Jeffrey Epstein nutzte sein Vermögen und seine Kontakte, um über Jahre hinweg minderjährige Mädchen zu missbrauchen. Epstein selbst war der der Haupttäter, aber auch Vermittler. Neue Enthüllungen um die „Epstein Files“ bringen mächtige Namen in Bedrängnis – darunter auch Donald Trump. – Ein Kommentar von Tara Kaiser.
Der Name Jeffrey Epstein ist heute vielen Menschen ein Begriff – nicht zuletzt, weil Donald Trump während seines Wahlkampfs mehrfach über ihn sprach und die Veröffentlichung der sogenannten „Epstein Files“ ankündigte. Nach seinem Amtsantritt jedoch wurde es still um dieses Versprechen.
Berichten zufolge soll Trump davon Abstand genommen haben, nachdem er darüber informiert wurde, dass auch sein eigener Name in den Akten auftaucht. Ein neuer Streitpunkt, der nun sogar innerhalb der politischen Rechten in den USA für Diskussionen sorgt.
Jeffrey Epstein im Netz der High Society
Jeffrey Epstein wurde 1953 in Brooklyn, New York, geboren. Bekannt wurde er als Vermögensberater. Unter anderem verwaltete er das Vermögen des Milliardärs Leslie H. Wexner, dem Gründer von Marken wie Victoria’s Secret und Bath & Body Works.
Über seine tatsächlichen Einkommensquellen kursieren jedoch zahlreiche Gerüchte und Spekulationen – ob er wirklich ausschließlich durch seine Finanzgeschäfte zu einem der reichsten und einflussreichsten Männer der Welt wurde, bleibt bis heute ungeklärt. Öffentliche, verlässliche Beweise gibt es dazu weder in die eine noch in die andere Richtung.
Fest steht jedoch: Epstein verfügte über ein enormes Vermögen und weitreichende Kontakte in höchste gesellschaftliche Kreise. Er besaß mehrere luxuriöse Anwesen – darunter auch zwei private Inseln –, die ihm nicht nur ein exklusives Leben ermöglichten, sondern auch halfen, seine kriminellen Machenschaften über Jahre hinweg im Verborgenen zu halten.
Gerade dieser Reichtum und sein Zugang zur High Society machen den Fall Epstein so brisant – und sorgen weltweit für großes mediales und gesellschaftliches Interesse.
Die Vorwürfe gegen Epstein
In den letzten Monaten und Jahren wurde viel über die sogenannten Epstein Files gesprochen – über geheime Dokumente, mächtige Namen und über Epsteins berüchtigte Insel. Doch was steckt tatsächlich dahinter? Brad Edwards, einer der Anwälte, der mehrere Opfer Epsteins vertritt, brachte es 2025 in einem Interview mit ABC News auf den Punkt: „Jeffrey Epstein war der Zuhälter und der Freier. Er war sein eigener größter Kunde.“
Dieses Zitat fasst den Kern der Vorwürfe treffend zusammen: Epstein beschaffte minderjährige Mädchen – nicht nur für seine wohlhabenden Freunde und Geschäftspartner, sondern vor allem für sich selbst. Während oft über ein angebliches Netzwerk und die Beteiligung prominenter Persönlichkeiten spekuliert wird, zeigen die gesicherten Fakten, dass Epstein selbst der Haupttäter war.
Er war kein bloßer Drahtzieher im Hintergrund, kein Mastermind eines globalen Rings – vielmehr nutzte er sein Vermögen, seine Macht und seinen Einfluss systematisch, um sich selbst sexuell an jungen Mädchen zu vergehen. Die meisten Übergriffe beging er selbst – immer wieder, über Jahre hinweg.
So lockte er Minderjährige in seine Anwesen in Manhattan, New York und Palm Beach, oder auf seine Insel in der Karibik, um dort „Massagen“ von ihnen zu verlangen, die er schließlich sexuelle eskalierte. Diese Mädchen wurden oft mit den Aussichten gelockt, Viktoria Secret Model werden zu können und bekamen mehrere hundert Doller für diese „Massagen“ von ihm.
Dies waren jedoch keine Einzelfälle, sondern es steckte ein ausgeklügeltes System dahinter. Er bezahlte seine Opfer auch dafür, wenn sie neue minderjährige Opfer zu ihm brachten. So vergrößerte er sein Netz an möglichen Opfern stetig.
Sexualisierte Gewalt im Krieg: 98 Prozent der Opfer Mädchen
In seinen Anwesen in Palm Beach und Manhattan hatte Epstein ein regelrechtes System etabliert: Wann immer er in einer seiner Villen ankam und eine „Massage“ verlangte – ein Begriff, der in diesem Zusammenhang oft als Deckmantel für den sexuellen Missbrauch minderjähriger Mädchen diente – stand jemand bereit. Die Terminvereinbarungen und Kontaktaufnahmen übernahmen dabei in der Regel seine Angestellten, die das Netzwerk aufrechterhielten und so seine Übergriffe ermöglichten.
Seine Vorlieben und Übergriffe an waren also kein Geheimnis. Zumindest nicht unter seinen engsten Mitarbeitenden. So wurde Epstein mehrfach mit minderjährigen Mädchen gesehen und flog diese mit dem Helikopter auf seine Insel. Es war ein offenes Geheimnis, dass Menschen, die auf den Inseln in der Nähe leben, seinen Jet als „Lolita Express“ und die Insel als „Pedophile Island“ beschrieben.
13 Monate Haft für 40 Opfer
Trotz all diesen Straftaten blieb eine juristische Strafe für viele Jahre aus. 2005 musste er sich das erste Mal vor Gericht verantworten. Bereits zu dieser Zeit wurde die Zahl der mutmaßlichen Opfer auf 40 Personen von der Staatsanwaltschaft festgelegt. Nach einem Deal bekam Epstein hierfür jedoch nur 13 Monate Haft, die er großteils bei sich zuhause verbringen konnte.
2018 kamen dann durch eine journalistische Untersuchung neue Zahlen von bis zu 80 Opfern auf – und der Fall bekam wieder mehr Aufmerksamkeit. So wurde der Fall 2019 wieder offiziell geöffnet und Epstein erneut festgenommen.
Etwa einen Monat nach seiner Festnahme, am Morgen des 10. August 2019, wurde er dann erhängt in seiner Zelle in Manhattan, New York aufgefunden. Sein Tod wurde offiziell als Suizid erklärt. Allerdings gibt es immer noch einige Unstimmigkeiten und Gerüchte, dass dies nicht stimmen würde.
Dies begründet sich darauf, dass die Kameras vor Epsteins Zelle in der Nacht „zufällig“ kaputt gewesen scheinen und gleichzeitig für mehrere Stunden kein Wärter nach ihm schaute.
Die Epsteins Liste und die Epstein Files
Wie bereits erwähnt hatte Epstein nicht nur selbst junge Mädchen sexuell missbraucht, sondern mutmaßlich auch an seine reichen und mächtigen Bekannten und Freunde vermittelt. Die Beweislage in diesem Zusammenhang ist jedoch schwierig – und wie so oft ranken sich auch hier zahllose Gerüchte darum, wer genau zu diesem einflussreichen Personenkreis gehört haben soll.
Immer wieder ist von einer sogenannten „Epstein-Liste“ die Rede – eine Art Dokument, in dem angeblich festgehalten wurde, wem Epstein wann und wo junge Mädchen vermittelt haben soll. Eine solche Liste existiert in dieser Form jedoch nicht. Epstein führte kein offizielles Register über seine mutmaßlichen Taten oder deren Abnehmer.
Was es allerdings gibt, ist ein Adressbuch – häufig als „Black Book“ bezeichnet – in dem zahlreiche Kontakte aus Politik, Wirtschaft, Adel und Unterhaltung verzeichnet sind. Dieses Verzeichnis ist bereits seit Längerem öffentlich einsehbar. Hierbei muss aber beachtet werden, dass ein Eintrag in diesem Buch keine Schuld beweist. Mit Epstein in Kontakt gestanden zu haben, bedeutet nicht automatisch, in seine kriminellen Machenschaften verwickelt gewesen zu sein.
Neben der sogenannten „Epstein-Liste“ ist in der öffentlichen Debatte immer wieder von den „Epstein Files“ die Rede. Gemeint sind damit umfangreiche Ermittlungsunterlagen des FBI, die im Zusammenhang mit den strafrechtlichen Untersuchungen gegen Jeffrey Epstein und seine enge Vertraute Ghislaine Maxwell entstanden sind.
Beide sollen gemeinsam über Jahre hinweg ein Netzwerk aufgebaut haben, in dem junge – teils minderjährige – Mädchen missbraucht und an einflussreiche Persönlichkeiten vermittelt wurden.
Die „Epstein Files“ bezeichnen aus Sicht vieler Beobachter:innen eine umfassende Sammlung an Dokumenten und Beweismaterial, die nicht nur Epsteins kriminelle Aktivitäten betreffen, sondern auch Hinweise auf mögliche Mittäter:innen und Mitwisser in höchsten gesellschaftlichen Kreisen enthalten könnten.
Genau diese brisante Dimension macht die Angelegenheit so heikel: Sollte sich bewahrheiten, dass weitere prominente Namen in diesen Unterlagen auftauchen, könnten Ermittlungen gegen einflussreiche Persönlichkeiten folgen – aus Politik, Wirtschaft, Adel und Unterhaltung.
Trump mitten im Geschehen
Unter den prominenten Namen, die immer wieder im Zusammenhang mit Epstein genannt werden, sticht einer besonders hervor: Donald Trump. Epstein selbst bezeichnete ihn in der Vergangenheit als „engen Freund“. Dass Trumps Name im Umfeld von Missbrauchsvorwürfen fällt, überrascht viele nicht – gegen ihn wurden bereits mehrfach Anschuldigungen wegen sexualisierten Übergriffen erhoben, darunter auch schwerwiegende Vorwürfe.
Neben Trump tauchen auch weitere bekannte Persönlichkeiten regelmäßig in Spekulationen rund um die „Epstein Files“ auf – darunter Prince Andrew, der britische Royal, sowie der ehemalige US-Präsident Bill Clinton. Auch der verstorbene Musiker Michael Jackson wird mit Vorwürfen in Verbindung gebracht. In all diesen Fällen handelt es sich um Männer, gegen die bereits in der Vergangenheit Missbrauchsanschuldigungen erhoben wurden – teilweise mehrfach.
Sexualisierte Gewalt in der High Society der USA – der Fall Diddy
Nicht zuletzt der öffentliche Skandal und der laufende Gerichtsprozess gegen Musikmogul Sean Combs, besser bekannt als „Diddy“, haben deutlich gemacht, wie eng Macht, Reichtum und mutmaßlicher Missbrauch in bestimmten gesellschaftlichen Kreisen miteinander verflochten sein können.
Die Enthüllungen werfen ein grelles Licht auf eine erschreckende Realität: In Teilen der Unterhaltungsbranche, der Politik und der Wirtschaft scheint ein Klima zu herrschen, in dem sexualisierte Gewalt nicht nur möglich, sondern systematisch vertuscht wird – insbesondere, wenn es um Übergriffe auf Minderjährige geht.

