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Donnerstag, Juli 25, 2024
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    Türkische Angriffe auf Rojava und Südkurdistan halten an

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    Seit dem 19. November bombardiert das türkische Militär die kurdischen Gebiete in Nordsyrien (Rojava) und dem Irak. Neben den massiven Luftangriffen und Artilleriebeschuss droht die türkische Regierung auch mit dem Einsatz von Bodentruppen. In mehreren Grenzorten in Rojava kam es bereits zu Infiltrationsversuchen türkischer Söldner und Milizionäre. In Südkurdistan griff das türkische Militär mit Chemiewaffen an.

    Am 19. November startete die türkische Regierung erneut eine Angriffsoffensive auf die kurdischen Gebiete Nordsyrien (Rojava) und im Irak (Südkurdistan). Seitdem werden viele kurdische Orte fast täglich vom türkischen Militär angegriffen. Dabei wechseln sich Luftangriffe und Artilleriebeschuss ab. Laut der kurdischen Nachrichtenagentur ANF wird gezielt versucht, die zivile Infrastruktur, Krankenhäuser sowie die Nahrungs- und Stromversorgung zu zerstören.

    Allein am 3. Dezember seien laut ANF 46 Dörfer in Rojava bombardiert worden, am 1. und 2. Dezember sollen es insgesamt 153 gewesen sein. Besonders betroffen seien die strategisch wichtigen Grenzgebiete, wie z.B. die Region um Sehba. Hier sind bei einem Drohnenangriff  Samstagnacht zwei Mitglieder der QSD (Demokratischen Kräfte Syriens) gestorben.

    Auch die Umgebung um Ain Issa, die mit der Schnellstraße M4 eine direkte und militärisch wichtige Verbindung nach Osten sowie nach Raqqa bietet, wurde zum Ziel. Zudem gibt es regelmäßige türkische Angriffe auf die Stadt Kobane.

    Neben dem Beschuss durch Luftwaffe und Artillerie droht der türkische Präsident Erdogan auch immer wieder mit dem Einsatz von Bodentruppen. Bisher stehen die USA und Russland dem aber noch ablehnend gegenüber.

    Dennoch greifen türkische Söldner und islamistische Milizen vom seit 2019 besetzten Afrin aus immer wieder Grenzorte an, wie das Dorf Dibis bei Til Temir – vermutlich der Versuch, in Vorbereitung auf eine Großoffensive die Verteidigungsstellungen auszutesten. Die Angriffe konnten bisher jedoch immer von den QSD abgewehrt werden.

    Angriffe auch im Irak

    Die türkischen Angriffe beschränken sich jedoch nicht nur auf Rojava. Auch Südkurdistan (Irak) wird immer wieder bombardiert. So wurde am 2. Dezember laut ANF ein Mann beim Pilzesammeln im Asos-Gebirge bei einem türkischen Luftangriff getötet. Zwei seiner Begleiter:innen wurden lebensgefährlich verletzt.

    Laut Angaben des Pressezentrums der kurdischen Volksverteidigungstreitkräfte (HPG) wurden bei Angriffen im Gebiet um Cemco neben der Luftwaffe und Artillerie auch Chemiewaffen eingesetzt. Die Kämpfer:innen des HPG erlitten dabei laut eigenen Angaben keine Verluste.

    Jedoch seien bei einem Gegenangriff auf die türkischen Besatzungstruppen am Gire Amedi 5 türkische Soldaten getötet worden. Eine Landung weiterer türkischer Truppen per Hubschrauber konnte demnach ebenfalls verhindert werden.

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    Dutzende Menschen gestorben

    Laut letzten Angaben der QSD vom 1. Dezember sind bisher 13 Zivilist:innen sowie 20 Kämpfer:innen des QSD getötet worden. Wesentlich mehr Menschen wurden teils schwer verwundet. Auch starben bei den Angriffen mindestens 22 Soldaten des Assad-Militärs.

    Die syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte berichtet Ende November bereits über 75 getötete Personen, darunter 10 Zivilisten, 30 QSD-Kämpfer:innen, 5 “kurdische Soldaten” und 30 Assad-Militärs.

    Geheimdiplomatie läuft weiter

    Währenddessen finden hinter verschlossenen Türen weiterhin Verhandlungen zwischen den verschiedenen Mächten in der Region über einen türkischen Einmarsch statt. Die USA ebenso wie Deutschland warnten auch öffentlich den türkischen Präsidenten Erdogan vor einem Einmarsch. Zugleich lieferte der NATO-Beitrittskandidat Schweden jüngst einen Kurden an die Türkei aus, der dort sofort gefangen genommen wurde.

    Russland lehnt öffentlich ebenfalls eine Militärintervention ab. Anfang des Monats hatten zudem russische Truppen ihre Präsenz in der Nähe zu Tal Rifaat und Kobane verstärkt. Dies könnte ein Versuch sein, die “türkische Offensive zu stoppen oder hinauszuschieben”, sagte der Leiter der Syrischen Beobachtungsstelle, Rami Abdel Rahman, gegenüber AFP.

    Zugleich hatte Erdogan schon im November erklärt, einem Gespräch mit dem syrischen Machthaber Assad offen gegenüber zu sein. Es wäre das erste seit Beginn des syrischen Bürgerkriegs vor über 11 Jahren. Verhandlungen auf dieser Ebene könnten zu Absprachen eines abgestimmten Vorgehens gegen die kurdische Autonomieregion führen, sie könnten jedoch auch zu einer verschärften Konfrontation zwischen den beiden Regionalmächten beitragen.

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