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Samstag, Juli 20, 2024
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    Höchstwert an minderjährigen Soldat:innen in der Bundeswehr

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    In der Bundeswehr ist die Zahl der minderjährigen Soldat:innen auf einem 5-Jahres-Höchstwert. Kritiker:innen fordern eine Anhebung des Rekrutierungsalters und verweisen auf einen für Jugendliche traumatisierenden Alltag bei der Armee. Die Bundeswehr verteidigt die Rekrutierung von 17-jährigen.

    Insgesamt 1.773 minderjährige Soldat:innen seien laut dem Verteidigungsministerium im vergangenen Jahr bei der Bundeswehr angestellt worden. Davon sind 327 Mädchen im Alter von 17 Jahren. Das bedeutet einen Anstieg um 43 Prozent gegenüber 2021 (1.239 Soldat:innen) und dass jede:r zehnte neu eingestellte Soldat:in unter 18 Jahren ist. Davon seien 747 auch nach Ablauf der sechsmonatigen Probezeit noch minderjährig. Das berichtet die Kampagne Unter 18 Nie.

    Kritik von Menschenrechtsorganisationen und UN

    Verschiedene Initiativen und NGOs kritisieren diesen Höchstwert. Die Kinderrechtsorganisation „terre des hommes“ spricht von einem „Armutszeugnis für die Bundesregierung“ und betont, dass Minderjährige bei der Bundeswehr „hohen Risiken wie Unfällen, starken psychischen Belastungen und sexuellem Missbrauch ausgesetzt sind“. Sie fordern daher eine Anhebung des Rekrutierungsalters auf 18 Jahre, so wie es in über 150 Staaten weltweit Regel ist.

    Dieser Kritik schließt sich unter anderem auch der UN-Ausschuss für die Rechte des Kindes an und kritisiert die Bundesrepublik wegen der andauernden Rekrutierung Minderjähriger scharf. Darüber hinaus wird vor allem die gezielte Werbung für Minderjährige in Frage gestellt. So gehört die Bundeswehr beispielsweise zu den Hauptausstellern auf der „Gamescom“, der weltweit größten Computerspielemesse. Zudem werden Jugendliche wohl gezielt Werbematerialien durch die deutsche Armee zugesendet.

    Wie die Bundeswehr die Jugend für den Krieg gewinnen will

    Rekrutierung mit Einstimmung der Eltern

    Die Bundeswehr selbst widerspricht dieser Kritik auf ihrer Homepage und betont, es werde sich an die völkerrechtlichen Verpflichtungen wie der UN-Kinderrechtskonvention gehalten. Es würden „Nachteile“ gegenüber anderen Berufseinsteiger:innen entstehen, wenn nicht auch 17-jährige mit der Ausbildung zu Soldat:innen beginnen könnten.

    Darüber hinaus wird betont, dass die minderjährigen Soldat:innen Schusswaffen ausschließlich zu Übungszwecken verwenden dürften und nicht in Einsätze geschickt werden könnten. Das bedeutet allerdings, dass die Jugendlichen durchaus mit automatischen Waffen schießen lernen und für den Kriegsdienst ausgebildet werden. Für den Beginn der Ausbildung sei allerdings die Zustimmung der Eltern notwendig.

    Es bereitet der Bundeswehr seit einigen Jahren große Probleme, neue Menschen für den Kriegsdienst anzuwerben und auch dauerhaft zu halten. Daher investiert die Armee stark in neue Propaganda-Offensiven und versucht damit vor allem junge Menschen zu erreichen sowie eine berufliche Perspektive im Heer zu bieten.

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