Diese Woche führte die Polizei einen massiv überzogenen Einsatz an der österreichischen NS-Gedenkstätte am Peršmanhof durch, wo zu der Zeit ein antifaschistisches Jugendcamp stattgefunden hatte. Betroffene Verbände sprechen von Retraumatisierung und fordern Konsequenzen für die Verantwortlichen des Einsatzes. Klar ist: Das politische Gedenken bleibt unsere Pflicht! – Ein Kommentar von Andrej Hoffmann.
Ein massives Polizeiaufgebot mit Drohnen, Hubschrauber und Hundestaffel führte am 27. Juli 2025 an der Partisanengedenkstätte und im -museum Peršmanhof eine Hausdurchsuchung sowie mehrere Identitätsfeststellungen durch. Auslöser hierfür waren laut Polizei Meldungen über wildes Campen. Doch gerade das massive Aufgebot lässt vermuten, dass es hier nicht nur um den Verstoß gegen ein paar Formalitäten ging.
Der Bergbauernhof Peršmanhof wurde kurz vor dem Ende des Hitlerfaschismus in Europa Schauplatz eines Kriegsverbrechens an der kärntner-slowenischen Zivilbevölkerung. Elf Personen wurden bei diesem Massaker von der SS ermordet. In den Jahren zuvor war der Hof ein wichtiger Stützpunkt der aus Jugoslawien agierenden Partisan:innenbewegung. In dieser Region war unter anderem die Partisanin Helena Kuchar, bekannt unter dem Namen Jelka aus dem Lied „Drei rote Pfiffe“, aktiv.
Vom Wohnort zum Tatort, vom Erinnerungsort zum Lernort.
So beschreibt sich der Peršmanhof selbst auf seiner Website. Neben dem seit 2012 eröffneten Museum bietet der Peršmanhof antifaschistischen, antirassistischen, feministischen und klimapolitischen Initiativen aktiv an, als Veranstaltungsort für Seminare, mehrtägige Camps usw. zu fungieren. Das von Nachfahr:innen getragene Projekt stellt eine Verbindung zwischen Gedenkarbeit und fortschrittlicher antifaschistischer Arbeit im 21. Jahrhundert her. Klar also, dass dieser Ort besonders rechten Kräften wie der FPÖ missfällt.
Ein Polizeieinsatz, der Wunden aufreißt
In einer Pressemitteilung äußert sich Bernard Sadovnik (Nachfahre der Familie Sadovnik und Vorsitzender des Volksgruppenbeirats): „Ein massiver Polizeieinsatz genau 80 Jahre nach dem Massaker reißt bei mir als Nachkomme Wunden auf.“ Auch Milan Wutte vom Verband der Kärntner Partisan:innen zeigt sich bestürzt über das Vorgehen der Polizei: „Da das Veranstalten von antifaschistischen Bildungscamps seit jeher fixer Bestandteil der Geschichte unseres Museums ist.“
Dazu kommt, dass in der Aufarbeitung dieser polizeilichen Schikane immer mehr Widersprüche auftreten. So berichtet die österreichische Tageszeitung Der Standard davon, dass laut Polizeikreisen wohl eine Beschwerde aufgrund einer mutmaßlichen Palästina-Fahne an der Gedenkstätte Auslöser für den martialischen Einsatz gewesen sein soll. Von einer entsprechenden Fahne wussten weder die Organisator:innen noch der dortige Verein etwas – und auf dem Einsatz selbst seien die Worte „Fahne“ oder „Palästina“ zu keiner Zeit gefallen.
Wer bestimmt das Gedenken?
Unterm Strich bleibt vor allem die Frage: Wer bestimmt das Gedenken? Ist es die Polizei, die mit Gesetzen und Formalien Gedenkarbeit lenken möchte? Rechte Kräfte, die einen Entzug von Fördermitteln fordern? Oder doch vielmehr Antifaschist:innen, die diese Gedenkarbeit seit Jahren allen Widerständen zum Trotz durchführen?
Fakt ist: Selbstorganisierte antifaschistische Gedenkarbeit ist in Zeiten der zunehmenden Stärkung faschistischer Kräfte innerhalb von Staat und Gesellschaft wichtiger denn je. Sie ist Aufgabe aller Antifaschist:innen – unabhängig von Alter oder Wohnort. Denn überall gab es antifaschistische Aktivitäten, die darauf warten, erforscht und erinnert zu werden.

