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Stellenabbau bei Ford und Thyssen-Krupp: IG Metall verwaltet Angriffe auf die Arbeiter:innenklasse

In der deutschen Industrie muss die Arbeiter:innenklasse schwere Schläge einstecken. So wurden auch bei den letzten großen Abschlüssen bei Ford sowie Thyssen-Krupp Stellenabbau und sogar Gehaltskürzungen beschlossen. Das Argument, die Zeiten seien auch für Unternehmen schwer, zieht nur bedingt, fahren die Aktionäre schließlich weiter ihre guten Dividenden ein.

Bei den beiden großen Unternehmen Ford und Thyssen-Krupp kamen die ersten Schreckensmeldungen schon im letzten Jahr: Stellenabbau im großen Stil, ja sogar Werksschließung stand im Raum.

Nun liegen der neue Tarifvertrag bei Thyssen-Krupp Steel und die außertarifliche Einigung bei Ford Deutschland zu seinen beiden Werken in Köln auf dem Tisch: In beiden Fällen können sich die Manager:innen freuen, die Arbeiter:innen eher weniger. Und – die Zustimmung der Mitglieder fehlt noch.

Vom Streik zur Abfindung – schwere Zeiten für Arbeiter:innen bei Ford

Das Ford-Werk in Köln sowie sein gesamter Standort Deutschland befindet sich in der Krise: Nachdem milliardenschwere Erneuerungsprogramme fit für die Zukunft machen sollten, kämpft der Automobilkonzern seit der Einstellung des ehemaligen Kernsegments – vor allem des KFZ-Typs „Fiesta” – um jedes einzelne verkaufte Auto. Die Strategie, sich ins SUV-Segment zu wagen, um die Gewinnmarge ein wenig zu erhöhen, ist gescheitert. Die neuen E-Modelle laufen nur langsam an. So lautet auch immer wieder die Begründung des Konzerns, wenn ihre Arbeiter:innen in Köln fragen, was aus ihrem Werk, ihrer Zukunft wird, und warum die US-Mutter im Insolvenzfall nun nicht mehr für den Sozialvertrag aufkommen will.

Daher entschloss sich die Belegschaft im Mai dafür, zu streiken: für ihre Sicherheit und gegen die Undankbarkeit des Konzerns, sich die bedrohliche Option offenzuhalten, die rund 11.500 Arbeiter:innen im Zweifel einfach abschaffen zu können.

Danach wartete man fast zwei Monate auf das Ergebnis der Verhandlungen in den USA. Nun ist es endlich da – und wird von der IG Metall als Erfolg gesehen.

Streik bei Ford Köln: „Das Sterben auf Raten soll einen Preis haben!“

Schließlich sei ein Großteil der Forderungen erfüllt worden: Üppige Abfindungen soll es geben für diejenigen, die freiwillig und vorzeitig gehen. Das dürfte auf einen großen Teil der Belegschaft zutreffen: viele hatten schon während des Streiks berichtet, dass die Arbeitsmoral stark gesunken wäre – man wisse ja, dass man für den Parkplatz produziere.

Abschließende Sicherheit gibt es durch die Vereinbarung jedoch nicht, denn: Sollten nicht genügend Arbeiter:innen freiwillig gehen, so sind betriebsbedingte Kündigungen immer noch möglich. Damit sind also alle vorher getroffenen Garantien – vor allem die Werksgarantie bis zum Jahr 2032 – hinfällig und im Zweifel stehen die Leute doch mit leeren Händen da.

Für die Belegschaft in Köln dürfte das Ergebnis aber trotzdem erst einmal als kleiner Erfolg zu verbuchen sein: Viele von ihnen hatten sich eine saftige Abfindung ausgemalt und werden diese notgedrungen auch so schnell wie möglich annehmen. Nur für die jungen Beschäftigten, denen man mal erzählt hatte: „Geh‘ zu Ford, da kannst du bleiben, hast einen guten und sicheren Job“, ist das natürlich nicht viel wert.

Können von Abfindungen nur träumen: Lohnsenkung bei Thyssen-Krupp Steel

Noch wesentlich dramatischer sieht es bei Thyssen-Krupp Steel aus: 5.300 Stellen sollen hier gestrichen werden. Noch dazu bietet der neue Tarifvertrag nicht nur keine Lohnerhöhung – im Gegenteil werden den Beschäftigten die Löhne sogar gekürzt. Ganze 8 Prozent weniger dürften es im Schnitt sein. Auch das Urlaubsgeld und andere Sonderzahlungen werden gestrichen oder stark eingeschränkt. Dafür sollen die Angestellten aber auch weniger Wochenarbeitszeit leisten müssen: diese wird von maximal 34 Stunden auf 32,5 Stunden pro Woche reduziert.

Doch auch hier sieht die IG Metall einen Erfolg: schließlich seien schwerwiegende Drohungen des Konzerns, betriebsbedingte Kündigungen auszusprechen, abgewehrt worden. Auch gäbe es jetzt Garantien für Standorte, was nach Bekanntwerden der drohenden Schließung des Werks in Hagen besonders für Erleichterung sorgen dürfte.

Hunderte Arbeiter:innen in Hagen bangen um ihre Zukunft: Thyssenkrupp schließt Federnwerk

Außerdem habe man die finanziellen Angriffe stark abgeschwächt: ursprüngliche Kürzungen von 200 Millionen Euro hätte Thyssen-Krupp angedroht – diese habe man um knapp die Hälfte reduziert.

Während die Arbeiter:innen über dieses Ergebnis mit den Zähnen knirschen dürften, wird es einen freuen: der tschechische Milliardär Daniel Kretinsky, der bereits 20 Prozent der Anteile an Thyssen-Krupp Steel hält, sieht einer Zukunft entgegen, in der nun ein „50:50 Joint-Venture” mit seiner Holding geplant ist.

Sowohl bei Ford als auch bei Thyssen-Krupp zeigt sich: Die IG Metall hat zwar die Bereitschaft, den Kampfwillen der Mitglieder umzusetzen, doch, wenn es hart auf hart kommt, müssen immer die Arbeiter:innen zurückstecken: egal, ob – wie in Köln oder bei Thyssen-Krupp Steel in Hagen, wo ganze Werke der Schließung entgegensehen – oder dem Rest der Stahl-Sparte von Thyssen-Krupp, wo die Modernisierung der Anlagen als Trost dafür herhalten muss, dass man den Leuten rigide die Löhne kürzt.

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