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Streiks erfolgreich: Erster Tarifvertrag in der Dönerfabrik Birtat

Das Unternehmen Birtat beliefert europaweit Imbisse und Restaurants mit Dönerspießen. Anfang August konnte nach erfolgreichen Streiks der erste Tarifvertrag in dieser Branche erkämpft werden.

Mit einem intensiven Arbeitskampf hat die Belegschaft des Dönerherstellers Birtat einen Tarifvertrag erkämpft. Dem vorausgegangen war eine längere Auseinandersetzung zwischen Arbeiter:innen und Geschäftsführung.

Zwar gibt es bei der Firma Birtat bei Ludwigsburg bereits seit einigen Monaten einen Betriebsrat – dieser hat jedoch keine Möglichkeiten über Gehaltshöhe zu verhandeln.

Dabei waren gerade die niedrigen und ungleichen Löhne ein großes Problem für die Belegschaft. So beruhte der Lohn auf persönlichen Beziehungen zum Chef und individuellem Verhandlungsgeschick der Arbeiter:innen. Auch die Inflation und die hohen Mieten in der Region Stuttgart erfordern eine generelle Lohnerhöhung für die Arbeiter:innen.

Streik in Dönerfabrik

Ende Juli rief dann die Gewerkschaft Nahrung-Genuss und Gaststätte (NGG) nach ersten gescheiterten Verhandlungen zu Streiks auf. Bereits dort schreckte die Firma nicht vor repressiven Maßnahmen zurück: während die Verhandlungen liefen, wurden einige Arbeiter:innen von den Chefs von Birtat zu persönlichen Gesprächen gerufen, bei denen versucht wurde, sie mit Einschüchterung dazu zu bewegen, ihre Mitgliedschaft in der Gewerkschaft NGG aufzugeben. Ein Mitarbeiter erklärte dazu laut stuttgarter-nachrichten.de: „Bei denen, die in der Gewerkschaft bleiben, steht die Kündigung im Raum“.

Nach einem zweiten Streik kam es dann zu weiteren Einschüchterungsversuchen. Streikende Arbeiter:innen berichteten davon, das der Birtat-Chef bei ihnen Zuhause vorbei gekommen sei und sie massiv bedrängt habe. Nach dem diese Information an die Gewerkschaft gelangte, ist sofort eine Gruppe von Gewerkschaftsmitgliedern zu einer Wohnung gegangen, wo rumänische Arbeiter untergebracht waren und trafen dort auch den Geschäftsführer an. Dieser erklärte, er wolle angeblich den Zustand des Hauses inspizieren. Zwischenzeitlich drohte das Unternehmen sogar mit einer Schließung des Standorts.

Arbeitskampf mit Erfolg

Nach 13 Streiktagen stand dann am Abend des 7.August der erste Tarifvertrag. Der Einstiegslohn wurde rückwirkend zum 1.August auf 2600 Euro Brutto angehoben. Zusätzlich wurde eine Lohnerhöhung in zwei Stufen von bis zu 17 Prozent bis Ende 2026 vereinbart.

Während der Streik Anlass bei Gewerkschafter:innen auf breites Interesse stieß fokussierten sich die kapitalistischen Medien nicht auf den Arbeitskampf, sondern spekulierten über eine Erhöhung des Dönerpreises. Angeblich würde eine Erhöhung des Lohns auch eine Erhöhung des Dönerpreises nach sich ziehen.

Der Dönerpreis steigt in den letzten Jahren massiv an, und soll laut Prognosen in den nächsten Monaten an einigen Orten die 10-Euro-Marke knacken. Das liegt zum einen an den allgemeinen Preissteigerungen für Zutaten wie Tomaten und Brot. In den nächsten Monaten wird aber vor allem der Anstieg der Fleischpreise entscheidend sein. Das liegt allerdings nicht an den kämpfenden Arbeiter:innen sondern an den strengeren Auflagen der EU für die Rinderhaltung sowie Seuchen wie die Blauzungenkrankheit. Zudem sorgen auch die hohen Energie- und Mietpreise welche die Imbisse und Restaurants zahlen müssen, für weitere Steigerungen des Dönerpreises.

Zuletzt gilt grundsätzlich bei Lohnerhöhungen: nicht höhere Löhne sind das Problem, wenn der Kapitalist einfach weniger Gewinn einstreichen würde. Der Umstand, dass dieser im Beispiel Birtat nun eine Lohnerhöhung um 17 Prozent umsetzen konnte zeigt, wie lange und intensiv die Arbeiter:innen den Profit des Unternehmens gemehrt haben – und wieviel Luft nach oben noch war.

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