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Staatsräson statt Gedenken: Wie die Gedenkstätte Buchenwald Faschist:innen verharmlost und fortschrittliche Kräfte diskreditiert

Die Gedenkstätte des KZ Buchenwald hat ein internes Dokument verfasst, in dem über rechtsextreme und antisemitische Symbole und Gruppen aufgeklärt werden soll. Die Dokumente zeigen klar: Die Leitung der Gedenkstätte stellt die Staatsräson über die wahre Geschichte Buchenwalds. – Ein Kommentar von Georg Möwe.

Am 7. Juli wurde ein internes Dokument der Gedenkstätte des KZ Buchenwald im Internet veröffentlicht. Darin gab die Leitung der Gedenkstätte eine Handreichung für ihre Bildungs- und Sicherheitsabteilung, um rechtsextreme und antisemitische Symbole, Codes, Marken und Gruppen erkennen zu können.

Einerseits werden bekannte Erkennungsmerkmale der faschistischen Bewegung aufgezeigt. Andererseits ist auffällig, dass im gleichen Atemzug mit Faschist:innen revolutionäre und kommunistische Gruppen genannt, sowie Symbole der palästinensischen Befreiungsbewegung aufgezählt werden. Dabei werden unter anderem die Melone und die Kufiya, als antisemitische Symbole und per se nicht mit der Gedenkstätte vereinbar deklariert. Auch Organisationen wie die Kommunistische Partei, die MLPD, die Kommunistische Organisation und Young Struggle werden darin in den Dreck gezogen.

Zionistische Staatsräson statt Antifaschismus

Neben palästinensischen Symbolen werden auch inhaltliche Ausdrücke als antisemitisch abgestempelt. Laut der Handreichung seien Forderungen nach einem Waffenstillstand sowie die Bezeichnung von Israels Vorgehen als Genozid oder Apartheid antisemitisch. Man würde die „Bedingungen der Kriegsführung“ ignorieren und den israelischen Staat dämonisieren. Kritik an Israel in jeder Form wird damit automatisch als antisemitisch gebrandmarkt.

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Während also die Geschichte des KZ dazu missbraucht wird antiimperialistische Kräfte mit Faschist:innen in einen Topf zu werfen und zu diskreditieren, wird der Antifaschismus selbst diskreditiert. Dabei ist das Gedenken an die Widerstandskämpfer:innen elementarer Bestandteil des Gedenkens an den Hitlerfaschismus. So waren es schon immer Kommunist:innen und Revolutionär:innen, die an vorderster Front gegen den Faschismus kämpften.

Kommunist:innen und Bürger:innen der Sowjetunion machten einen großen Teil der Häftlinge im KZ Buchenwald aus. Beispielsweise auch der deutsche Kommunist und Vorsitzende der KPD, Ernst Thälmann. Dieser wurde aufgrund seines Widerstands gegen den deutschen Faschismus verhaftet und 1944 im KZ Buchenwald auf direkten Befehl Hitlers umgebracht.

In einer Zeit, in der der Faschismus in Deutschland und weltweit auf dem Vormarsch ist und gerade der deutsche Staat den Genozid in Palästina unterstützt und davon profitiert, verwässert die Gedenkstätte Buchenwald also die Lehren aus ihrem Erbe. Nicht nur unterstützen sie die deutsche Staaträson, indem sie fortschrittliche Kräfte angreifen und diskreditieren. Sie relativieren auch die Gefahr die heutzutage von Faschist:innen ausgeht, indem sie sie auf eine Ebene mit antifaschistischen und revolutionären Organisationen und Personen stellen.

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Ein Fehler in der Arbeit oder ein Problem mit System?

Währenddessen äußert sich Jens-Christian Wagner, der Direktor der Gedenkstätte Buchenwald auf X (ehemals Twitter) und weist die Kritik an der Handreichung als Beschimpfung und Angriffe gegen seine Kolleg:innen zurück. Es sei nur ein internes Papier gewesen, was nie zur Veröffentlichung bestimmt war. Dementsprechend sei es „keine inhaltliche Positionierung zum Krieg in Nahost“. Eine gewagte Aussage, besagt das Dokument doch, dass die Benennung der Tatsachen und die Forderung nach einem Waffenstillstand mit den Werten der Gedenkstätte unvereinbar sei.

Wagner erklärt lediglich es gebe „Formulierungen, die überarbeitet werden müssen“ und erklärt, dass eine „sachliche Diskussion angesichts der vergifteten Atmosphäre kaum noch möglich ist“. Er geht einer tatsächlichen Auseinandersetzung mit der Kritik aus dem Weg und verweist dabei auf einige wenige Kommentare, wobei er dutzende sachliche und faktische Kritiken ignoriert. Es zeigt sich, die antikommunistische und zionistische Haltung ist kein Patzer, sondern spiegelt sich tief in der Meinung der Verantwortlichen der Gedenkstätte wider.

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