Eine iranische Hackergruppe veröffentlichte eine Audio-Aufnahme der staatlichen Nachrichtenagentur des Iran. Darin ist ein Gespräch zwischen den wichtigsten Persönlichkeiten des Regimes zu hören. Diese scheinen angesichts der anhaltenden Proteste ernsthaft um ihre Macht zu fürchten.

Die Hackergruppe mit dem Namen „Black Reward“ drang in die Datenbank der Fars News ein, der staatlichen Nachrichtenagentur des Iran. Dort fanden sie eine anderthalbstündige Aufnahme zwischen mächtigen Männern des iranischen Regimes. Stattgefunden haben soll das Gespräch vermutlich am 14. November. Anwesend gewesen sein soll zum Beispiel auch der stellvertretende Kommandeur der Basidsch-Miliz, Ghasem Ghoreyshi, die eine besondere Rolle bei der Niederschlagung der Proteste spielt. Seine Stimme sei deutlich zu erkennen.

Wie viele Männer teilnahmen, sei nicht genau zu ermitteln. Die Authentizität des Audio-Mitschnitts wurde von BBC Farsi und Voice of America Farsi bejaht. Veröffentlicht wurde er vom Exilnachrichtensender Iran International, auf YouTube wurde er ebenfalls geteilt.

Das Gespräch drehte sich um die seit Monaten anhaltenden Proteste. Es stellt die Einschätzung aus Sicht der iranischen Regierung dar und gibt Aufschluss über ihr Vorgehen beim Versuch, sie niederzuschlagen.

So fällt die Aussage, dass die Demonstrationen von breiten Teilen der Bevölkerung getragen werden. Lehrer:innen, Studierende und Arbeiter:innen streikten immer wieder,  an einem Tag im November sei in 21 von 31 Provinzen die Arbeit niedergelegt worden. Über viele Protestaktionen wird nicht berichtet, da das Internet gedrosselt wird. Aber auch darüber, wann die Regierung das Internet komplett kontrollieren könnte, wurde diskutiert.

Medien und Berichte spielen für die Proteste eine wichtige Rolle. Auch hier können die protestierenden Iraner:innen anscheinend trotz der Repression Erfolge erzielen. Ein Vertrauter Chameneis soll gesagt haben: „Wir haben den medialen Krieg komplett verloren.“

Als besonders gefährlich schätzen die Gesprächsteilnehmer ein, wenn die Ermordung bekannter Protestierender öffentlich werden sollte. Auch die Rolle der Frauen wird thematisiert. So sei gesagt worden, dass bis zu 47 Prozent der Teilnehmer:innen bei den Aktionen Frauen seien und man ein Problem damit habe, dass immer mehr Frauen ihre Kopftücher abnehmen und dadurch Vorbilder für andere sind.

Innerhalb der bewaffneten Kräfte, die die Demonstrationen unter Kontrolle halten sollen, gäbe es Ermüdungserscheinungen. Um dagegen vorzugehen, erhielten sie einen überdurchschnittlichen Lohn.

Zum Schluss wurde festgestellt, dass die Protestierenden nicht kurzfristig planen. „Sie haben vor, das System langfristig zu stürzen“, so Shamkhani, Sekretär des Nationalen Sicherheitsrats.


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