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Montag, Juni 24, 2024
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    Reiche Nazis auf Sylt und die Heuchelei der Ampel

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    Seit Donnerstag geht ein Video aus einer Bar auf Sylt viral, in dem reiche junge Menschen rassistische Lieder singen und den Hitlergruß zeigen. Die Reaktionen von SPD und Co. triefen nur so vor Heuchelei. – Ein Kommentar von Fridolin Tschernig.

    Am Donnerstag ist in den Sozialen Medien ein Video aufgetaucht, das für Schlagzeilen sorgt. Es zeigt eine tanzende Menge im Sylter Nachtclub „Pony“ – 150 Euro kostete hier der Eintritt am Pfingstwochenende. Die Gäste: Junge reiche Deutsche, manche mit Gläsern in der Hand, Sonnenbrillen auf dem Kopf, Polo-Shirts und umgebundenen Pullovern.

    Zusammen grölen fast alle gemeinsam: „Deutschland den Deutschen, Ausländer raus“. Einer imitiert Adolf Hitler und zeigt den Hitler-Gruß. Die Parolen haben sie von einem TikTok-Trend, bei dem der Song „L’Amour Toujours“ von Dj Gigi D’Agostino mit eigenem Text übergrölt wird. Videos davon waren erstmals im Januar durchs Netz gegangen.

    In der Pony-Bar haben die faschistischen Parolen an dem Abend weder aus der feiernden Menge heraus, noch von den Mitarbeiter:innen Widerspruch zu spüren bekommen.

    Reaktionen von SPD und Co.

    „Deutschland den Deutschen – die unsere Demokratie verteidigen“ – das schrieb die SPD kurz danach in einem Post auf Instagram. Damit forderten sie aber nicht wirklich etwas großartig anderes als die jungen Rechten auf Sylt. Nach einem kleinen Shitstorm löschte sie den Post wieder. Zu sehen ist die Haltung der SPD auch an einem Tweet von Kanzler Olaf Scholz auf X: „Solche Parolen sind eklig. Sie sind nicht akzeptabel #Sylt“.

    „Eklig“ wird es jedoch dann, wenn man sich in Erinnerung ruft, dass Kanzler Scholz vor ein paar Monaten eigentlich fast das Gleiche wie die grölenden Partygänger:innen auf Sylt gesagt hatte: Sein Ausspruch „Wir müssen endlich im großen Stil abschieben“ – praktisch ein „Ausländer raus“ in gehobener Sprache – aus dem Oktober 2023 ist den meisten Menschen im Gedächtnis geblieben. Auch in den Handlungen der SPD und Ampel-Regierung zeigt sich diese Art rassistischer Politik gegenüber Migrant:innen und Geflüchteten in Deutschland, u.a. mit der Einführung des „Rückführungsverbesserungsgesetzes“ oder der GEAS-Reform auf EU-Ebene.

    Deutschland wärmt sich im Abschieben auf

    Die Junge Alternative aus Brandenburg sprang ähnlich wie die SPD auf den medialen Hype auf: Die Vorsitzende Anna Leisten hatte das Video geteilt und schrieb darunter: „Ich komme im Sommer nach Sylt – gibt es da schon eine JA?“. Genau so wird es in Zukunft in Deutschland öfter laufen: rassistische und faschistische Vorfälle finden statt, die „Demokrat:innen“ von Linkspartei bis CDU distanzieren sich halbherzig, und die AfD feiert sie ganz offen. Das ist gesellschaftlicher Rechtsruck wie aus dem Bilderbuch.

    Konsequenzen?

    Folgen hat das Video für die Darsteller:innen auf jeden Fall: zum Teil wurden Namen und Arbeitsort herausgefunden und öffentlich gemacht. Der „Staatsschutz“ ermittelt wegen Volksverhetzung und das „Pony“ hat den Feiernden Hausverbot ausgesprochen – fast eine Woche nach der rechten Feier. Die Bar erklärte dazu, dass die Mitarbeiter:innen an dem Abend nichts davon mitbekommen hätten. Ohne das virale Video hätte es vermutlich also keinerlei Konsequenzen gegeben.

    So inhaltsleer die Abgrenzungen von CDU oder SPD auch sein mögen, so viel sagen sie auch: An der Situation in Deutschland wird sich nichts verändern. Abschiebungen gehören zunehmend zum traurigen Alltag, die Medien hetzen weiter gegen „kriminelle Ausländer“, und Faschist:innen wie die AfD gewinnen immer mehr an Zuspruch. Das bereitet den Nährboden für viele weitere solcher Partys wie auf Sylt, bei denen rechte und faschistische Positionen wortwörtlich den Ton angeben.

    • Seit 2022 Autor bei Perspektive. Schreibt als Studierender aus Sachsen insbesondere internationalistisch über die Jugend, Antimilitarismus und das tagespolitische Geschehen. Vorliebe für Gesellschaftsspiele aller Art.

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