Am 6. Januar eröffnen Verhandlungen mit der Deutschen Post das Tarifjahr 2023. Die Ver.di fordert 15 Prozent mehr Lohn für die 160.000 Beschäftigten, die Unternehmensseite nennt das „realitätsfern“.

Die ver.di stellt schon vor Beginn der Tarifverhandlungen ihre Forderung für rund 160.000 Tarifbeschäftigte der Deutschen Post auf: 15 Prozent mehr Geld. Damit wäre die aktuelle Inflation ausgeglichen. Ob die Forderung eine Reallohnerhöhung bedeuten würde, hängt von der wirtschaftlichen Entwicklung während der Laufzeit ab.

Die Unternehmensseite bezog schon Position zur Forderung: „realitätsfern“. Ob die Forderung realisiert werden kann, hängt vor allem auch davon ab, wie viel Arbeitskampf die Gewerkschaft den Beschäftigten der Post zutraut. Streiks in Großbritannien zeigen derzeit, wie mächtig Beschäftigte im öffentlichen Dienst oder der Logistik – wie es die Postmitarbeiter:innen – sind.

Das vergangene Jahr war für die bundesdeutsche Lohnentwicklung von Misserfolgen gekennzeichnet. Viele Ost-West-Angleichungen sind gelungen und insgesamt lagen die Abschlüsse mit fünf bis sechs Prozent weit über dem üblichen Niveau. Dennoch verzeichneten Beschäftigte im Herbst 2022 preisbereinigten Verdienstrückgang von 5,7 Prozent, wie das Statistische Bundesamt mitteilte.

Trotz dieser katastrophalen Entwicklung kündigen längst nicht alle Gewerkschaften für ihre Streits im Jahr 2023 entsprechend höhere Lohnforderungen an: Die IG Metall wird am 16. Januar die Forderungen für die Beschäftigten Textil und Bekleidungsindustrie West beschließen. Aktuell stehen acht Prozent mehr Lohn im Raum – damit ist die Reallohnsenkung beschlossen bevor die Verhandlungen beginnen.


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