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Samstag, Juli 20, 2024
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    +7,9%: Teuerungsrate erneut auf Höchststand – Rezession in Deutschland erwartet

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    Die wirtschaftliche Lage in Deutschland spitzt sich weiter zu. Nach offiziellen Angaben lag die Inflation im August bei 7,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Im nächsten Jahr sollen es 9,3 Prozent sein. Wirtschaftsforscher warnen derweil vor einer starken Rezession in Deutschland.

    Die Teuerungsrate in Deutschland lag im August 2022 bei +7,9 %. Das hat das statistische Bundesamt am Dienstag mitgeteilt. Damit hat sich die Preisexplosion gegenüber Juli 2022 (+7,5%) und Juni 2022 (+7,6 %) weiter verfestigt.

    Folgende Preissteigerungen sind dafür besonders verantwortlich:

    • Die Preise für Energieprodukte lagen im August 2022 um 35,6 % über dem Niveau des Vorjahresmonats. Haushaltsenergie verteuerte sich mit +46,4 % besonders stark: So haben sich die Preise für leichtes Heizöl binnen Jahresfrist mit +111,5 % mehr als verdoppelt, die Teuerung für Erdgas betrug +83,8 %. Die Preise für Strom erhöhten sich um 16,6 %. Die Teuerung für Kraftstoffe lag im August 2022 bei +16,5 %.

    • Die Preise für Nahrungsmittel erhöhten sich im August 2022 um 16,6 % gegenüber dem Vorjahresmonat und damit ebenfalls stärker als die Gesamtteuerung. Damit hat sich laut statistischem Bundesamt der Preisauftrieb den sechsten Monat in Folge verstärkt. Erneut wurden im August 2022 bei allen Nahrungsmittelgruppen Preiserhöhungen beobachtet: Erheblich teurer wurden Speisefette und Speiseöle (+44,5 %) sowie Molkereiprodukte und Eier (+26,8 %). Auch für Fleisch und Fleischwaren (+18,6 %) sowie für Brot und Getreideerzeugnisse (+17,1 %) erhöhten sich die Preise für Verbraucherinnen und Verbraucher spürbar.

    Dämpfend wirkten im August letztmalig die Maßnahmen der Bundesregierung aus dem Entlastungspaket 2 – darunter der „Tankrabatt“ und das „9-Euro-Ticket”. Für September ist deshalb mit einer noch höheren Inflation zu rechnen.

    Preisexplosion hält an – Rezession erwartet

    Laut dem Wirtschaftsforschungsinstitut ifo dürfte die Inflation in diesem Jahr bei durchschnittlich 8,1% liegen. Im nächsten Jahr soll sich die Situation sogar noch verschlimmern – hier gehen die Ökonom:innen von einer Teuerungsrate von 9,3% aus.

    Dies hänge vor allem damit zusammen, dass die Energieversorger zu Jahresbeginn 2023 ihre Strom- und Gaspreise spürbar anheben würden. Das würde die Inflationsrate im ersten Vierteljahr sogar auf etwa 11 Prozent hochtreiben. Strom- und Gaspreise waren in den letzten Wochen noch einmal rasant angestiegen. Das dritte Entlastungspaket der Regierung dürfte diesem Rückgang zwar etwas entgegenwirken, ihn „aber bei weitem nicht ausgleichen“, so das ifo-Institut.

    „Der Kaufkraftverlust, gemessen am Rückgang der realen Pro-Kopf-Löhne in diesem und im kommenden Jahr um jeweils etwa 3 Prozent, ist so hoch wie nie zuvor seit dem Beginn der heutigen volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen im Jahre 1970“, so Timo Wollmershäuser, der Leiter der ifo- Konjunktur-Prognosen. Das bedeutet, dass trotz Lohnerhöhungen und Zuschüssen die Reallöhne um insgesamt 6 Prozent in nur zwei Jahren sinken dürften.

    Nicht nur die Teuerungen machen den Menschen zu schaffen. Auch die Wirtschaft dürfte einbrechen. So hat das Institut  seine Prognose für das deutsche Wirtschaftswachstum drastisch gekappt: „Wir gehen in eine Winter-Rezession“, so Wollmershäuser. Im kommenden Jahr erwartet ifo nun ein Schrumpfen der Wirtschaftsleistung um 0,3 Prozent und für dieses Jahr nur noch 1,6 Prozent Wachstum. Im Vergleich zum Juni senkt das ifo seine Wachstumsprognose für 2023 deutlich um 4,0 Prozentpunkte.

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