Jane Meyers, eine Frauenrechtsaktivistin aus den USA, interviewt.

Kannst du kurz erläutern, welche politischen Akteure in den USA sich besonders stark für das Verbot von Abtreibungen einsetzen?

Es gibt in den USA sehr viele konservative, republikanische Politiker:innen, denen das Recht auf Selbstbestimmung von Frauen ein Dorn im Auge ist. Sie selbst kommen aus vermögenden, privilegierten, reichen Familien und entscheiden über unsere Köpfe hinweg.

Es gibt weitreichende Kontakte dieser reichen Entscheidungsträger in sämtlichen staatlichen Institutionen. Letztlich üben sie auch Einfluss auf den obersten Gerichtshof “Supreme Court” aus. Donald Trump hat als Präsident drei konservative Verfassungsrichter ernannt, die wiederum im Interesse seiner Politik das Recht auf Abtreibung kippten.

Das Problem am Supreme Court ist, dass er eine undemokratische Institution ist, in dem die Gesellschaft keinen Einfluss auf Veränderung hat und in dem nun sechs der neun Verfassungsrichterinnen und Verfassungsrichter Konservative sind.

Sie repräsentieren aber nicht die Mehrheit der US-amerikanischen Bevölkerung, schon gar nicht die Interessen der Frauen, weil die Mehrheit nicht konservativ ist, sondern viel fortschrittlicher denken kann, als es diese Institutionen zulassen.

Was sind die Argumente für die Aufhebung des Abtreibungsrechts?

Die Herrschenden in den USA nutzen vor allem religiöse Motive als Argument dafür, dass die Frau nicht die gleichen Rechte verdient wie Männer. Sie wollen die Frauen kontrollieren und nutzen dafür jede erdenkliche Ideologie aus, welche die Frauen an ihrer Emanzipation hindert.

Es sind die patriarchalen Eigenschaften und die kapitalistische Logik die dahinter stecken, dass man die Frau als nützliche Hausarbeiterin herabsetzen möchte und ihr Fähigkeiten zur Selbstverwirklichung abspricht.

Nicht nur arme Frauen sind mehr betroffen, sie wollen damit auch die prekäre Situation vor allem von schwarzen Frauen und Migrantinnen ausnutzen, damit an ihrer Situation noch viel Geld verdient wird.

Hier zeigt sich der Widerspruch, dass Frauen aus reichen Familien dieses Privileg genießen können, während die Armen dafür sehr viel bezahlen müssen, sogar mit ihrer Gesundheit, wenn sie aus ihrer Not heraus anderweitig eine Abtreibung probieren.

Wie müsste eine Frauenbewegung aussehen, damit das Selbstbestimmungsrecht der Frauen langfristig erkämpft wird und erhalten bleibt?

Ich denke, alle können sich engagieren. Wir brauchen die jüngsten bis zu den ältesten Menschen, die für das Recht ihrer Kinder und Nachfolgegenerationen kämpfen. Letztlich leiden nicht nur die betroffenen Frauen, sondern auch die Kinder, die ungewollt in diese Welt geboren werden und vielleicht in ebenso armen Verhältnissen aufwachsen müssen wie die Mütter.

Es kann nicht sein, dass nur reiche Frauen oder die aus der Mittelschicht sich das leisten können. Die Frage der Abtreibung muss als soziale Frage behandelt werden. In den USA gibt es zu wenige Kindertagesstätten oder Kinderheime, wodurch sich die Situation für Ärmere zusätzlich verschärft.

Durch die Möglichkeit von Abtreibungen und Verhütungsmitteln wäre für Frauen zumindest die Möglichkeit vorhanden, sich vor einer Notsituation, nämlich ungewollt schwanger zu sein, individuell zu schützen.

Auch Männer und Personen der LGBTI+ Bewegung sollten sich als Verbündete im Kampf dafür einsetzen, denn es widerspricht ihren Interessen nicht. Die einfachste Möglichkeit, was man tun kann, ist es, an unabhängige Frauenrechtsorganisationen zu spenden.
Neben dem ist es wichtig, den Protest auf die Straße zu tragen und sich mit der Frauenrechtsbewegung zu solidarisieren.

Ein weiteres, wichtiges Kampffeld ist aber noch, den Einfluss von Vorurteilen in der Gesellschaft zurückzudrängen und die Menschen von dem Vorzug legaler Abtreibung zu überzeugen. Nur gemeinsam und organisiert können wir es schaffen, uns unsere Rechte zurückzunehmen und zu behalten!