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Sonntag, Juli 21, 2024
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    E-Zigaretten und Vapes: Tödliche Gefahr in kunterbunt

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    Harmlos, süß schmeckend und bunt – so werden Vapes als Alternative gegenüber herkömmlichen Zigaretten inszeniert und haben damit großen Erfolg. Dass das nichts als tödliches Marketing ist, zeigt Marlon Glaiß in seinem Kommentar.

    Jeder kennt sie, denn sie sind überall: E-Zigaretten oder Vapes lassen sich in jedem Späti, Supermarkt und sogar an gesonderten Automaten für E-Zigaretten erwerben. In Deutschland ist der Umsatz auf dem E-Zigarettenmarkt im Zeitraum von 2013 bis 2023 von 100 Millionen auf 700 Millionen Euro angestiegen. Doch woher kommt eigentlich der plötzliche Hype?

    Das absurde Erfolgsrezept der elektrischen Zigaretten

    Schon seit mehr als zehn Jahren findet man die mit Hitzestäben betriebenen Einwegvapes sowie auffüllbare E-Zigaretten auf dem deutschen Markt. Doch so beliebt und massiv beworben wie heute sind sie noch nicht so lange.

    Das Erfolgsgeheimnis hinter den Tabakerhitzern ist eine eigentlich gegenteilige Entwicklung. Seit Jahren zeichnet sich in Deutschland der Trend ab, dass immer weniger Leute rauchen. So lag der Zigarettenabsatz in Deutschland von Januar bis November 2023 mit knapp 60 Milliarden Stück zwei Prozent unter dem Niveau des Vorjahrs. Im Jahr 2022 war der Absatz sogar um 8,3 Prozent im Vergleich zu 2021 zurückgegangen.

    Diese Entwicklung ist zwar gut für Gesundheit und Geldbeutel der Bevölkerung, aber schlecht fürs Geschäft. Um dem Rückgang entgegenzuwirken, werben Unternehmen auf dem Tabakmarkt nun schon länger mit „schadstoffreduzierten Produkten“ wie E-Zigaretten.

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    Eine gesündere Alternative für Raucher:innen?

    „Wir haben eine Verpflichtung gegenüber der Gesellschaft, die von uns erwartet, dass wir verantwortungsvoll handeln“, heißt es auf der Website des Tabakkonzerns Philip Morris. Dort erklärt das Unternehmen sein Ziel, eine rauchfreie Zukunft zu schaffen. „Es ist Zeit für einen rauchfreien Sommer“ kann man aktuell groß auf der Startseite von IQOS, einem Produkt von Philip Morris, lesen.

    Unter „rauchfrei“ versteht Philip Morris hierbei jedoch nicht „ohne Zigaretten“, sondern mit IQOS, E-Zigaretten, die den Tabak nicht vollständig verbrennen, sondern ihn lediglich erhitzen.

    Dass dadurch die Gesundheit der Raucher:innen wesentlich weniger belastet werde, darin besteht das Marketing-Versprechen von Konzernen wie Philip Morris. Allerdings entpuppt sich dieses bei genauerem Hinsehen als glatte Lüge. Eine unabhängige Studie analysierte Forschungsergebnisse des Unternehmens und kam zu dem Ergebnis, dass beim Konsum von IQOS „keine durchgängig geringeren Schadenrisiken“ als bei normalen Zigaretten bestehen würden. „Es konnte nicht nachgewiesen werden, dass der Umstieg auf das IQOS-System das Risiko, tabakbedingte Krankheiten zu entwickeln, im Vergleich zum Rauchen von Zigaretten verringert“, heißt es laut einem Bericht des Magazins Infosperber in einem geheimen Papier des Konzerns an die US-amerikanischen Gesundheitsbehörde Food and Drug Administration.

    Gewinn um jeden Preis

    Das Beispiel von Philip Morris sowie die groß aufgezogene Marketingkampagne für E-Zigaretten im Allgemeinen machen zwei Dinge klar.

    Erstens: Elektronisch betriebene Zigaretten sind nicht erkennbar weniger schädlich als herkömmliche Zigaretten.

    Zweitens: Bei dem heraufbeschworenen Trend um E-Zigaretten handelt es sich um den Versuch der Tabakindustrie, das eigene Geschäft in Anbetracht des in der Gesellschaft sinkenden Zigarettenkonsums zu retten. Dafür werden vermeintlich „ungefährliche“ Produkte geschaffen, deren Aufmachung und Geschmack auch den Verdacht zulässt, sie könnten auf Kinder ausgerichtet sein.

    Wieder einmal zeigt sich: Im Kapitalismus wird profitorientiert produziert und dafür auch die Verbraucher:innen belogen. Solange der Gewinn stimmt, werden dafür auch massive Gesundheitsschäden durch Großkonzerne in Kauf genommen.

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