Der 15-jährige Nelson, ein schwarzer Jugendlicher, starb am 1. August in der Justizvollzugsanstalt Ottweiler. Laut Staatsanwaltschaft soll er sich selbst umgebracht haben. Andere Insassen sowie die Familie erheben jedoch Vorwürfe gegen die Beamten und fordern Transparenz, Aufarbeitung und Gerechtigkeit. Nun wurden Ermittlungen gegen zwei Beamte eingeleitet.
Der 15-jährige Nelson starb am 1. August in der Justizvollzugsanstalt Ottweiler. Der Staatsanwaltschaft zufolge handelte es sich hierbei um einen Suizid. Auch die Obduktion habe „keine Hinweise auf Fremdwirkung“ ergeben.
Anderen Insassen zufolge sei Nelson jedoch vor seinem Tod von mindestens einem Justizbeamten geschlagen und getreten worden. Als Reaktion auf Nelsons Tod, weigerten sich 17 Gefangene, nach der Freistunde zurück in ihre Zellen zu gehen.
Neben Nelsons Tod und der Gewalt der Beamt:innen nannten sie auch schlechte Haftbedingungen als Grund für diesen Protest. Die Polizei rückte mit einem Spezialkommando an, um den Widerstand zu beenden.
Nach den Vorwürfen der Gefangenen wurden drei Ermittlungsverfahren gegen zwei JVA-Beamte eingeleitet. Auch Nelsons Vater hat eine Strafanzeige gegen Unbekannt gestellt.
Vieles noch unklar – Infos bleiben hinter verschlossener Tür
Viele wichtige Informationen behält die Staatsanwaltschaft bisher noch für sich. Zum Beispiel, warum Nelson überhaupt in Haft war und ob er schon verurteilt war oder sich in Untersuchungshaft befand.
Auch ist nicht klar, warum er unter besonders schlechten Haftbedingungen festgehalten wurde. Er wurde fünf Wochen gesondert und „sicher verwahrt“ untergebracht, auch mit zusätzlicher Videoüberwachung.
Der Landtag rief aufgrund des Vorfalls eine Sondersitzung mit dem Justizausschuss und der Justizministerin Petra Berg (SPD) ein. Da die CDU verhinderte, dass diese Sitzung öffentlich stattfand, ist jedoch unklar, was bei dieser Sitzung besprochen wurde und ob es neue Informationen gibt.
Tote im Polizeigewahrsam: Kein Einzelfall
Laut der Kampagne für Opfer rassistischer Polizeigewalt (KOP) soll Rassismus bei Nelsons Tod eine Rolle gespielt haben. Als schwarzer Jugendlicher sei er systematisch kriminalisiert, pathologisiert und entmenschlicht worden.
Morde durch die Polizei – weder Einzelfall noch Versagen, sondern Teil des Systems
Tatsächlich sei es nach KOP keine Seltenheit, dass schwarze Menschen in Gewahrsam umgebracht werden. Oury Jalloh, Ferhat Mayouf, Rachid S., Fartoun Haroun Ali, Rooble Warsame und Laye-Alama Condé sind alles Beispiele dafür.
In Ottweiler ist als Reaktion darauf eine große Demonstration geplant, die Transparenz, Aufarbeitung, Gerechtigkeit und ein Ende von rassistischer Gewalt fordert. Der Protest startet diesen Sonntag, den 17. August um 14 Uhr am Bahnhof Ottweiler.

