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Angriff auf Antifaschist:innen in Essen-Kray

Seit mehreren Monaten bauen sich in Essen zunehmend faschistische Strukturen auf. Faschist:innen treten regelmäßig ins Lampenlicht und bedrohen Bewohner:innen und Antifaschist:innen. Am vergangenen Freitag kam es zu einem Angriff auf antifaschistische Gegendemonstrant:innen.

Im Jahr 2012 wurde im Essener Stadtteil Kray die Zentrale der NPD eröffnet, um die es schnell wieder ruhig wurde. Seit März diesen Jahres wird die Zentrale wieder aktiv genutzt. Neben der NPD, die sich mittlerweile in „die Heimat“ umbenannt hat, sind hier auch weitere faschistische Kräfte wie „Jung & Stark“ immer öfter aufzufinden.

Besonders, die Parteijugend der Heimat trifft sich hier regelmäßig zu „offenen Abenden“ auf denen sie stärker in die faschistischen Strukturen eingebunden werden und dabei auch direkt von hohen Personen, die man aus dem Dortmunder „Nazi-Kiez“ kennt, ausgebildet werden. Neben den offenen Treffen finden im Anschluss regelmäßig Spontanversammlungen statt, bei denen Faschist:innen durch den stark migrantisch geprägten Stadtteil marschieren und rassistische Parolen rufen.

Natürlich bleiben die faschistischen Demonstrationen nicht unbeantwortet. Seit die Heimatzentrale wieder regelmäßig in Gebrauch ist, versammeln sich auch Antifaschist:innen regelmäßig auf der Marienstraße in Kray, wo die Treffen abgehalten werden.

Faschistischer Angriff – eine neue Qualität der Gewalt

Am Freitag fand erneut eines der Treffen der Heimatjugend statt. Auch dieses mal kamen viele Gegendemonstrant:innen, um sich gegen die Faschist:innen zu positionieren. Während der Veranstaltung, kam es zu keinen größeren Auseinandersetzungen, was sich allerdings bei der Abreise änderte.

Als eine Gruppe linker Aktivist:innen abreisen wollte, stieg eine Gruppe von mehreren Faschist:innen in den Bus und begann nahezu unmittelbar auf die Aktivist:innen einzuschlagen. Am Ende wurden vier Antifaschist:innen durch die Faschist:innen verletzt und von 19 Angreifer:innen wurden die Personalien aufgenommen.

Zusammenstöße gab es auch zuvor bereits auf den Gegenprotesten, allerdings gingen diese bislang von der Polizei aus. Dass die Faschist:innen direkt linke Aktivist:innen attackieren, ist eine neue qualitative Stufe der Gewalt, und zwar besonders in dieser Stadt. Auch wenn es hier schon länger organisierte Faschist:innen gibt, sind diese vor allem untereinander geblieben.

Brutaler Polizeiangriff auf revolutionären Rechtsanwalt

Seitdem vor allem Faschist:innen, die man bislang aus dem Millieu der Dorstfelder Neonaziszene kannte, öfter auch in Essen auftauchen, nimmt die faschistische Präsenz und ihre Außenwirkung zu. Vermehrte faschistische Sticker und Jugendliche, die auch außerhalb der Treffen durch den Stadtteil laufen und rassistische Parolen rufen.

Recherchen des Bündnisses „Essen stellt sich Quer“, die Faschist:innen beim Schießtraining zeigen, lassen darauf schließen, dass sich die Situation in Essen weiter zuspitzen wird. Auch Kampfsporttrainings der Faschist:innen lassen darauf hindeuten.

„Die Gesamtsituation nervt…“

„… es ist aber nerviger, wenn Linksbündnisse demonstrieren“. Solche Zitate werden in regionalen Zeitungen gedruckt und sorgen für eine Verzerrung der Situation. Dieses Zitat stammt von der Inhaberin einer Lokalen Kneipe, deren Besucher:innen die Gegendemonstrant:innen oft unmittelbar aus der ersten Reihe beleidigen.

Gespräche mit Anwohner:innen zeigen was der Stadtteil tatsächlich von den Faschist:innen hält. Besonders Migrant:innen fühlen sich zunehmend unwohl und unsicher. Sie werden offen von Faschist:innen beleidigt und seien besonders nach den Angriffen besorgt ihre Kinder mit dem Bus zur Schule fahren zu lassen. Am Montag fand eine Kundgebung statt, die sich erneut gegen die Faschist:innen positionierte und sich mit den Betroffenen solidarisierte, was bei den Anwohner:innen auf viel Zuspruch traf.

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