Nachdem der Jahreswechsel in Europa alle möglichen Hitzerekorde brach, mangelt es auch in den Alpen an Schnee. Um das florierende Wintersportgeschäft trotzdem am Laufen zu halten, wird in einem Schweizer Dorf zu radikalen Maßnahmen gegriffen, welche an Absurdität kaum zu übertreffen sind. Ein Kommentar von Konstantin Jung

Wer sich Bildern von Schweizer Skiorten im Internet anschaut, trifft vor allem auf Winterlandschaften aus dem Bilderbuch – weiße Nadelbäume, hohe Berge und beleuchtete Chalets mit schneebedeckten Dächern. Doch seit einiger Zeit, insbesondere dieses Jahr, ist der Januar in den Alpen eher braun-grün.

So auch in Gstaad, einem Dorf im Kanton Bern, welches als der Teil der eher luxuriöseren Skigebiete gilt. Um eine Verbindungspiste zwischen zwei größeren Streckenabschnitten zu schaffen, wurden ein Helikopter zum Einfliegen von Schnee bestellt. Obwohl er einige Bahnen geflogen ist, kann die Verbindung aber allen Mühen zu Trotz derzeit nicht befahren werden. Die Aktion blieb also ohne Erfolg.

Zwar mag es sich bei der Maßnahme eher um einen Einzelfall handeln, so verursacht sie aber vor allem in Zeiten von steigenden Energiepreisen und Verarmung Kopfschütteln. Umso zynischer also, dass Gstaad laut eigener Website „auf einen bewussten Umgang mit Ressourcen“ setzt. Wenn es selbst zu warm für den Einsatz von Schneekanonen ist, dann ist es vielleicht einfach nicht die richtige Zeit für Wintersport.

Europa wird immer heißer

Zumal diese auch im Regelbetrieb klimatechnisch eher negativ auffallen – zwei Drittel der alpinen Pistenfläche werden künstlich beschneit, der dafür benötigte Strom entspricht dem jährlichen Verbrauch von 500.000 Haushalten. Darüberhinaus benötigt Kunstschnee eine Menge Wasser, wodurch einige Flüsse in den Alpen bis zu 70 Prozent weniger Wasser als vor der Einführung von Schneekanonen führen.

Mit konkretem Blick auf Gstaad fällt außerdem auf, dass es sich nicht um ein x-beliebiges Skigebiet für Normalverbraucher:innen handelt. In der Region kursieren die absurdesten Steuervermeidungsmodelle, weshalb sie vor allem Urlaubsgäste mit teils milliardenschweren Vermögen anzieht. Kaum vorzustellen also, dass sie diese Saison ohne Skipiste auskommen könnten.

Womöglich fällt die Klimabelastung seitens des Skitourismus eher gering ins Gewicht, so fordert der Klimawandel ihn aber trotzdem heraus. Viel notwendiger wäre jedoch die Bekämpfung der Ursachen, nicht der Symptome. Doch bis dahin wird wohl vor allem denen geholfen, die auch das nötige Geld haben – koste es, was es wolle.


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