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Aufstände in Nepal weiten sich aus – Minister zurückgetreten, brennende Regierungsgebäude

Tausende Protestierende, mehrere Tote und brennende Regierungsgebäude: In Nepal und Indonesien wehrt sich die Bevölkerung gegen ihre korrupten Regierungen. Angeführt werden die Aufstände dabei von der nepalesischen und indonesischen Jugend.

„Wir Bürger sind zu der Entscheidung gekommen, dass wir entweder sterben oder den Kampf aufnehmen“, so eine protestierende Software-Ingenieurin in Sri Lanka gegenüber dem US-Wirtschaftsportal Bloomberg im Sommer 2022, bevor Protestierende die Regierungsgebäude stürmten und das Haus des Premiers anzündeten.

Im Sommer 2025 geht es weiter: die Straßen Bangladeschs füllen sich mit tausenden Menschen, die gegen das Quoten-System protestieren und Premierministerin Hasina zum Rücktritt zwingen. Seit Ende August gibt es zudem massive Proteste gegen die Gehaltserhöhungen von Parlamentsabgeordneten in Indonesien. Nun haben sich die Proteste auf Nepal ausgeweitet.

Indonesien: Massive Proteste nach Gehaltserhöhung für Parlamentsabgeordnete

 

Am Montag sind Demonstrierende in den parlamentarischen Komplex in der Hauptstadt Kathmandu vorgedrungen, haben Barrikaden durchbrochen und die Zentrale der Nepalesischen Kongresspartei und das Haus des ehemaligen Premierministers Sher Bahadur Deuba in Brand gesteckt. Auch die Häuser mehrerer anderer Politiker:innen wurden ins Visier der Antikorruptionsproteste genommen.

Social-Media-Bann: Jugend antwortet mit Widerstand

Die nepalesische Regierung versucht derweil die Proteste auf den Widerstand gegen ein neues Gesetz, dass die Verwendung von 26 Sozialen Medien erschwert, zu beschränken. Der Social-Media-Bann soll laut Regierung die Verbreitung von Falschinformationen und Hassreden begrenzen. Protestierende werfen der Regierung vor, das Verbot vor allem zur politischen Zensur zu nutzen.

Ihnen geht es aber um weitaus mehr. Immer wieder sind Schilder mit Aufschriften wie „Beendet die Korruption, nicht die Sozialen Medien“, „Genug ist genug“ oder „Jugend gegen Korruption“ zu sehen. Insbesondere die Perspektivlosigkeit junger Menschen und die Chancenungleichheit trieb tausende von ihnen auf die Straßen. Die Proteste werden dabei besonders von jungen Menschen in Schul- und Universitätsuniformen angeführt.

Die Staatsgewalt reagiert mit ähnlicher Gewalt wie in Indonesien auf die Aufstände. Mindestens 22 Menschen sind der Polizei bereits zu Opfer gefallen und dutzende weitere verletzt. Ein Protestierender berichtete gegenüber Asian News International (ANI), dass die Polizei bei den Demonstrationen wahllos in die Menge geschossen hätte. Außerdem wurden Ausgangssperren um Regierungsgebäude verhängt und Soldat:innenpatrouillen in Straßen installiert.

Auch Anurag Acharya, Direktor des in Kathmandu basierten Think Tanks Policy Entrepreneurs Inc., zeigt sich schockiert. „Sie [die Polizei] behandelte unbewaffnete Schüler und Studenten wie einen kriminellen Mob und befahl der Polizei, wahllos auf sie zu schießen.“

„Die Realität für die heutige Generation Z ist, dass es im Inland kaum Lebensperspektiven gibt, was tausende dazu zwingt, für Studium und Arbeit ins Ausland zu gehen. Die Frustration über instabile Regierungen und grassierende Korruption hat einen Wendepunkt erreicht“, so Acharya gegenüber Al Jazeera zu den Motivationen hinter den Protesten.

Politiker fliehen: Aufstände zeigen Erfolg

Trotz der vehementen Versuche seitens der Regierung die Proteste mit Gewalt zu zerschlagen, haben sie bereits an ihrem zweiten Tag den Rücktritt des Innenministers Ramesh Lekhak und des Premierministers Sharma Oli erkämpfen können. Auch der Bann von Sozialen Medien wurde zurückgenommen.

Während offizielle Gebäude der Regierung niedergebrannt sind, sind Teile dieser bereits ins Ausland geflohen. Noch zuvor haben Protestierende Büros der Regierungspartei und das Parlament teils bewaffnet gestürmt. Darüber hinaus soll ein Video zeigen, wie Finanzminister Bishnu Prasad Paudel von Protestierenden entkleidet und in einen Fluss geworfen wird. Gleichzeitig steigt auch die Präsenz des Militärs auf den Straßen.

Wie sich die Lage weiterentwickelt, welche Kräfte nun die Regierung übernehmen werden und ob sie wirklich die Perspektiven bieten können, für die die Jugend auf der Straße kämpft, wird sich noch herausstellen müssen. So oder so zeigt die Jugend in Nepal und Indonesien, dass Veränderung auch in den schwersten Zeiten möglich sein kann und es sich immer lohnt, für unsere Interessen einzustehen.

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