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Samstag, Mai 25, 2024
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    Klimaproteste gegen Gas und globale Ungerechtigkeit legen Hamburger Hafen lahm

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    Vom 9. bis zum 15. August findet in Hamburg das “System Change Camp” statt. Ein breites Bündnis organisiert von dort aus Protestaktionen wie Demonstrationen, aber auch Blockaden – diese zeigten heute schon Wirkung, als hunderte Aktivist:innen die Schienen des Container-Terminals am Hamburger Hafen blockierten.

    Eine Demonstration am Mittwoch, an der sich rund 2.000 Menschen beteiligten, läutete die Protestwoche in Hamburg ein. Neben klimapolitischen Gruppen wie ‚Ende Gelände’, ‚Extinction Rebellion‘ und ‚RWE & Co enteignen‘ rufen unter anderen ‚Abya Yala Anticolonial‘, eine Gruppe von Mittel- und Südamerikaner*innen, die den Kampf gegen die Kolonialordnung weiterführen, und die antimilitaristische Gruppe ‚Rheinmetall entwaffnen‘ zur Teilnahme am Camp auf.

    Die Protestwoche richtet sich gegen den “extraktiven Kapitalismus” und setzt ihm internationale Solidarität entgegen: Auf dem Camp treffen Klimaaktivist:innen aus internationalen Bewegungen aufeinander. Sie diskutieren in diesem Jahr vor allem darüber, wie sie dem Neokolonialismus und den global ungleich verteilten Risiken und Ausbeutungen der Umwelt entgegen treten können. Ende Gelände nennt die kapitalistische Umweltzerstörung “koloniale Gewalt”.

    Eine erste Blockade fand am Donnerstag statt, als Aktivist:innen von Ende Gelände ein Werkstor des Dünger-Produzenten Yara blockierten. Bekannt wurde Ende Gelände vor allem durch Proteste gegen den Kohlebau, doch ihr Protest richtet sich gegen alle fossilen Brennstoffe. In diesem Jahr ist Hamburg als Protestort nicht zufällig gewählt: In der Elbe war ein Flüssiggas-Terminal geplant.

    Seit dem Samstag Vormittag blockieren Protestteilnehmer:innen die LNG-Baustelle Wilhelmshaven und haben “die Werkzeuge der Zerstörung auch dauerhafter außer Betrieb gesetzt”. “Das Festhalten an fossilen Energien ist nicht länger hinnehmbar. Sie kosten Menschenleben und treiben die weltweite Katastrophe rasend schnell voran. […] Es ist Gewalt durch die Konzerne der Industriestaaten, Gewalt durch neokoloniale Ausbeutung von Menschen und Ressourcen, durch Landnahme und Vertreibung. Es ist die Gewalt der Klimakrise. Sie findet jetzt statt.”, erklärt Ende Gelände dazu.

    Damit sorgte das Bündnis für Aufruhr – denn die Gasversorgung zu stören und auch die Abkehr vom zivilen Ungehorsam hin zur Sachbeschädigung sorgte für Irritation. Das Bündnis erklärte, warum die Aktivist:innen sich trotzdem entschieden haben, die LNG-Baustelle zu stören: “Wenn wir jetzt neue LNG-Terminals in Betrieb nehmen (die Jahrzehnte laufen sollen), blockieren wir die für die ganze Welt dringend nötige Energiewende. Nur damit die deutsche Industrie ungestört den Winter durch laufen kann, verheizen wir die Lebensgrundlagen aller Menschen.”

    Mehreren Blockaden begegnete die Polizei mit heftiger Gewalt. Die Demonstrant:innen ließen sich davon jedoch nicht einschüchtern und blockierten beispielsweise die Kattwykbrücke auch noch, als die Wasserwerfer nach der ersten Leerung wieder befüllt werden mussten. Das Bündnis “Ums Ganze!” berichtet, dass im “goldenen Finger” dringend medizinische Versorgung benötigt wurde, die seitens der Polizei jedoch verhindert wurde. So sollen Sanitäter:innen einen Platzverweis erhalten haben.

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