Über 50 Tage befand sich der kurdische Aktivist Hamza A. im Hungerstreik. Nun ist er aus der Abschiebehaft in Dresden entlassen worden. Unterstützer:innen sind erleichtert und erklären: „Widerstand lohnt sich“.
„Wir haben einen Grund zu feiern! Wir sind sehr glücklich, dass dieses Unrecht und dieser Schrecken endlich ein Ende gefunden haben“, so äußert sich die Solidaritätsgruppe mit Hamza A am Freitag Abend auf Instagram. Sie habe ihn aus der Abschiebehaft in Dresden abholen können. Anschließend ging es für den kurdischen Aktivisten direkt in ein Krankenhaus, bevor er wieder mit der Nahrungsaufnahme beginnt. Die genauen juristischen Hintergründe sind noch unklar, politischer Druck durch Hamza A. und seien Unterstützer:innen dürften jedoch eine entscheidende Rolle gespielt haben.
Hamza A. war am 17. Juni in den Hungerstreik getreten um mit drastischen Mitteln gegen eine drohende Abschiebung in die Türkei zu protestieren. In diesem nahm er nur gesüßten Kaffee, Tee und Wasser zu sich. Mittlerweile hatte er laut dem Sächsischen Flüchtlingsrat über 20 kg an Gewicht verloren.
Trotzdem unternahmen Behörden zwischenzeitlich fünf Abschiebeversuche, davon drei an einem einzigen Tag, innerhalb weniger Stunden. Hamza A. Wurde mehrfach nackt ausgezogen, erniedrigt, gefesselt und unter Zwang in Flugzeuge getragen. Zwei Piloten verweigerten den Transport wegen seines Zustands. Ärzte der Abschiebungseinrichtung bescheinigten trotz Hungerstreik, dramatischem Gewichtsverlust und dokumentierten Suizidversuchen eine „Reise- und Transportfähigkeit“.
„Diese Zeit, die von Unrecht, Gewalt und Ignoranz geprägt war, zeigt, welche Ausmaße die “Abschieberei” erreichen kann und welche Entwürdigungen in der Abschiebehaft und bei den Abschiebungen möglich sind“, so die Solidaritätsgruppe über den vergangenen Zeitraum.
Kurdischer Aktivist in Abschiebehaft im Hungerstreik: „Es geht akut um sein Leben“
„Widerstand lohnt sich“
In der Türkei wäre Hamza akuter politischer Verfolgung ausgesetzt gewesen. Die türkische Regierung geht seit Jahrzehnten gezielt und systematisch gegen oppositionelle Kräfte vor, insbesondere gegen kurdische Aktivist:innen, Journalist:innen und Politiker:innen. Ihnen wird oftmals eine Nähe zur PKK oder anderer bewaffneter revolutionärer Gruppen vorgeworfen.
Hamzas laufender Asylfolgeantrag enthält neue Belege, die zeigen, dass er in der Türkei wegen seiner kurdischen Herkunft und seines Engagements politischer Verfolgung durch die Erdoğan-Regierung ausgesetzt wäre.
Als Unterstützer:innen habe man nun „alles getan, um dieses Unrecht zu stoppen. Jetzt zeigt sich: Wir hatten Recht – Hamza A. hat all das zu Unrecht erlebt. Und: Widerstand lohnt sich.“ Man wolle sich im laufe der kommenden Tage mit weiteren Informationen zurückmelden.

