25 Grad – im April. Vor einigen Jahren hätten die meisten Menschen nicht mal im Traum an solch ein Szenario gedacht. Doch die Zeiten haben sich geändert und die Katastrophe der Klimakrise rückt bedrohlich näher. Doch auch der Protest dagegen wächst stetig. Was die wirklichen Ursachen der Klimakrise sind und wer die Schuld daran trägt, sind Fragen, die bei eben diesen Protesten allerdings meist unbeantwortet bleiben. – Ein Kommentar von Fiete Anderson
Waldbrände in Australien, immer öfter vorkommende Dürren und Hitzewellen, das Schmelzen der Gletscher und ein stetig ansteigender Meeresspiegel. – Immer wieder hört man von den erschreckenden Auswirkungen der Klimakrise. Während es den Arbeiter:innen in Deutschland noch vergleichsweise gut geht, leiden auf anderen Teilen der Erde bereits jetzt schon unzählige Menschen unter dem achtlosen Umgang mit Klima und Umwelt. Doch auch hier zulande markieren Katastrophen – wie beispielsweise die massiven Überschwemmungen im Ahrtal im Juli 2021 oder immer häufiger vorkommende Unwetter – die absehbaren Folgen der Klimakrise.
Dass dies die Menschen international beschäftigt, ist leicht zu erkennen. Vor allem in den letzten Jahren regte sich in vielen Ländern eine große Protestbewegung, die rasant wuchs und immer mehr an öffentlicher Aufmerksamkeit gewann. Am populärsten darunter ist wohl Fridays for Future, eine Jugendorganisation aus vielen unterschiedlichen Menschen, die begannen, Freitags die Schule zu schwänzen, um ihren Protest gegen die Klimakatastrophe auf die Straße zu tragen.
5 Jahre „Fridays for Future“ – was konnte der Schulstreik fürs Klima erreichen?
Auch hier in Deutschland ist die Organisation so gut wie allen ein Begriff. Obwohl die Klimabewegung in der BRD äußerst groß ist, was man grundlegend sehr positiv bewerten sollte, zieht sich ein auffälliges Merkmal durch beinahe jede Klimademonstration, die stattfindet: Fast auf jeder größeren Fridays for Future-Demo sieht man Fahnen der SPD, der Grünen, der FDP oder sogar manchmal der CDU. Da stellt sich die Frage, was solche Kräfte auf einer Demonstration zu suchen haben, die sich gegen die klimaschädliche Regierungspolitik wendet?
Von Grün bis Union – die Parteien lügen und heucheln
Dass die bürgerlichen Parteien auf solchen Aktionen vertreten sind und sich entsprechend „sozial“ und „klimainteressiert“ geben, ist keine klare Position, die von ihnen vertreten wird, sondern eher Heuchelei. Dass SPD, Grüne und Co. in keiner Art und Weise für die Bekämpfung der Klimakrise stehen, zeigt deren Politik. Es werden große Reden geschwungen, dass man z.B. weniger heizen solle, um einen Beitrag zu einer klimafreundlichen Gesellschaft zu leisten.
Doch gleichzeitig sind es genau dieselben Politiker:innen, welche die profitorientierte, klimaverachtende Produktionsweise der Großkonzerne verteidigen, Waffen in Kriegsgebiete liefern, die dort die Umwelt verpesten oder jene, die jeglichen tiefgründigeren, klassenkämpferischen Protest kriminalisieren. Die Parteien täuschenn ihr Interesse an der Klimathematik eher vor und mischen sich so unter die Bewegung.
Ebenso missbrauchen die bürgerlichen Parteien Massendemonstrationen immer wieder für ihren Wahlkampf. Während sie sich ein grünen Anstrich verpassen und ihre Lügen unter die Arbeiter:innenschaft tragen, lenken sie den Fokus über die wahrhaften Ursachen der Klimakrise, die fest im System verankert sind, auf simple und verkürzte Thesen, wie beispielsweise die Konsumkritik. Dabei wird den „gewöhnlichen“ Arbeiter:innen erzählt, man solle lieber Fahrrad fahren, um das Klima zu retten, während von der unkontrollierten, mensch- und umweltausbeutenden Wirtschaft, auf der das gesamte System basiert, abgelenkt wird. Dazu passen auch Wirtschaftsminister Habecks jüngsten „Tests“, wie sehr man Klimaschutz auf Kosten der Bevölkerung machen kann. Doch wenn der grundlegende Pfeiler dieses Systems eine ausbeutende, umweltschädliche Wirtschaftsweise ist, wie können wir der immer näher rückenden Klimakrise entgegnen?
Es gibt keinen grünen Kapitalismus!
Durch die bürgerlich und systemtreue Prägung der Klimaproteste ist es Parteien wie SPD und Grüne möglich, sich in ihnen ausbreiten. Auch wenn es eine sehr wichtige Protestströmung ist, herrscht eine deutliche Verklärung innerhalb der Bewegung. Es werden die Folgen der Klimakrise kritisiert, doch eine tiefere Auseinandersetzung mit den Ursachen bleibt meist unerwünscht.
So werden oft Forderungen an Politiker:innen gestellt, ohne zu erkennen, dass ein effektiver Klimaschutz aus genannten Gründen einer Überwindung des herrschenden Systems und dessen zugehöriger Wirtschaft bedürfte. Eine Wirtschaft, die darauf ausgelegt ist, maximalen Profit für einige Wenige zu schaffen, ohne dabei auf Faktoren, wie bespielsweise Umwelt einzugehen, kann nicht positiv verändert werden. Sie muss ersetzt werden. Es muss folglich eine Alternative zu der gegenwärtigen Gesellschaftsordnung geschaffen werden, die den wirtschaftlichen Fokus auf das Wohl von Mensch und Umwelt richtet – eine geplante, regulierte Wirtschaft, in der sorglose Umweltverschmutzung, regelmäßige Überproduktion und die daraus folgende schädliche Entsorgung der Vergangenheit angehören.
Um dies zu erreichen, muss ein klarer, klassenbewusster Klimaprotest geschaffen werden. Auch heute, am 31. Mai, kommt es wieder in zahlreichen Städten Deutschlands zu groß angesagten Klimastreiks, für welche die Parteien in Aussicht auf die anstehenden Europawahlen wieder sehr aktiv werben. Die Klima-Demos dürfen jedoch keine Bühne der bürgerlichen Parteien sein – denn ihre zerstörerische Politik lähmt unseren Protest! Nur mit diesem Bewusstsein kann eine einheitliche Bewegung gegen die Klimakatastrophe entstehen, die das System und die Krisen, die dieses mit sich bringt, ins Zittern versetzt.

