Lage in Gaza: Anhaltende Gewalt und neue Verhandlungen

Über 300 Palästinenser:innen wurden in den letzten beiden Tagen in Gaza getötet – darunter viele beim Warten auf Nahrung. Israels Offensive weitet sich aus, während Waffenstillstandsgespräche laufen und die UN einen Bericht über die „Ökonomie des Genozids“ veröffentlicht.

In den vergangenen 48 Stunden wurden über 300 Palästinenser:innen bei israelischen Angriffen getötet. Allein am Donnerstag starben laut medizinischen Quellen mindestens 101 Menschen – viele davon beim Versuch, humanitäre Hilfe zu erhalten. Seit Kriegsbeginn im Oktober 2023 meldet das Gesundheitsministerium in Gaza mehr als 57.000 Tote und über 134.000 Verletzte. Die Dunkelziffer und die Zahl der indirekt getöteten Gaza-Bewohner:innen dürfte dabei deutlich höher sein.

Auch zivile Einrichtungen sind weiterhin betroffen: Ein Luftangriff traf z.B. eine Schule, in der geflüchtete Familien Schutz suchten. Am Mittwoch wurde zudem der Direktor des indonesischen Krankenhauses, Dr. Marwan al-Sultan, mit seiner Familie bei einem Luftschlag westlich von Gaza-Stadt getötet. Am Sonntag haben israelische Streitkräfte außerdem ein Café, eine Schule und Lebensmittelausgabe-Stellen in Gaza bombardiert und dabei mindestens 95 Palästinenser:innen getötet. Zudem wurde ein Krankenhaus angegriffen, wobei mehrere weitere Personen verletzt wurden.

Die Versorgungslage in Gaza bleibt ebenfalls katastrophal: Hilfsgüter sind schwer zugänglich, oft unzureichend und nur unter Lebensgefahr zu erreichen. Die Zahl der palästinensischen Hilfesuchenden, die von israelischen Streitkräften im belagerten Gazastreifen getötet wurden, steigt weiter an.

Gleichzeitig heißt es in Berichten, dass US-Auftragnehmer, die umstrittene Hilfsverteilungsstellen „sichern“, scharfe Munition und Blendgranaten einsetzen. Rund 600 Palästinenser:innen sind so seit Beginn der Hilfsaktionen Ende Mai an den umstrittenen, von Israel und den USA unterstützten Verteilungsstellen der Gaza Humanitarian Foundation (GHF) von israelischen Streitkräften getötet worden, während sie dort auf Nahrungsmittel warteten.

Gaza: Israel nutzt weiter Hunger als Kriegswaffe

Neue Waffenstillstandsgespräche angekündigt

US-Präsident Donald Trump plant nun ein Treffen mit dem israelischen Premierminister Benjamin Netanjahu, um einen neuen Waffenstillstandsvorschlag voranzubringen. Er werde gegenüber dem israelischen Premierminister „sehr bestimmt“ auftreten, so Trump. Der US-Regierung zufolge hat Israel den Vorschlag für einen 60-tägigen Waffenstillstand angenommen – jedoch weiß bisher nur die US-Regierung, was die Bedingungen für einen Waffenstillstand sind.

Die Hamas erklärt derweil, dass die Beratungen über den neuen Vorschlag für den vorläufigen 60-tägigen Waffenstillstand in Gaza begonnen hätten. Jedoch fordert sie belastbare Garantien für ein dauerhaftes Kriegsende. Al Jazeera berichtet wiederum, dass Israel nicht vom Ziel absehen wolle, die Hamas vollständig zu vernichten – eine rote Linie in den Verhandlungen also, welche die Hamas vermutlich nicht überschreiten kann.

Massaker und neue Pläne für den Gazastreifen

Gleichzeitig baut Israel seine Offensive weiter aus. Netanjahu erklärte erneut, alle Geiseln aus Gaza befreien zu wollen und signalisiert bislang keine Bereitschaft zu einem grundlegenden Kurswechsel.

UN: „Ökonomie des Genozids“

Ein aktueller UN-Bericht wirft derweil zahlreichen internationalen Konzernen kommerzielle Mitverantwortung an dem Krieg gegen Gaza vor. Die UN spricht von einer „Ökonomie des Genozids“.

Rüstungshersteller wie Lockheed Martin, Elbit Systems und Caterpillar lieferten Waffen und Maschinen, die nachweislich bei Angriffen auf Wohngebiete, Krankenhäuser und zivile Infrastruktur eingesetzt würden. Technologiekonzerne wie Microsoft, Amazon und Palantir stellen ihrerseits Cloud- und KI-Systeme bereit, die etwa die automatisierte Zielauswahl ermöglichen. Energie- und Rohstofffirmen wie Chevron und Glencore versorgten Israel mit Treibstoffen – auch für militärische Zwecke. Banken und Investoren wie BlackRock, Vanguard und Barclays finanzierten israelische Staatsanleihen und Rüstungsunternehmen.

Francesca Albanese, Sonderberichterstatterin der Vereinten Nationen für das besetzte palästinensische Gebiet, hat die UN-Mitgliedsstaaten deshalb dazu aufgerufen, sämtliche Handels- und Finanzbeziehungen zu Israel abzubrechen, einschließlich eines vollständigen Waffenembargos.

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