Es ist ein Urteil, das keine wirkliche Gerechtigkeit bringt: Der Mörder von Sara D. wurde am Donnerstag in Dortmund zwar zu lebenslanger Haft verurteilt und die besondere Schwere der Schuld festgestellt. Doch das ändert nichts daran, dass eine Mutter von drei Kindern sterben musste, weil sie von den Institutionen im Stich gelassen wurde.
Am Donnerstag wurde vom Dortmunder Landgericht das Urteil gegen den Ex-Partner von Sara D. gesprochen: Lebenslange Haft wegen besonderer Schwere der Schuld. Er hatte die 30-Jährige Anfang November 2024 mit mehreren Messerstichen vor den Augen der gemeinsamen Kinder getötet.
Sara D. hatte zuvor alles versucht, um sich und ihre Kinder zu retten. Über Jahre hinweg litt sie unter der Gewalt ihres Ehemanns, mit dem sie drei Kinder hatte. Doch als sie sich endlich trennen konnte und mit den Kindern fern von ihm und der Gewalt leben wollte, scheiterte sie an den Institutionen, die sie eigentlich schützen sollten.
Die Polizei wies sie mangels „ausreichender Beweise“ ab, ein Frauenhaus konnte sie wegen Platzmangels nicht aufnehmen. Selbst das seit September 2024 verhängte Kontaktverbot wurde von den Behörden nicht überwacht.
Im November 2024 eskalierte die Situation tödlich: Saras Ex-Partner, der den Verlust seiner Macht über sie und die Kinder nicht ertrug, spürte sie auf und erstach sie mit vier Messerstichen – in Anwesenheit der drei Kinder. Die sterbende Ex-Partnerin ließ er allein mit ihnen zurück. Um Hilfe zu rufen, mussten die verzweifelten Kinder über ihre sterbende Mutter steigen. Sara starb kurz darauf im Krankenhaus.
Während des Prozesses zeigte der Täter keinerlei Reue. Im Gegenteil: Er grinste, als Aufnahmen abgespielt wurden, auf denen die Stimmen der Kinder zu hören waren, und bedrohte sogar Angehörige von Sara D. im Gerichtssaal. Nun muss er für lange Zeit ins Gefängnis.
Mahnwache und Protest
Das Ende des Verfahrens wurde von einer Mahnwache vor dem Gericht begleitet, gefolgt von einer Kundgebung, Demonstration und Gedenkveranstaltung. Über 200 Menschen versammelten sich, viele schlossen sich spontan an. Die Botschaft war klar: Für Sara – für alle Betroffenen patriarchaler Gewalt.
Doch der Protest richtete sich nicht nur gegen den Mörder, sondern gegen ein System, das Frauen im Stich lässt. Saras D.s Fall ist kein Einzelfall. Fast jeden Tag stirbt eine Frau durch Gewalt in der Partnerschaft. Frauenhäuser, die eigentlich Schutz bieten wollen und sollten, müssen teilweise bis zu 100 Euro pro Person und Tag verlangen – wer kein Geld hat, bleibt ungeschützt.
„Das ist eine Klassenfrage“, sagt deshalb Aktivistin Margrit M. vor Ort. Wer keine tausende Euro hat, müsse sich entscheiden: in Notunterkünften unterkommen, auf der Straße leben oder zurück zum Täter gehen – mit dem Wissen, dass die Entscheidung fortgesetzte Gewalt bis hin zum Tod bedeuten könnte.
Die Aktivist:innen forderten deshalb einerseits, den Schutz von Frauen prinzipiell zu verbessern. Zugleich stellten sich sich auch grundsätzlich gegen das patriarchale System. Dazu erklärte Aktivistin Marlene B. vom Solidaritätsnetzwerk Dortmund: „Femizide, wie der Mord an Sara, sind keine Einzelfälle, Gewalt an Frauen keine Randerscheinung, sondern Teil eines Systems: des Patriarchats. Darum kämpfen wir gemeinsam gegen dieses an!“.

