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Mittwoch, Juli 24, 2024
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    Warum ich dieses Jahr zur Stonewall-Demo gehe?

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    Heute finden bundesweit in verschiedenen Städten Demonstrationen für LGBTI+-Befreiung statt. Anlass sind die militanten Stonewall-Aufstände in New York von der Nacht des 27. auf den 28. Juni 1969. Doch auch heute sind LGBTI+ nicht befreit. – Ein Kommentar von Finn Krummbach.

    Gehisste Regenbogen an den Rathäusern, Werbung, die LGBTI+ aufgreift, und bunte Paraden beim Christopher Street Day gibt es auch diesen Sommer wieder auf den Straßen vieler Großstädte zu sehen. Doch unsere Unterdrückung besteht weiterhin und Unternehmen, Politik tragen sie. Beispiele sind die psychische Schikane, die einer medizinischen Geschlechtsangleichung vorangeht, oder Polizeigewalt, die wir erleben.

    Wir haben keinen Platz in der Gesellschaft und werden an den Rand gedrängt. Die Profiteure des Kapitalismus verschaffen für uns häufig einen Lebensweg aus Mobbing, beginnend in der Schule über Stress mit den Eltern, Rauswurf aus der Familie, Gewalt vom Partner, Psychoterror von Behörden bis hin zur Prostitution und Obdachlosigkeit. Und wenn wir über unsere Unterdrückung sprechen und uns dagegen stark machen, werden wir nicht ernst genommen. Wir hätten es doch so viel besser als in anderen Ländern.

    Faschisierung und Instrumentalisierung

    Dabei gibt es LGBTI+-Unterdrückung überall auf der Welt und ist keine Kulturfrage. In Deutschland jährt sich bereits zum 30. Mal die Abschaffung des Paragrafen 175 StGB, unter dem Homosexualität unter Männern verboten war. Heute sehen wir unsere hart erkämpften Errungenschaften erneut bedroht. Mit dem Aufstieg der faschistischen AfD bekommt eine rechte und LGBTI+-feindliche Ideologie in Deutschland erneut großen Einfluss.

    30 Jahre Abschaffung des §175 StGB – sind LGBTI+ jetzt frei?

    Die Zahl von transfeindlich-motivierten Straftaten hat sich von 2022 bis 2023 mehr als verdoppelt, so nur die bekannten Fälle des Bundeskriminalamts. Faschistische Angriffe auf LGBTI+ auf offener Straße häufen sich, offen als LGBTI+ zu leben wird zunehmend gefährlicher.

    Nur wenn die bürgerliche Politik es gerne zu einer Kulturfrage macht, wenn es um die Rechtfertigung staatlicher Interessen geht, sind Feminismus und LGBTI+-Rechte auf einmal hoch im Kurs. Nehmen wir den israelischen Völkermord in Gaza oder den russischen Krieg in der Ukraine: In beiden Fällen werden die vom deutschen Staat unterstützten Kriegsparteien zu Verteidiger:innen der LGBTI+-Rechte auf dem jeweiligen Fleck der Erde erklärt, entgegen dem moralisch unterlegenden Feind.

    Dabei sehen wir, dass gerade in den kommenden Kriegen LGBTI+-Rechte wohl stark eingeschränkt werden. Das neue sogenannte „Selbstbestimmungsgesetz“, das Namens- und Geschlechtsänderungen vereinfacht, regelt nämlich schon vorläufig, dass alle Personen, denen bei Geburt das männliche Geschlecht zugewiesen wurde, auch an die Front geschickt werden können, sollte es ernst werden.

    Bundestag stimmt über Selbstbestimmungsgesetz ab

    Keine Macht dem Klassenfeind: Heraus zum Stonewall-Kampftag!

    LGBTI+-Personen sind ein wichtiger Teil des politischen Widerstands der Arbeiter:innenklasse gegen das herrschende System. Wir werden vom patriarchalen Kapitalismus isoliert, vereinnahmt und mit Gewalt eingeschüchtert, um uns nicht von unseren Ketten zu befreien. Die Klasse der Kapitalist:innen steht uns also entgegen.

    Dass das Kapital den Widerstand von LGBTI+-Personen als Bedrohung ansieht, zeigt wie viel Potenzial in LGBTI+ steckt. Wenn wir es schaffen, die symbolischen Bekenntnisse des Kapitals zu LGBTI+-Rechten zu entlarven, wenn wir gegen Homo- und Transfeindlichkeit in unseren eigenen Reihen kämpfen und eine kämpferische Arbeiter:innenbewegung aufbauen, können wir ein großes Stück zur Befreiung der Gesellschaft von Hass und Hetze beitragen. Denn nur eine vereinte Arbeiter:innenklasse kann die Herrschaft der Kapitalist:innen brechen und mit dem Sozialismus die Voraussetzung zu Befreiung aller Geschlechter legen.

    Hinter diesem Ziel rufen Bündnisse in verschiedenen Städten bundesweit zu kämpferischen Stonewall-Demonstrationen auf. Angelehnt an die Stonewall-Aufstände 1969 New York soll am Jahrestag an die Tradition eines militanten Kampfes angeknüpft werden.

    Rechte verteidigen, Freiheit erkämpfen! Heraus zum Stonewall Kampftag!

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