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Sonntag, März 3, 2024
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    Rotes Meer: Transportweg nach Angriffen unterbrochen, Deutschland diskutiert Marine-Einsatz

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    Seit Beginn des Gaza-Kriegs greifen jemenitische Rebellen westliche Handelsschiffe im Roten Meer an. Die großen Reedereien Maersk und Hapag-Lloyd haben deshalb den Warentransport durch das Rote Meer und den Suezkanal unterbrochen. Die Bundesregierung prüft nun den Einsatz der deutschen Marine. Der Seeweg durch das Rote Meer mit dem Suezkanal im Norden ist für den europäisch-asiatischen Warenhandel essentiell.

    Der Gaza-Krieg entwickelt sich immer mehr zu einem regionalen hybriden Krieg in Westasien. Nach dem erneuten Beschuss von Handelsschiffen im Roten Meer durch die jemenitischen Huthi-Rebellen wollen die großen Reederei- und Transportmonopole Maersk und Hapag-Lloyd bis auf weiteres keine Schiffe mehr durch das Rote Meer und den Suezkanal schicken. Damit ist die wichtigste Seehandelsroute zwischen Europa und Asien vorerst lahmgelegt, Frachtschiffe müssen einen riesigen Umweg um den afrikanischen Kontinent nehmen und der internationale Warenverkehr könnte — wie schon während der Corona-Pandemie — erneut empfindlich gestört werden.

    Der Schritt der Reedereien erfolgte als Reaktion auf den Beschuss eines Hapag-Lloyd-Frachters zwischen Jemen und Dschibuti am Freitag. Dabei wurden Container beschädigt und ein Feuer an Bord brach aus. Das Schiff konnte seine Fahrt jedoch fortsetzen. Wie die dänische Reederei Maersk mitteilte, sei man zutiefst besorgt über die eskalierte Sicherheitslage im südlichen Roten Meer und im Golf von Aden. Ein Sprecher von Hapag-Lloyd erklärte, man wolle am Montag erneut über die Lage entscheiden.

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    Huthi-Rebellen als Teil eines hybriden Kriegs

    Die Huthi-Rebellen bekämpfen im Jemen das von Saudi-Arabien gestützte Regime und sind ihrerseits mit dem Iran verbündet. Sie verstehen sich als Teil einer „Achse des Widerstands“ zusammen mit der islamisch-fundamentalistischen Hamas und der Hisbollah-Miliz im Libanon. Faktisch ist diese Achse Teil einer hybriden, das heißt auf militärische und nicht-militärische Mittel setzenden Kriegsführung des Iran gegen Israel. Im Rahmen dieses hybriden Kriegs greifen die Huthis Israel seit Beginn des Gaza-Krieges immer wieder mit Drohnen und Raketen an. Darüber hinaus haben sie angekündigt, Schiffe jeglicher Nationalität auf dem Weg nach Israel an der Durchfahrt im Roten Meer zu hindern. Sie würden nur Frachtern die Durchfahrt gewähren, die Hilfsgüter für den Gazastreifen lieferten. Alle anderen würden zu „legitimen Zielen unserer Streitkräfte“.

    Die Huthi-Rebellen bekannten sich schon zu Raketenangriffen auf mehrere Schiffe, die auf dem Weg nach Israel gewesen sein sollen. Erst Ende November enterten Rebellen das Autofrachtschiff „Galaxy Leader“ und nahmen die Besatzung als Geiseln.

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    Die Huthis kontrollieren ein jemenitisches Gebiet in der Nähe der Meerenge vom Bab al-Mandab, das auch als „Tor der Tränen“ bekannt ist und den einzigen südlichen Zugang zum Roten Meer bildet.

    Bundesregierung prüft deutschen Marineeinsatz

    Die Bundesregierung will nun womöglich die deutsche Marine zu einem Einsatz ins Rote Meer schicken. Eine entsprechende Prüfung laufe bereits seit einer Woche, nachdem US-Militärs Deutschland um Unterstützung bei der Seeraumüberwachung in der Region angefragt hatten. US-Kriegsschiffe patrouillieren bereits seit längerem in der Region, die USA wollen die europäischen Länder dabei jedoch stärker beteiligt sehen.

    Ein deutscher Marineeinsatz wird auch von der Vorsitzenden des Verteidigungsausschusses des Bundestags, Marie-Agnes Strack-Zimmermann (FDP) gefordert: „Wir sollten unterstützen, dass die Marine zusammen mit internationalen Partnern die Schiffe schützt“. Verteidigungsminister Pistorius erklärte am Freitag lediglich, dass die Regierung die Anfrage aus den USA und die Optionen, die es dazu gibt, prüfe, aber „noch nicht am Ende angelangt“ sei.

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    Nadelöhr des Welthandels — steigende Preise befürchtet

    Der Suezkanal ist eine der wichtigsten Seerouten für den Welthandel. Das jährliche Frachtvolumen, das durch den Kanal verschifft wird, hat sich in den letzten 20 Jahren etwa verdreifacht und betrug 1,4 Milliarden Nettotonnen im Jahr 2022 — was etwa der Ladung von gut 9.000 durchschnittlichen Frachtschiffen entspricht.

    Jeder Tag Unterbrechung des Lieferverkehrs durch den Kanal kann daher erhebliche Auswirkungen auf den internationalen Warenverkehr nach sich ziehen. Hapag-Lloyd hat nach Handelsblatt-Angaben bereits Preiserhöhungen infolge der Angriffe angekündigt. Während der Corona-Pandemie war die Explosion der Frachtpreise einer der wichtigsten Motoren für die weltweiten Steigerungen von Warenpreisen.

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