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Samstag, Juli 13, 2024
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    Kampf dem Kapital statt Almosen auf Rezept!

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    Es ist ein Pilotprojekt, welches Menschen in Großbritannien nun ermöglicht, sich beim Hausarzt ein Rezept für eine Heizkostenübernahme ausstellen zu lassen. Dies soll Krankheiten vorbeugen und das britische Gesundheitssystem entlasten. Doch wie ist dieses Projekt zu bewerten und ist es auch für Deutschland erstrebenswert? Ein Kommentar von Hedda Großheim

    Rezept für ein warmes Zuhause

    Das Konzept ist ganz einfach: Ärzt:innen können ein Rezept für ihre Patient:innen ausstellen, welches ihnen eine Heizkostenübernahme vom Staat ermöglicht. Der Energieversorger wird dann vom Gesundheitsdienst informiert und ein Großteil des Verbrauchs der Patient:innen wird nicht in Rechnung gestellt.

    Schon jetzt kann in den Regionen, wo es die Wärme auf Rezept gibt beobachtet werden, wie die Krankheitsfälle in den Wintermonaten zurückgehen. Nicht nur für die Menschen, die sich die Heizkosten auf Grund der rasant steigenden Lebenserhaltungskosten nicht mehr leisten können, ist das eine enorme finanzielle Erleichterung. Auch der Staat erhofft sich für das Gesundheitssystem hierdurch eine Entlastung. In Großbritannien hat sich scheinbar immerhin einer Erkenntnis durchgesetzt: Wer in den eigenen vier Wänden nicht frieren muss, wird auch weniger krank.

    Die Situation in Deutschland

    Doch wie sieht es hier bei uns in Deutschland aus? Kann dieses Konzept bei uns funktionieren? Denn nicht nur in Großbritannien treffen Teuerung und Inflation die Menschen hart. Auch hier in Deutschland wissen wir kaum noch, wie wir unser Leben finanzieren sollen. Wir müssen unsere Wohnungen verlassen, weil wir uns die Miete nicht mehr leisten können, wir frieren in unserem eigenen Zuhause und kaufen nur noch die nötigsten Nahrungsmittel ein. Dazu kommen jetzt die kalten Wintermonate, in denen sich die Krankheitsfälle von einer “einfachen” Erkältung bis zur Lungenentzündung häufen. Es ist klar: So können wir nicht mehr leben und es muss sich dringend etwas ändern.

    Doch was tut die Regierung dagegen? Denn während die Regierung in Großbritannien mit dieser Maßnahme zumindest eingesteht, dass die Kälte, unter der die Menschen aktuell leiden müssen, krank macht, verliert unsere Bundesregierung kein Wort darüber. Dabei ist es logisch, dass unsere finanzielle Lage in der aktuellen Krise eng mit unserer Gesundheit zusammenhängt. Währenddessen schweigen unsere Politiker:innen jedoch darüber und versuchen uns gegenüber zu verschleiern was offensichtlich ist: Ihre Politik macht uns krank!

    Was das für uns als Arbeiter:innenklasse bedeutet

    Kleine Zugeständnisse und einmalige Zahlungen wie das 9-Euro-Ticket oder der Heizkostenzuschuss von 300 Euro sind ja ganz nett, aber Abhilfe schaffen sie in unserer Situation kaum noch. Im Gegenteil: Die “Entlastungspakete” sind lächerlich wenn wir uns ansehen, was die Politiker:innen verdienen und welche Rekordgewinne Großkonzerne einfahren. Und all das in Zeiten von Krieg und Krise.

    Wir können also sehen, dass Politik und Wirtschaft wenig daran gelegen ist wie es uns ergeht solange wir am nächsten Tag wieder pünktlich auf der Matte stehen, um unsere Lohnarbeit zu verrichten. Doch genau das ist nun das Problem. Heizen ist zum Luxus geworden und damit auch unser gesundheitliches Wohlergehen. Können wir uns das Heizen nicht leisten, müssen wir frieren. Wenn wir frieren werden wir krank und sind wir krank können wir nicht arbeiten.

    Konzept mit Erfolg oder doch mehr Schein als Sein?

    Das Pilotprojekt wie es gerade in Großbritannien getestet wird hat zwar auch positive Auswirkungen auf unsere Lebensqualität, jedoch dient es letztendlich nur der Erhaltung der Arbeitskraft und ganz nebenbei entsteht der positive Effekt, dass viel Geld im Gesundheitssektor gespart wird. Denn wie der Stadtrat von East Suffolk sagt, investiere man das Geld um langfristig Geld einzusparen. Müssen die Menschen nicht ins Krankenhaus, reduziere das die viel höheren Kosten für das Gesundheitssystem.

    Im Klartext bedeutet das, dass diese Maßnahme lediglich der Aufrechterhaltung des kapitalistischen Systems dient. Was wir tatsächlich brauchen sind keine Heizkostenzuschläge, die nur für einige Teile der Bevölkerung greifen, sondern höhere Löhne, von denen wir uns unser Leben auch in Zeiten von Krieg und Krise finanzieren können!

    Die Übernahme der Heizkosten tragen mit Sicherheit dazu bei, dass wir finanziell entlastet werden. Jedoch ist das noch lange nicht die Lösung des eigentlichen Problems, nämlich dass wir jeden Tag für einen Hungerlohn buckeln müssen, von dem wir uns dann nicht mal das leisten können, was wir zum Leben benötigen. Mit Maßnahmen wie diesen ist es schlichtweg einfach nicht getan.

    Deshalb müssen wir immer weiter Forderungen stellen, die uns als Arbeiter:innen nützen und nicht Politiker:innen und den Großkonzernen zu mehr Geld und Macht verhelfen. Wir müssen uns organisieren, geschlossen auf die Straße gehen und echte Entlastungen in allen Bereichen fordern.

    Dazu zählen Forderungen wie der Stopp von Zwangsräumungen, weil Menschen durch die Teuerungen ihre Miete nicht mehr zahlen können. Eine Anpassung der Gehälter an die Inflation, sowie ein kostenloser und gut ausgebauter Nahverkehr. Das ist das Mindeste damit die Abwälzung der Krise auf unserem Rücken endlich ein Ende hat und unsere Gesundheit kein Privileg mehr ist für einige Wenige, die sich die enormen Heizkosten noch gerade so leisten können.

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