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Staat zahlt vorab: Steuermillionen für Rüstungs-Start-ups

Während viele Start-ups in Deutschland Insolvenz anmelden, erlebt die Rüstungsbranche einen historischen Aufschwung. Neue Gesetze für staatliche Vorauszahlungen und gigantische Sondervermögen treiben Start-ups wie Helsing oder eingesessene Konzerne wie Rheinmetall zu Rekordgewinnen.

Viele Start-up-Unternehmen gehen pleite und müssen Insolvenz anmelden. Mit 175 Start-ups, die Insolvenz anmeldeten, sind es 5 Prozent mehr als im letzten Jahr. Es wird immer schwieriger, Investoren zu finden. Doch eine Branche scheint nicht betroffen von dem Ganzen zu sein: die Rüstungsindustrie.

Vor einiger Zeit wurde die offiziell genannte Start-up-Branche der Verteidigung in die gleiche Kategorie wie Glücksspiel und Erotik eingeordnet, da all diese kaum gefördert wurden. Jetzt sieht das schon ganz anders aus. Die Rüstungsindustrie ist eine der lukrativsten Branchen für die deutsche Industrie. Nicht nur kaufen Firmen wie Rheinmetall alte VW-Werke auf. Die Regierung verabschiedete ein neues Gesetz zur Förderung von Rüstungs-Start-ups.

Rheinmetall: Rekordprofite dank Kriegstreiberei

Vorauszahlung für die Rüstungsindustrie

Das Beschaffungsbeschleunigungsgesetz von Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) und Katharina Reiche (CDU) ermöglicht es dem Bund, Vorauszahlungen zu tätigen. Das heißt, dass sie nicht erst bezahlen, wenn sie das Produkt erhalten, sondern schon davor. Das soll dazu dienen, um das sogenannte „Valley of Death“ (dt. „Tal des Todes“) zu überbrücken.

Dabei handelt es sich um Start-up-Unternehmen, denen das Geld ausgeht, bevor diese ihre Geschäftsidee realisieren können. Mit den Investoren und der Vorauszahlung des Bundes soll das mit Start-ups, welche die Rüstungsindustrie fördern, nicht passieren. Dieses Gesetz soll in Kraft treten, „wenn dies allgemein üblich oder durch besondere Umstände gerechtfertigt ist“.

Ein Beispiel für solch ein Unternehmen ist das Start-up Helsing aus München. Mit der Entwicklung von künstlicher Intelligenz für die Rüstungsindustrie nahm es 600 Millionen Euro ein und ist nun das lukrativste Start-up Deutschlands.

Die Bundeswehr vergibt zunehmend Aufträge an junge Unternehmen, und Kooperationen zwischen etablierten Rüstungsfirmen und Start-ups nehmen zu – etwa Renk mit Arx oder Airbus Defence mit Quantum Systems. Letztere entwickeln etwa ein gemeinsames Softwareökosystem für die Luftaufklärung.

Waffenindustrie boomt weiter

Insgesamt boomt die deutsche Rüstungsindustrie – vor allem durch das 500-Milliarden-Sondervermögen. „Sie können davon ausgehen, dass am Ende zwischen 30 und 40 Milliarden Euro aus dem Sondervermögen zu uns kommen“, erklärte Rheinmetall-CEO Armin Papperger im Mai 2024 in Bezug auf das vorherhige 100-Milliarden-Sondervermögen.

Bundeswehr-Sondervermögen lässt bei Rheinmetall die Kassen klingeln

Besonders durch die in der Krise steckende Autoindustrie ist die Produktion von Kriegsmaschinen essentiell für die deutsche Wirtschaft geworden. Für 2025 erwartet Rheinmetall ein Umsatzwachstum von 25 bis 30 Prozent.

Zuletzt hatte das Unternehmen MDBA erklärt, die Produktion des Marschflugkörper Taurus wieder aufzunehmen, nachdem für mehrere Jahre nicht für Deutschland produziert wurde. Der Taurus soll in das Inventar für Verteidigung beigefügt werden, wo bereits 600 Stück lagern. Der Flugkörper kann mehrere Schichten Beton durchbrechen.

Auch Rheinmetall hat Ende Juli einen neuen Deal zur Lieferung von Handgranaten und Munition in das Baltikum abgeschlossen. Estland und Litauen haben eine Bestellung für 33 Millionen Euro getätigt, um die Einsatzbereitschaft und die Reaktionsfähigkeit zu stärken. In Litauen ist zudem der Bau eines Werk zur Herstellung von 155-Millimeter-Artilleriegeschossen geplant.

Neue Rheinmetall-Fabrik in Litauen – Deutschland rüstet in Osteuropa auf

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