Die geschäftsführende Bundesregierung hat ihre Prognose für die Entwicklung der deutschen Wirtschaft erneut nach unten korrigiert. Das Bruttoinlandsprodukt werde 2025 nicht wachsen, so Wirtschaftsminister Habeck. Dies bestätigt Einschätzungen von führenden Wirtschaftsforschungsinstituten.
Letzter Auftritt für Robert Habeck. Am Donnerstag präsentierte der geschäftsführende Wirtschaftsminister die Konjunkturprognose der Bundesregierung für 2025. Diese sieht noch magerer aus als bisher erwartet: Wie Habeck vor der Bundespressekonferenz erklärte, werde das deutsche Bruttoinlandsprodukt in 2025 stagnieren und damit zum dritten Mal in Folge nicht wachsen.
Die 0,0 Prozent, mit denen die Regierung jetzt rechnet, folgen nämlich auf ein negatives Wachstum von 0,3 Prozent in 2023 und 0,2 Prozent in 2024. Nachdem sie im vergangenen Jahr noch optimistisch mit einer Belebung und einem Wachstum von plus 1,1 Prozent gerechnet hatte, war die Regierung bereits im Januar zurückgerudert und hatte ihre Vorhersage auf 0,3 Prozent reduziert.
Acht Jahre Stagnation
Die abermalige Korrektur nach unten zeigt auf, dass der deutsche Kapitalismus nun schon das achte Jahr in Folge nicht in einen Boom-Modus übergeht. Bereits 2018/19 hatte eine Überproduktionskrise insbesondere die deutsche Industrie ergriffen und das BIP-Wachstum auf 1 Prozent heruntergedrückt. Dieser Entwicklung folgte im Jahr 2020 die Corona-Pandemie mit landesweiten Lockdowns und jahrelangen Störungen in den globalen Lieferketten.
Zwar wuchs die deutsche Wirtschaft im Jahr 2021 um 3,7 Prozent. Dem war aber ein Einbruch von minus 4,1 Prozent in 2020 vorausgegangen. Der Ukraine-Krieg und die hierdurch verursachte Energiekrise taten 2022 ihr Übriges. Im Jahr des Kriegsausbruchs ging Deutschland mit plus 1,4 Prozent Wachstum von der abgewürgten Belebung unmittelbar wieder in die Stagnation über.
Das Ausmaß der schwankenden Stagnation wird noch deutlicher, wenn man sich die Entwicklung der deutschen Industrieproduktion im selben Zeitraum ansieht: Der Produktionsindex des produzierenden Gewerbes erreichte im November 2017 sein bisheriges Allzeithoch mit einem Wert von 108,5 (gegenüber dem statistischen Basisjahr 2021 mit einem Wert von 100). Danach ging es, unterbrochen von einem kurzen und drastischen Einbruch während Corona, relativ konstant bergab. Bis heute hat die Industrieproduktion nicht annähernd wieder ihren Wert von 2017 erreichen können. Im Juni 2024 lag der Index mit 93,2 deutlich darunter, und eine Trendwende ist nicht in Sicht.
Das Kunststück: US-Zollkrieg für eine neue alte Weltordnung
Folgen des US-Zollkriegs
Laut der Bundesregierung ist es jetzt vor allem die aggressive Handespolitik der USA, welche die deutsche Wirtschaft nach Jahren der Dauerkrise in „schwieriges Fahrwasser“ treibe. Der globale Zollkrieg, den die Trump-Regierung losgetreten hat, dürfte laut Wirtschaftsministerium „deutliche direkte und indirekte Auswirkungen“ auf das deutsche Wirtschaftswachstum haben. Deshalb sei es „in unserem starken Interesse, dass die EU und die USA im Rahmen der laufenden Verhandlungen eine Lösung des Zollkonfliktes finden“.
Die magere Prognose der geschäftsführenden Regierung bestätigt ähnliche Vorhersagen führender Wirtschaftsinstitute aus der jüngsten Zeit: Das Ifo-Institut München, das Institut für Weltwirtschaft (IfW) in Kiel, das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin und andere Institute hatten vor zwei Wochen in ihrem Frühjahrsgutachten für dieses Jahr ein Mini-Wachstum in Deutschland von 0,1 Prozent vorhergesagt. Dabei waren die negativen Auswirkungen der US-Zölle jedoch noch nicht einkalkuliert. Auch das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln kam in seiner vor einer Woche veröffentlichten Konjunkturumfrage zu der Einschätzung, dass „kein Aufschwung in Sicht“ sei.
Optimistischer sind Wirtschaftsforscher:innen und Regierung immerhin, wenn es um 2026 geht: Für das kommende Jahr rechnet das Wirtschaftsministerium mit 1 Prozent Wachstum, die Institute sogar mit 1,3 Prozent. Nicht ausgeschlossen ist jedoch, dass beide Seiten ihre Prognosen zum Jahreswechsel wieder nach unten korrigieren müssen. So war es schließlich auch in diesem Jahr.

