Der deutsche Außenminister Johann Wadephul besucht Japan und Indonesien, dabei geht es um militärische Kooperation und wirtschaftliche Unabhängigkeit von China.
Breites Lächeln, kräftige Händedrücke und Posieren für die Presse. Der deutsche Außenminister ist zu Gast bei zwei Verbündeten in Asien: Japan und Indonesien. Dabei äußerte er sich scharf gegenüber China und betonte dessen Gefahr im Chinesischen Meer. Angetrieben wird die Reise vor allem im Rahmen der deutschen Strategie zu China, das die Vorherrschaft der USA anfechtet.
Zu Besuch beim „Preimumpartner“
Das Bündnis zwischen Deutschland und Japan hat alte unrühmliche Wurzeln, an der Strategischen Relevanz als Partner für die Bundesrepublik hat sich nichts geändert. Beide Länder betreiben enge Beziehungen, regen Handel und Tauschen nachrichtendienstliche Informationen mit einander aus.
Außerdem eint sie die Konkurrenz mit Russland und die begrenzte Abhängigkeit von China. Japan schickt milliardenschwere Unterstützung in die Ukraine und stellt unter anderem ein für die Ukraine wichtiges Patriot Luftabwehrsystem zur Verfügung. Beide Länder sind auf den Import von Seltenen Erden angewiesen, die vor allem aus China stammen. Deutschland kauft dort 90% und Japan 60% seines Bedarfs.
Bei seinem Besuch dort kritisierte Wadephul Chinas aggressives Vorgehen gegen die Insel Taiwan in besonders scharfem Ton: China wolle „einseitig Grenzen verschieben“ und sei „zunehmend aggressiv“. Er geht sogar soweit zu sagen China bedrohe „grundlegende Prinzipien unserer globalen Koexistenz“. Der verschärfte Ton spiegelt dabei die sich immer weiter zuspitzenden Konflikte zwischen China auf der einen und der NATO auf der anderen Seite wieder.
Zudem kritisiert Wadephul Chinas Verkauf von Waren die einen doppelten Nutzen haben, für zivile und militärische Produktion, an Russland. Das sind vor allem Teile, die in Drohnen verbaut werden. China kauft außerdem Öl und Gas aus Russland und beteiligt sich nicht an Sanktionen.
Zur militärischen Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Japan wurde beschlossen künftig im Rüstungssektor und allgemein der Wirtschaft zusammenzuarbeiten. Im Herbst wollen sich die Außen- und Kriegsminister beider Länder treffen. Auf der Insel sind bereits deutsche Soldaten stationiert und die Luftwaffe beteiligt sich dort an Manövern.
Absatzmarkt Indonesien
Nach dem Besuch beim „Premiumpartner“ Japan zeichnet sich in Indonesien klar eine andere Beziehung ab: Bei dem Besuch ging es vor allem um wirtschaftliche Fragen, so will Deutschland Fachkräfte aus Indonesien anwerben. Mit 280 Millionen Einwohner:innen ist es das viert meist besiedelte Land der Welt.
Voraussichtlich im Herbst soll außerdem ein Freihandelsabkommen zwischen Indonesien und der EU unterzeichnet werden, was das Land für die deutsche Wirtschaft nur noch interessanter macht und zu einer möglichen Alternative zu China im Bereich der Produktion. Wadephul besuchte während seines Aufenthalts in dem Südasiatischen Land etwa eine Fabrik des deutschen Unternehmens Daimler Truck.
Neben geteilten Interessen – sowohl wirtschaftlich als auch in Konkurrenz zu China – gibt es allerdings auch einige Differenzen zwischen den beiden Ländern, insbesondere beim Thema Gaza. So ist für den Großteil der indonesischen Bevölkerung klar, dass Palästinenser:innen im Gazastreifen unterdrückt und ermordet werden. Da Indonesien das Land mit der größten muslimischen Bevölkerung weltweit ist, liegt die Verbindung nahe. Auch die indonesische Regierung gilt grundlegend als Unterstützer des palästinensischen Volkes. Dennoch scheinen wirtschaftliche und geostrategische Interessen derzeit die Überhand zu haben.
Deutschlands China-Politik
Was aus Wadephuls Reise durch Asien klar hervor geht, dass Deutschland sich in einer Zeit in der die Spannungen zwischen den NATO-Ländern auf der einen und China und Russland auf der anderen Seite stark zunehmen, von China wirtschaftlich unabhängig machen möchte. Hierfür könnte Indonesien ein passender Partner sein.
Die deutsche und die chinesische Wirtschaft sind eng verflochten. Zum einen befinden sich ein Teil der deutschen Produktion in China und die heimische Produktion wird aus China beliefert. Außerdem ist Deutschland abhängig von seltenen Erden. China ist seinerseits auf den Absatzmarkt der EU angewiesen, um die eigenen Waren zu verkaufen.
Zwischen Handelskrieg und Abhängigkeit – 25. China-EU-Gipfel
Auch wenn Deutschlands Hauptkonkurrent klar Russland ist, will man sich nicht auf auf Europa beschränken, sondern seinen Einfluss Welt weit ausbauen, um sich in kommenden Kriegen um die Verteilung von Absatzmärkten, Handelsrouten und Rohstoffen eine möglichst gute Ausgangslage zu schaffen.
In Asien lassen sich prächtige Profite erzielen, daher auch der zu Spruch von Wadephul das Bündnis mit Japan militärisch zu stärken. Heute mag das noch unrealisierbar erscheinen, doch Wadephuls Kollege aus dem Kriegsministerium hat bereits angekündigt bis 2029 mit einer Mächtigen Armee bereit zu stehen, die gemäß der Leitlinie deutscher Geopolitik „internationale Verantwortung übernehmen“ kann.

