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Arbeitsunfall nahe Halle: Lösungsmittel tritt aus – ein Toter, vier Verletzte

Bei einem Arbeitsunfall nahe Halle (Saale) ist ein Mann gestorben. Ein Lösungsmittel war aus bisher noch unbekanntem Grund ausgetreten. Vier weitere Personen wurden beim Versuch ihn zu retten verletzt. Es ist kein Einzelfall.

Die Firma Romonta im Landkreis Mansfeld-Südharz ist ein weltweit führender Hersteller für Montanwachs. Montanwachs wird unter anderem als Gleit- und Trennmittel oder auch als Putzmittel verwendet.

Am Mittwochmorgen nun trat während der Arbeitszeit  auf dem Firmengelände der Kohlenwasserstoff Tuluol aus. Dieser Stoff wird als Lösemittel verwendet und ist beim Verschlucken oder Einatmen hoch toxisch.

Ein Arbeiter wurde bewusstlos und verstarb anschließend. Bei dem Versuch, ihn zu retten, wurden zwei weitere Kollegen verletzt und mussten im Krankenhaus behandelt werden. Ebenfalls wurden zwei Sanitäter bei der Rettung verletzt. Die Feuerwehr musste anschließend mit Schutz-Equipment aushelfen.

Wie genau es dazu kam, dass das gefährliche Mittel austrat, ist noch Gegenstand polizeilicher Ermittlungen. Hier wurde laut Polizei das Landesamt für Verbraucherschutz hinzugezogen. Die Firma Romonta ist einem Firmensprecher zufolge im Austausch mit den zuständigen Behörden.

Kein Einzelfall

In Deutschland ist zwar die Zahl der tödlichen Arbeitsunfälle im letzten Jahr leicht zurück gegangen, liegt allerdings mit 345 Todesfällen pro Jahr weiterhin auf hohem Niveau. Damit starb durchschnittlich fast jeden Tag ein:e Arbeiter:in während der Ausführung ihrer Lohnarbeit. Zu den gefährlichsten Branchen gehören die Verkehrswirtschaft und besonders die Baubranche.

Dieser Fall in Halle (Saale) ist also kein Einzelfall. Die meisten Arbeitsunfälle entstehen durch fehlende Schutzmaßnahmen, schlechte Arbeitsbedingungen, erhöhten Druck und eine konstant hohe Belastung.

Oftmals können Arbeiter:innen aufgrund von Zeitdruck, der durch die Chef:innen nicht selten erhöht wird, die notwendigen Arbeitsschutzmaßnahmen nicht einhalten oder werden zu langen Überstunden gezwungen, wodurch auch die Konzentration stetig abnimmt. Wenn dann tödliche Arbeitsunfälle entstehen, ist das eigentlich als „Arbeitsmord” einzustufen.

In Kauf genommen: Tödlicher Arbeitsunfall in Horb

Ein weiteres Beispiel ist der Arbeitsmord in Horb Mitte Mai. Dort sind bei einem Unfall drei Arbeiter gestorben. Sie befanden in einer Transportgondel, die an einem Stahlseil befestigt war. Das Stahlseil verfing sich in quer gespannten Drahtseilen und riss. Die drei Arbeiter – zwei Polen und ein Deutscher – stürzten in die Tiefe und starben.

Im Nachgang gaben sich Politiker:innen und Bauherr:innen empört und sprachen von einem „Unglück“. Allerdings wurden im Kolleg:innenkreis Stimmen laut, die diesen Unfall mit den schlechten Arbeitsbedingungen und fehlenden Schutzmaßnahmen auf Baustellen in Verbindung brachten.

Auch die Tesla-Fabrik in Grünheide zeigt, das Arbeitsunfälle in deutschen Fabriken zum Alltag gehören. Dort sorgen die besonders schlechten Arbeitsbedingungen für eine alarmierend hohe Zahl an Arbeitsunfällen – fast ein Unglück pro Tag.

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