Die Preise für Schulmaterialien sind erneut gestiegen. Das ist aber nur eine der Hürden auf dem Weg zu gerechter Bildung in diesem Land. – Ein Kommentar von Aziza Mounir.
Beim Kauf von Schulutensilien wird vor allem zu Beginn des Schuljahres auf einen Schlag deutlich, welche Hürden es für den Zugang zu Bildung gibt. Denn ob Schulbücher und Hefte, Sprachreisen oder Klassenfahrten, Schulranzen oder Sportsachen – es fallen das gesamte Jahr über Kosten im schulischen Kontext an. Im Vergleich zum vergangenen Jahr sind die Preise für Schul- oder Lehrbücher um 3,8 Prozent gestiegen. Damit sind sie stärker als die Verbraucherpreise insgesamt gestiegen. Im selben Zeitraum stiegen diese um zwei Prozent bzw. 2,8 Prozent Kerninflation (Energiepreise und Lebensmittel).
Spirale der Chancenungleichheit
Der Mythos der Chancengleichheit in der Bildung zeigt sich immer wieder auf unterschiedliche Weise. Bei günstigen familiären Verhältnissen liegt die Wahrscheinlichkeit eines Gymnasialbesuchs für Kinder bei 59,8 Prozent, bei benachteiligten Verhältnissen nur bei 26,7 Prozent. Menschen mit Abitur verdienen im Schnitt netto 42 Prozent mehr als Menschen ohne Abitur. So entsteht eine sich selbst verstärkende Spirale der Chancenungleichheit im Bildungsbereich, die eng mit den ökonomischen Verhältnissen verknüpft ist.
Dabei lag die Kinderarmutsgefährdung in Deutschland noch im Jahr 2023 bei ganzen 14 Prozent. Das sind 2,1 Millionen Kinder und Jugendliche, die von Armut bedroht sind. Die Zahlen zeigen außerdem einen deutlichen Zusammenhang zwischen dem Bildungsabschluss der Eltern und der Armutsgefährdung ihrer Kinder. Denn Kinder, deren Eltern über einen niedrigen Bildungsabschluss wie Haupt- oder Realschulabschluss verfügen, sind zu 36,8 Prozent von Armut bedroht. Bei Eltern mit abgeschlossenem Studium oder Meistertitel liegt dieser Wert hingegen nur bei 5,8 Prozent.
Kinderarmut in Deutschland: Kinderschutzbund unzufrieden mit Ampelregierung
Umgekehrt ist die ökonomische Oberschicht selbst in Krisensituationen wie der Corona-Pandemie oder dem Lehrkräftemangel weniger stark in ihrer schulischen Ausbildung beeinträchtigt. Durch Privatschulen können Anreize außerhalb des staatlichen Bildungssystems geschaffen werden, die Probleme wie Lehrkräftemangel abfedern. Akademische Hilfsmittel, insbesondere technische Geräte, sowie angemessenere Gehälter für qualifizierte Lehrkräfte können bei entsprechenden finanziellen Mitteln als Unterstützung genutzt werden und die Lehrqualität verbessern.
Lernmittelfreiheit – ein Tropfen auf dem heißen Stein
Eine kleine Entlastung für wirtschaftlich schwächere Familien kann die Lernmittelfreiheit sein, bei der Schüler:innen Schulbücher kostenlos ausleihen können. In den 1970er-Jahren war das in der BRD fast flächendeckend Standard. Inzwischen ist die Lernmittelfreiheit in den meisten Bundesländern eingeschränkt oder abgeschafft. Der Rückgang steuerfinanzierter Mittel wie der Lernmittelfreiheit ist eine direkte Konsequenz bewusster Kürzungen und Streichungen im Bildungsbereich durch die Regierungen der vergangenen Jahre.

