Am Mittwoch legen 20.000 Arbeiter:innen bei Lufthansa ihre Arbeit nieder. Ver.di fordert eine Erhöhung des Lohns um 9,5 Prozent. Der Streik beginnt am Mittwochmorgen um 3.45 Uhr und geht bis Donnerstagmorgen um 6.00 Uhr.

Die Situation der Arbeiter:innen beim Bodenpersonal in den Flughäfen ist seit Beginn der Pandemie sehr angespannt. Zu Beginn der Pandemie wurden viele Stellen abgebaut, momentan fehlen dadurch 7.200 Fachkräfte.

Lufthansa hat in der Pandemie rund ein Drittel der Stellen abgebaut und nun wurde der Betrieb an den Flughäfen sehr schnell wieder hochgefahren. Das bedeutet, dass die Arbeiter:innen deutlich mehr Arbeit machen müssen und einem extremen Druck ausgesetzt sind. Unter dem Personalmangel leiden nicht nur die Arbeiter:innen, sondern auch die Sicherheit der Passagiere. Zum Bodenpersonal gehören unter anderem Techniker:innen und Logistiker:innen, ohne die die Flugzeuge nicht abheben können.

Zusätzlichen Druck verursachen die Inflation und der seit drei Jahren anhaltende Verzicht auf Lohnerhöhungen. Die Menschen können sich nicht mehr so viel leisten und haben jeden Monat Probleme, über die Runden zu kommen. Für das Bodenpersonal der Lufthansa heißt das zusammengefasst: es muss mehr Arbeit für weniger Reallohn verrichten.

Ver.di fordert deshalb eine Lohnerhöhung von 9,5 Prozent bei einer Laufzeit von 12 Monaten, mindestens jedoch 350 Euro mehr im Monat, sowie die Anhebung des Stundenlohns der unteren Beschäftigungsgruppen auf mindestens 13 Euro.

Die Lufthansa findet diese Forderung überhöht und bezeichnet den Streik als „unzumutbar“ und „unverständlich“. Personalvorstand Michael Niggemann sagt, die Lufthansa habe „bereits hohe und sozial ausgewogene Vergütungserhöhung angeboten“. Der Streik kommt für das Unternehmen natürlich zur Unzeit mitten in der touristischen Hauptflugsaison.

Bei den letzten Verhandlungen in Hamburg hatte Lufthansa Festbeträge und eine ergebnisabhängige Komponente angeboten. Gleichzeitig äußerte der Konzern den Wunsch zur Flexibilisierung der Arbeitszeit. Diese ergebnisabhängige Komponente bedeutet für die Arbeiter:innen jedoch nur zusätzliche Unsicherheit. Sie können sich nicht darauf verlassen, ob und wenn ja, wie viel Geld sie zusätzlich bekommen.

Die Verhandlungen werden am 3. und 4. August in Frankfurt am Main weitergeführt.


Wir schreiben für Perspektive – ehrenamtlich und aus Überzeugung. Wir schalten keine Werbung und nehmen kein Geld von Staat oder Konzernen an. Hilf' uns dabei, unseren unabhängigen Journalismus zu erweitern: mit einer einmaligen Spende, einem regelmäßigen Beitrag bei Paypal, Steady oder am besten als Mitglied in unserem Förderverein.