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Dienstag, März 5, 2024
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    Kriegsindustrie: Rheinmetall steigt in den Dax auf

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    Ein Jahr nach Olaf Scholz’ Zeitenwende-Erklärung macht sich die Aufrüstungsstrategie der Bundesregierung für die Industrie bezahlt. Der Rüstungskonzern Rheinmetall steigt nach einem hervorragenden Börsenjahr in den Dax auf und verdrängt dort den Dialysekonzern Fresenius Medical Care. Jetzt will das Unternehmen eine Panzerfabrik in der Ukraine bauen.

    Munition statt Medizin. Der Düsseldorfer Rüstungskonzern Rheinmetall steigt nach einem Rekord-Börsenjahr in den führenden deutschen Aktienindex Dax auf. Dafür fliegt das Unternehmen Fresenius Medical Care, das auf Dialyseprodukte und medizinische Dienstleistungen für Nierenpatient:innen spezialisiert ist, nach 24 Jahren aus dem Dax heraus. Dies teilte die Deutsche Börse am Freitagabend mit.

    Der Dax (Deutscher Aktienindex) misst die Wertentwicklung der 40 größten und zahlungskräftigsten börsennotierten Unternehmen in Deutschland. Kaufen viele Menschen Aktien eines Unternehmens, weil sie zum Beispiel hohe Gewinne und damit Dividenden von diesem Unternehmen erwarten, steigt der Preis der Aktien und damit sein Börsenwert. Kommt das Unternehmen damit in die deutschen Top-40, wird es in den Dax aufgenommen. Die Bewertung des Börsenwerts der frei gehandelten Aktien im Streubesitz wird durch die Deutsche Börse vorgenommen, die üblicherweise einmal im Quartal über die Dax-Zusammensetzung entscheidet.

    Ein Jahr Zeitenwende: Deutschland auf Kriegskurs

    Der Kurs der Rheinmetall-Aktie ist seit dem Beginn des Ukraine-Kriegs und der Ankündigung eines 100-Milliarden-Euro-Aufrüstungsprogramms durch Kanzler Scholz im Februar 2022 um rund 190% gestiegen. Erst im Januar meldete der Waffenproduzent eine Gewinnsteigerung um mehr als 20% in 2022 und einen Umsatz von 6,4 Milliarden Euro — was einem Plus von 13% entspricht. Die Aufnahme in den Dax dürfte nun dazu führen, dass zusätzliches Kapital in Rheinmetall-Anteile fließt.

    Unternehmensgeschichte im Hitler-Faschismus

    Der Rheinmetall-Konzern gehört zu den ältesten deutschen Rüstungsunternehmen und stellte schon in den ersten beiden Weltkriegen Waffen und Munition für den deutschen Imperialismus her. Unter dem Hitler-Faschismus war das Unternehmen als Teil der „Reichswerke Hermann Göring“ ein integraler Bestandteil der Nazi-Kriegsmaschinerie und beschäftigte gegen Kriegsende etwa 5.000 ausländische Zwangsarbeiter:innen, darunter ungarische Jüd:innen aus einem Außenlager des KZ Bergen-Belsen. Heute deckt das Unternehmen mit Panzern, Groß- und Mittelkaliberwaffen, Flugabwehrsystemen, Aufklärungssystemen, Cyber Security und anderen Produkten eine große Bandbreite der modernen Kriegsführung ab.

    Für die Zukunft hat das Unternehmen bereits Expansionspläne. Im Februar kündigte Rheinmetall den Bau einer Pulverfabrik in Sachsen an, auch um die deutsche Rüstungsproduktion von chinesischen Vorprodukten zu entkoppeln. Am Samstag meldete das Unternehmen außerdem, dass es in der Ukraine ein neues Panzerwerk bauen will. Dort sollen jährlich bis zu 400 Kampfpanzer des Typs Panther produziert werden.

    Von russischer Seite wird dieses Vorhaben von Rheinmetall eindeutig als Provokation verstanden. Dimitri Medwedew ist ehemaliger Präsident Russlands und stellvertretender Leiter des Sicherheitsrats der russischen Föderation. In dieser Funktion ist er vor allem für seine brutale Linie gegen russische Kriegsgegner:innen bekannt und forderte die Wiedereinführung der Todesstrafe für Landesverrat.

    Auf seinem Telegram-Kanal gab er eine Stellungnahme ab: “Wenn die Fritzen aber entscheiden, dort tatsächlich zu bauen (obwohl sie eigentlich pragmatische Leute sind), dann warten wir sehnlich. Das Ereignis wird mit gebührendem Salut aus Kalibr und anderen pyrotechnischen Anlagen begangen.”

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