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Millionen gegen Krieg und Krise – Das war der internationale Arbeiter:innenkampftag

Der 1. Mai ist der internationale Kampftag der Arbeiter:innenklasse. Und genau das hat sie in diesem Jahr erneut bewiesen. Von Berlin nach Paris, über Istanbul und Hesekê nach Jakarta und Santiago de Chile: Millionen Arbeiter:innen kämpften am 1. Mai gegen Krieg, Krise und Faschismus.

Am ersten Mai gingen weltweit Millionen Arbeiter:innen auf die Straße, um gegen Krieg und Krise, gegen den Kapitalismus und für den Sozialismus zu kämpfen. Besonders ereignisreich waren die Proteste in diesem Jahr, wie so oft in der Türkei. Wie jedes Jahr versuchten Demonstrierende auf den geschichtsträchtigen Taksim-Platz in Istanbul zu gelangen.

Ein Vorhaben, das der türkische Staat unter der faschistischen Herrschaft Erdogans mit aller Gewalt verhindert hat. Über 400 Menschen wurden bereits in den Mittagsstunden auf dem Weg zum Platz von der Polizei angegriffen und festgenommen. Schon in der Nacht vom 29. auf den 30. April traf eine Reihe von Razzien und Verhaftungen die revolutionäre Bewegung des Landes.

Seine große historische Bedeutung hat der Taksim-Platz für die Arbeiter:innenbewegung der Türkei, wegen des Taksim-Massakers am 1. Mai 1977. Über 500.000 Menschen nahmen an diesem Tag an der Demonstration zum 1. Mai teil. Zuerst wurden auf dem Taksim-Platz Schüsse auf die Demonstrant:innen abgefeuert, dann mit gepanzerten Fahrzeugen, Gasgranaten und Wasserwerfern angegriffen. Nach offiziellen Angaben wurden 37 Menschen an diesem Tag vom türkischen Staat ermordet, jedoch ist von einer höheren Dunkelziffer auszugehen.

Zudem stand auch der 1. Mai in der Türkei im Schatten der Verhaftung des Erdogan-Kontrahenten Ekrem İmamoÄŸlu. Auf Demonstrationen im ganzen Land forderten Teilnehmer:innen die Freilassung İmamoÄŸlus und der zahlreichen politischen Gefangenen, die im Rahmen der Proteste – seit dem 18. März – inhaftiert worden sind.

Türkei: Erdoğan lässt Kontrahenten festnehmen

Auch in Rojava (Nord-Ost-Syrien) wurden Feierlichkeiten zum 1. Mai organisiert. In Hesekê, Derîk, und Tirbespiyê nahmen tausende Arbeiter:innen, Gewerkschaftsmitglieder und auch Mitglieder kommunistischer Organisationen wie Tevgera Komûnîst a Şoreşger (TKŞ) an Demonstrationen und Festen teil.

Polizeigewalt in Frankreich

Auch in Frankreich wurden die Proteste am 1. Mai von aktuellen Ereignissen überschattet. Am 25. April drang ein Faschist im französischen Dorf La Grand-Combe in eine Moschee ein und ermordete einen Gläubigen. Der Mord sorgte in ganz Frankreich für Entsetzen und Proteste. Viele fühlen sich unsicher und vom Staat im Stich gelassen.

Die Demonstration in Paris blieb zumindest für französische Verhältnisse zwar verhältnismäßig ruhig, was die Pariser Polizei jedoch nicht davon abhielt bei Gefechten am Rande der Demonstration brutal gegen die Demonstrant:innen vorzugehen und auch eine klar gekennzeichnete Journalistin anzugreifen. Die Arbeiter:innen setzten sich gegen die Polizei zu wehr. Auch ging die französische Polizei in Lyon mit Gewalt gegen die Demonstrierenden vor.

Militante Proteste in Chile und Indonesien

In der chilenischen Hauptstadt Santiago lieferten sich Teilnehmer:innen der Proteste und die Polizei teilweise heftige Gefechte. Auf der einen Seite Wasserwerfer, Tränengas und Polizeiknüppel – auf der anderen Steine, Flaschen und Molotow-Cocktails. Die Protestierenden setzten auch ein klares Zeichen gegen den US-Imperialismus, der die chilenische Arbeiter:innenklasse seit Jahrzehnten plagt und verbrannten US-Flaggen.

Auch in Jakarta, der Hauptstadt Indonesiens, kam es zu größeren Auseinandersetzungen am 1. Mai, die nur im Zusammenhang mit der allgemeinen politischen Lage des Landes zu verstehen sind. Dabei bekamen die Demonstrant:innen unter anderem auch musikalische Unterstützung. Seit Wochen gehen Tausende auf die Straße, um gegen die korrupte Regierung und ein neues Militärgesetz zu protestieren.

Massenproteste gegen Korruption und Militarisierung in Indonesien

Als Klasse vereint kämpfen

Seit nun mehr als einem halben Jahr rollen Proteste gegen die Regierung durch Serbien, und auch am 1. Mai ließen sich die Arbeiter:innen das Protestieren nicht nehmen. Dabei kennzeichnet der diesjährige Arbeiter:innenkampftag ein besonderes Ereignis: Erstmals schlossen sich die Student:innen, die die Proteste seit November letzten Jahres anführen mit den serbischen Gewerkschaften zusammen, um gemeinsam gegen die korrupte Regierung auf die Straße zu gehen. Der Kampf trete damit „in eine neue Phase“, ließ die Student:innenbewegung zuvor verlauten.

Serbien: Rücktritt der Regierung bestätigt, Proteste gehen weiter

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