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Brandkatastrophe in Los Angeles – Neue Normalität?

205.000 Menschen auf der Flucht, 28 Tote – so startete das Jahr für die Bevölkerung von Los Angeles, die mit einer der schwersten Brandkatastrophen in der Geschichte der USA zu kämpfen hatte. – Ein Kommentar von Alex Lehmann.

Zum Jahresbeginn entfaltete sich in den USA im letzten Monat eine der verheerendsten Naturkatastrophen in der Geschichte des Landes: Eine Kombination aus der extrem trockener Umwelt und Orkan-Winden hatten in der Metropolregion Los Angeles Brände ausgelöst, die ganze Stadtteile hinweggefegt haben.

In den elf Tagen, die das Feuer brannte, verloren über zwei Dutzend Menschen ihr Leben und über 205.000 weitere mussten aus ihren Häusern fliehen. Der Sachschaden wird auf etwa 250 Milliarden Dollar geschätzt und macht die Brandkatastrophe so zur wahrscheinlich teuersten Naturkatastrophe in der Geschichte der Vereinigten Staaten.

Die Region im Bundesstaat Kalifornien hat schon lange mit immer heftigeren Wald- und Buschbränden zu kämpfen. Im September rief der Gouverneur des Bundesstaats bereits den Ausnahmezustand für Los Angeles und die umliegenden Gemeinden aus. Damals fraß sich das Feuer vor allem durch Schluchten und Berge, umliegende dicht besiedelte Gebiete blieben größtenteils verschont.

Anders dann im November, als in den Bergen Kaliforniens schon wieder ein Waldbrand ausgebrochen war, der vor allem die Kleinstadt Camarillo traf. Erneut mussten Tausende ihre Häuser verlassen, ganze Straßenzüge und hunderte Gebäude wurden in dem Feuer zerstört.

Dabei ist nicht nur Kalifornien, sondern auch andere Teile der USA sind von den scheinbar immer stärker werdenden Waldbränden betroffen: Allein im Jahr 2023 gab es 56.580 Flächenbrände in den USA, von denen über eine Million Hektar Land betroffen waren. Jedes Jahr belaufen sich die durch Waldbrände entstehenden Kosten in den USA auf über 400 Milliarden Dollar.

Dabei gibt es im historischen Vergleich sogar einen Rückgang der Anzahl von Bränden im Vergleich zu den 90er Jahren. Dafür gibt es einen Aufwärtstrend bei der verbrannten Fläche pro Jahr. Auch wenn es also im Vergleich weniger Brände gibt, breiten sie sich tendenziell schneller aus, verschlingen mehr Fläche und produzieren verheerendere Schäden.

Waldbrände in Europa und dem Rest der Welt

Doch nicht nur in den USA, sondern auch bei uns in Europa steigt die Gefahr der Waldbrände. Im Jahr 2023 wurden mehr als eine halbe Million Hektar – eine Fläche doppelt so groß wie Luxemburg – durch Waldbrände zerstört.

Das machte das Jahr 2023 zu einem der schwersten Waldbrandjahre für die EU. Am meisten Fläche wurde mit einer Million Hektar im Jahr 2017 zerstört, gefolgt von 2022 mit etwa 800.000 und 2007 mit 600.000 Hektar verbrannter Fläche.

Besonders heftig traf es den Mittelmeerraum und die Region um die Stadt Alexandroupoli in Griechenland, die den größten einzelnen Brand in Europa seit den 1980er Jahren erlebte. Auch in den Jahren zuvor war es vor allem die Mittelmeerregion, in der heftige Waldbrände tobten.

Auch außerhalb von Europa und den USA macht sich der Anstieg von Brandkatastrophen bemerkbar. In Australien verbrannten im Jahr 2019 innerhalb von vier Monaten mehr als 12 Millionen Hektar Land. Zuvor traf das Land eine Hitzewelle von bisher unbekanntem Ausmaß. Am häufigsten pro Jahr brennt es in Zentralafrika: etwa 70 Prozent der weltweiten Brände finden hier statt, und in ganz Afrika brennen jedes Jahr rund 300 Millionen Hektar Land. Auch in Südamerika, zum Beispiel in Chile, macht sich die Klimakrise bemerkbar: 2017 verschlangen die Flammen mehr als drei Prozent der Waldfläche des Landes. Der zentrale Teil von Chile leidet seit Jahren immer wieder unter Dürren.

Ab auf den Mars?

Was kann unsere Antwort auf steigende Temperaturen, anhaltende Dürren und Waldbrände sein? Wenn es nach Elon Musk, Donald Trump und Co. ginge, kann nur die Auswanderung in Richtung Mars die Menschheit noch retten. Anstatt einer ernsthaften Antwort auf den Niedergang unserer Existenzgrundlage haben der Kapitalismus und seine Vertreter nur eines zu bieten: noch mehr Expansion.

Während sie es nicht einmal schaffen, in den US-Millionenstädten – im Herzen des Imperialismus – für ein sicheres Leben zu sorgen, während Millionen Menschen weltweit vor den Auswirkungen des Klimawandels fliehen müssen oder sogar ihr Leben lassen, fantasiert Musk lieber von Raketen, Raumstationen und Marskolonien.

 

Dieser Text ist in der Print-Ausgabe Nr. 95 vom Februar 2025 unserer Zeitung erschienen. In Gänze ist die Ausgabe hier zu finden.

Alex Lehmann
Alex Lehmann
Perspektive Autor seit 2023. Auszubildender in der Metallindustrie im Hamburger Hafen. Schreibt gerne Artikel um den deutschen Imperialismus und seine Lügen zu enttarnen. Motto: "Wir sind die Jugend des Hochverrats!"

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