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Rheinmetall eröffnet neue Munitionsfabrik in Unterlüß – Expansion in Planung

Der Waffenkonzern Rheinmetall gilt aktuell als einer der größten Gewinner der deutschen Aufrüstung. Aus diesem Grund steht er diese Woche auch im Zentrum antimilitaristischer Protestaktionen des Bündnisses „Rheinmetall Entwaffnen“. Aktienkurs und Geschäftspläne des Konzerns deuten derweil auf eine Vergrößerung des Unternehmens im In- und Ausland.

Der größte deutsche Waffenkonzern Rheinmetall macht aktuell großflächig Schlagzeilen. Von besonderem Interesse für die Öffentlichkeit gelten hierbei die immensen Profitsteigerungen – real wie auch in den Erwartungen für die kommenden Jahre –, die das Unternehmen besonders seit Beginn des Ukraine-Kriegs im Frühjahr 2022 einfährt. Besonders im Zusammenhang mit dem beschlossenen Sondervermögen von 500 Milliarden Euro und der Zielsetzung, künftig fünf Prozent des BIPs für Aufrüstung auszugeben, sind die Profitaussichten und Aktienkurse des Konzerns massiv gestiegen. So ist der Aktienkurs seit dem Jahr 2020 um über 2.000 Prozent gestiegen.

Rheinmetall und Co. Entwaffnen – Militarisierung stoppen!

Unterlüß: Kein unbeschriebenes Blatt

Am Mittwoch eröffnete der Konzern nun ein weiteres neues Werk im niedersächsischen Unterlüß in der Lüneburger Heide. Hergestellt werden sollen hier die von der ukrainischen Armee benötigten 155 Millimeter-Geschosse für die Artillerie. So soll bis 2027 die Produktion dieser Munition auf 350.000 Schuss pro Jahr hochgefahren werden und Unterlüß damit die größte Munitionsfabrik Europas werden. Zu Gast bei der Eröffnung des neuen Werks waren unter anderen Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD), Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) und NATO-Generalsekretär Mark Rutte.

Für die Erprobung von Waffen und Munition wurde 1899 ein Gelände in der Nähe von Unterlüß in der Lüneburger Heide gepachtet; dieser Standort existiert noch und umfasst eine Fläche von 50 Quadratkilometern. Technischer Direktor der Rheinischen Metallwaaren- und Maschinenfabrik Actiengesellschaft, nach der Telegrammadresse kurz Rheinmetall genannt, war der Ingenieur Karl Völler, der am 15. Mai 1916 bei Experimenten mit neuer Munition auf dem Versuchsgelände in Unterlüß in der Lüneburger Heide starb. 

Das Werk hat zudem eine Nazi-Vergangenheit: Im Werk Unterlüß allein wurden zu Kriegsende etwa 5.000 ausländische Zwangsarbeiter:innen sowie Kriegsgefangene (ca. 2.500 Pol:innen, 1.000 aus der UdSSR, 500 Jugoslaw:innen, 1.000 aus anderen Ländern) von den britischen Truppen befreit. Zeitweilig wurden in Unterlüß ungarische Jüd:innen aus einem Außenlager des KZ Bergen-Belsen eingesetzt.

Vergrößerung in Aussicht

Währenddessen protestierten Aktivist:innen des „Rheinmetall Entwaffnen“-Camps vor dem Werkstor in Köln. Der Konzern selber scheint sich trotz der Proteste seiner kommenden Profite sicher zu sein. So soll er aktuell mit dem US-amerikanischen Waffenkonzern Lockheed Martin, mit dem bereits länger geschäftlich kooperiert wird, in Verhandlungen über den Bau von Raketenteilen in Deutschland stehen.

Raketen der Typen ATACMS und Hellfire sollen demnach auch in Unterlüß produziert werden. Raketen und Flugkörper stehen im Fokus dieser geschäftlichen Verbindung: so wurde bereits im April mitgeteilt, dass beide Konzerne hierfür an einem gemeinsamen europäischen „Kompetenzzentrum“ arbeiteten. Auch im maritimen Waffensektor möchte Rheinmetall wohl künftig mitmischen. Demnach gäbe es wohl Interesse am Erwerb des Marineschiffbauers NVL.

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