Am 6. und am 9. August 1945 warfen die USA Atombomben auf die Städte Hiroshima und Nagasaki. Die Bomben töteten 100.000 Menschen sofort. 130.000 Menschen starben an den Folgeschäden bis Ende des Jahres. 80 Jahre später sind die Spannungen zwischen Atommächten wieder an einem Höhepunkt angekommen. – Ein Kommentar von Pedro Neruda.
Die Spannungen und Konkurrenzkämpfe zwischen den Atommächten der Welt, – den USA, Russland, China, Frankreich, Großbritannien, Indien, Pakistan, Israel, Nordkorea sowie anderen, die zwar selbst offiziell keine Atomwaffen besitzen, aber diese etwa im Rahmen der NATO einsetzen würden, wie unter anderem Deutschland, – nehmen stetig zu und damit auch die Gefahr eines Atomkrieges. Anders als während des „Kalten Krieges“, sorgt die Abschreckung durch Atomwaffen immer weniger dafür, Eskalation oder direkte Konfrontationen zwischen Atommächten zu verhindern.
Ukraine als Wendepunkt
Gerade der Ukrainekrieg ist ein Schlüsselmoment für das erneute Entfachen eines atomaren Wettrüstens und einer stärkeren Eskalation. Putin drohte seit dem Ausbruch des Krieges mehrfach mit dem Einsatz von Atomwaffen, etwa bei einer größeren Involvierung der NATO in den Krieg und hat entsprechend die russische Atomdoktrin verschärft. Ein ukrainischer Angriff mit westlichen Waffen könnte eine atomare Antwort auf eben diese zur Folge haben.
Zudem wurden Verträge, wie der INF-Vertrag oder der ABM-Vertrag, die die Eskalation von atomarem Wettrüsten bzw. dessen Träger- oder Abwehrsysteme verhindern sollten, gekündigt. Einem atomaren Wettrüsten steht also auch offiziell seit Längerem nichts im Weg.
Auch im Laufe der Kampfhandlungen in der Ukraine, soll Russland den Einsatz von zumindest taktischen Atomwaffen in Erwägung gezogen haben, etwa Ende 2022 bei einer ukrainischen Offensive, die drohte, die Verbindung zur Krim zu unterbrechen, berichtete die New York Times. Auch in Deutschland werden die Stimmen, die einen europäischen Atomschirm fordern, immer lauter. Man will sich nicht auf die USA verlassen müssen, denn deren Kräfte sind immer mehr im Rest der Welt gebunden, um die eigene Hegemonie aufrecht zu erhalten.
Zeitenwende und Kriegstüchtigkeit: Als nächstes Atomwaffen für die BRD?
Seien es die beiden Atommächte Pakistan und Indien, die Anfang Mai drohten einen Krieg mit möglicherweise atomarem Ausgang auszufechten, oder die aufsteigende Atommacht China: überall drohen die Krisenherde überzukochen, so auch in Westasien.
Der 12-Tage-Krieg
Bilder von iranischen Raketen, die auf Israel niederprasseln, und Videos von Explosionen in Teheran fluteten das Internet im Juni. Nach gescheiterten Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran über deren Atomprogramm, bombardiert Israel den Iran – offiziell wegen der bevorstehenden Fertigung von Atomwaffen. Diese unterstellt Israel dem Iran bereits seit gut 30 Jahren.
Obwohl nach wie vor keine gesicherte Erkenntnis darüber besteht, wie nah der Iran an einer Atombombe ist, nehmen auch die USA das Programm des Irans ernst genug, um iranische Atomanlagen zu bombardieren. Das Ausmaß der Zerstörung bleibt jedoch zweifelhaft und der Verbleib des bereits angereicherten Urans unbekannt. Expert:innen sprechen höchstens von einer möglichen Verzögerung des Atomprogramms und dem eventuellen Bau von Atomwaffen.
Was hier zu Tage tritt, ist der andauernde Kampf um die Vorherrschaft in Westasien und den strategischen Vorsprung, den Israel mit seinen Atomwaffen gegenüber seines größten Konkurrentens der Region, dem Iran, hat. Die Frage ist jedoch, wie lang und mit welchen Mitteln die beiden Staaten kämpfen werden.
Kriegseinstieg der USA – was wir wissen und wie es weitergehen könnte
Ein wackeliges Tabu
Es lässt sich also der Schluss ziehen, dass der Einsatz von Atomwaffen zwar immer noch ein Tabu darstellt, doch eins, dass unter den immer heftigeren Spannungen zwischen Atommächten zu brechen droht. Der Moment, an dem einer der zahlreichen Kriegsherde im Kampf um die Neuverteilung von Absatzmärkten, Rohstoffen und Macht überschwappen könnte, rückt näher.
Wollen wir also ein um einige Megatonnen schlimmeres Hiroshima und Nagasaki verhindern, liegt es an uns die Politiker:innen und Militärs zu stoppen, die für die Interessen von Banken und Konzernen mit unserem Schicksal pokern. Es waren Massen an Arbeiter:innen, die gegen Mittelstreckenraketen und nukleare Aufrüstung kämpften und für ein Ende des Wettrüstens im 20. Jahrhundert einstanden. Daran sollten wir heute anknüpfen!
Dieser Text ist in der Print-Ausgabe Nr. 101 vom August 2025 unserer Zeitung erschienen. In Gänze ist die Ausgabe hier zu finden.

