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Köln: Deutz AG schreibt grüne Zahlen mit Kriegsgeschäft

Nach Übernahmen in den USA und den Niederlanden rüstet der Motorenbauer Deutz AG für Militärfahrzeuge auf. Schon jetzt liefert er Motoren für Panzer in Polen und der Ukraine. Die Aktie schießt in die Höhe, aber in Köln droht den Angestellten der Jobverlust.

Die Kölner Deutz AG kann die besten Zahlen seit 2007 verbuchen. Nach dem Einkauf eines US-amerikanischen Herstellers von Stromgeneratoren schießt die Aktie des 160 Jahre alten Unternehmens um 22 Prozent in die Höhe. Laut dem CEO Sebastian Schulte gehe es mit diesem Kauf darum, in Zeiten von weltweiten Militärausgaben in Höhe von über 2 Billionen Euro in neue Geschäftsfelder zu expandieren.

Der im April 2025 bekanntgegebene Einkauf von Blue Star Power Systems, einer Firma aus Minnesota, spezialisiert auf Stromerzeugungssysteme, sorgte für große Begeisterung bei den Aktionär:innen. Das Unternehmen stellt elektro- und hybridbetriebene Batteriespeicher her. Deutz will mit dem Zugang zu diesen neuen Technologien ganze Anlagen anbieten.

„Wir erschließen uns mit dem Schritt einen […] Markt, in dem wir Technologie und Service beherrschen“, so Schulte. Neben Ländern mit einem instabilen Stromnetz könnten diese Anlagen laut eigenen Angaben allerdings auch in Lazaretten und Ähnlichem eingesetzt werden.

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Geschäfte in den Niederlanden

Der jüngste Erwerb steht allerdings keinesfalls allein da. Erst im April dieses Jahres wurden Urban Mobility Systems (UMS) und das Tochterunternehmen Defense Mobility Systems von der Deutz AG aufgekauft. Das Unternehmen stellt vor allem Elektromotoren für Schwerlastfahrzeuge wie Lkw und Bagger her. Doch laut Deutz laufen bereits sogenannte Machbarkeitsstudien für die Ausstattung von Militärfahrzeugen wie dem gepanzerten Truppentransporter „Bushmaster“.

Mit dem Ziel, schon 2028 Erlöse von 3,4 Milliarden Euro einzufahren, werden allerdings nicht nur zum ersten Mal seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs wieder Waffen in den Deutz-Werken produziert.

Im Dienst für den Krieg

In kleinem Maße arbeitete Deutz schon seit geraumer Zeit mit der Bundeswehr zusammen, zum Beispiel im Service, bei Reparaturen und im Training. Das soll sich allerdings ändern – bereits jetzt liefert Deutz durch den Erwerb der Firma BTH Fast nicht nur Motoren für Kampffahrzeuge für die polnischen Streitkräfte, sondern modernisiert auch die Motoren alter sowjetischer Panzer für die Ukraine.

Mittelfristig steht für Deutz die Lieferung von Motoren für kleine und mittlere Militärfahrzeuge sowie Radpanzer auf der Agenda. Es winken laut eigenen Angaben zweistellige Millionenprofite für das Unternehmen und seine Anteilseigner.

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Im Ausbau der Entwicklung sogenannter Verteidigungstechnologien hofft man auch auf die Zusammenarbeit zum Beispiel mit Rheinmetall oder Daimler-Benz. Die aktuelle Krise der deutschen Wirtschaft, allen voran der Automobilindustrie, gepaart mit dem Kriegskurs, ist eine Steilvorlage für Rüstungsunternehmen, die gerade überall ihre Produktionen hochfahren.

In dunkler Tradition

Unter dem Namen Klöckner-Humboldt-Deutz AG stellte die heutige Deutz AG im Nationalsozialismus eine Vielzahl von Kriegswaffen zur Verfügung. Das vor dem Krieg noch auf Traktoren spezialisierte Unternehmen stellte ab 1938 Motoren, Lastkraftwagen, Kettenfahrzeuge sowie Ersatzteile her und reparierte die Panzer der Wehrmacht.

Für ihren außergewöhnlichen Einsatz erhielten sie „die goldene Fahne“ von der Deutschen Arbeitsfront und wurden zum Kriegsmusterbetrieb erklärt. Im gleichen Zug bauten sie ein Lager für die zeitweise mehrere tausend „Fremdarbeiter“ in ihren Werken. Anfangs noch Menschen aus Westeuropa, die für geringen Lohn nach Deutschland geholt wurden, aber gegen Ende des Krieges fast ausschließlich sowjetische Kriegsgefangene – oftmals jedoch Zivilisten.

Für ihren Anteil an Deutschlands Vernichtungskrieg hat die Deutz AG keine Verantwortung übernehmen müssen. Auch wird dies vom Unternehmen nicht weiter erwähnt oder gar aufgearbeitet.

Zeitenwende heißt Jobverlust

Nach außen hin malt die Deutz AG ein rosiges Bild. Öffentlich wirbt sie mit neuen Auszubildenden. Nach anfänglicher Skepsis stünden jetzt zudem alle Arbeiter:innen hinter den neuen Vorhaben des Unternehmens, sagt der CEO Sebastian Schulte, der im Jahr 2024 allein 1,41 Millionen Euro verdiente.

Doch auf den rapiden Ausbau eines Zweigs folgt der Abbau eines anderen. Ende letzten Jahres kündigte das Unternehmen die Entlassung von 300 Arbeiter:innen an seinen Standorten in Porz und Kalk an. Bis Ende 2026 sollen die Kosten um ganze 50 Millionen Euro gesenkt werden.

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Sowohl Porz als auch Kalk gelten als zwei der ärmsten Viertel Kölns. Laut einer Statistik der Stadt Köln aus dem Jahr 2023 liegt das durchschnittliche Einkommen in beiden Stadtteilen im Bereich der akuten Armutsgefährdung. Sowohl Kalk als auch Porz haben die höchsten Anteile an Migrant:innen der ganzen Stadt.

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