Seit neun Monaten demonstrieren Hunderttausende auf den Straßen gegen die Vučić-Regierung in Serbien. Dabei wurden sie vermehrt durch Vučić-Anhänger:innen angegriffen – zum Teil kommt es jetzt auch zu militanteren Aktionen seitens der Demonstrierenden.
Der Einsturz der Bahnhofshalle in Novi Sad im November 2024 löste Massenproteste gegen eine korrupte Politik aus, die Demonstrierende für den Einsturz verantwortlich machten. Was als kleiner Protest anfing, entwickelte sich rasant zu einem Massenprotest, auch ein Generalstreik und vorerst friedliche Blockaden wurden durchgeführt.
Diese Proteste halten bis heute an, jedoch hat sich ihr Charakter geändert. Es geht nicht mehr allein um Gerechtigkeit oder die Bekämpfung von Korruption. Proteste mit der Forderung zum Sturz der Regierung hielten über Monate hinweg an und wurden mit Polizeigewalt beantwortet. Im März wurde der Rücktritt der Regierung zuletzt bestätigt, woraufhin von der Nationalversammlung eine neue gewählt wurde.
Serbien: Rücktritt der Regierung bestätigt, Proteste gehen weiter
Neue Regierung – altes System – neue Antworten
Doch auch diese Regierung, die zum großen Teil aus alten Mitgliedern besteht, brachte keine systematischen Veränderungen für die Demonstrierenden mit sich. Vermehrt kam es auch zu Angriffen durch maskierte Anhänger:innen der ehemaligen Regierungspartei Vučićs auf Demonstrierende. Diese konnten die Angriffe meist ungestört in Präsenz der Polizei durchführen.
Nach monatelangen friedlichen Protesten, die keine bedeutenden Veränderungen herbeiführten, hat sich die Lage dadurch weiter zugespitzt. Erstmals intensivierten sich auch die Gegenschläge der Demonstrierenden. Statt Markierungen mit Eiern oder Farben, wurde nun das Büro der regierenden „Serbischen Fortschrittspartei“ (SNS) von vier Demonstranten in Brand gesetzt. Neben anderen Angriffen wurden in den Protestaktionen auch weitere Gebäude der Stadtverwaltung und Staatsanwaltschaft beschädigt.
Inzwischen finden Proteste nächtlich statt und werden mit stärkeren Repressionen durch Polizei und Vučić-Anhänger:innen angegriffen, diese aber auch mit stärkeren Gegenschlägen entgegnet. Mit der Zuspitzung formiert sich gleichzeitig aber auch ein neuer Protest, der nicht einfach die Opposition und die Forderung nach kleinen Verbesserungen und gegen Korruption unterstützt, sondern diese ablehnt und grundlegend das gesamte System angreift.
Serbiens Studierende: „Wir wollen keine Marionetten des Westens oder Ostens“

