Generalinspekteur Carsten Breuer betont die zentrale Bedeutung von Kampfdrohnen für die deutsche Kriegsfähigkeit. Ab Ende des Jahres sollen auch KI-gesteuerte Kamikazedrohnen der Bundeswehr im Einsatz sein. Start-ups wie Helsing und Donaustahl sehen darin eine Chance.
Generalinspekteur Carsten Breuer betonte unlängst, wie zentral die Entwicklung von Kriegsdrohnen für die deutsche Verteidigungsfähigkeit sei. Grund dafür ist laut Breuer die erneute Verletzung des NATO-Luftraums durch Russland, was zu einer weiteren Aufrüstungskampagne der NATO führte.
Drohnen als Kriegswaffen sind dabei bereits allgegenwärtig. Neu ist lediglich, dass nun auch derlei Kriegsgerät – mit einer mit KI ausgestatteten Zielerfassung – ebenfalls von der BRD verwendet werden soll. Kampfdrohnen sind allerdings schon seit Jahren Teil der Ausstattung der Bundeswehr. 2021 forderte der Befehlshaber bei Auslandseinsätzen, Erich Pfeffer, die Anschaffung von bewaffneten Drohnen. 2022 wurden unter andern 150 Kampfdrohnen der Marke Heron angeschafft.
„Eines ist für mich klar: Am Ende wird es vermutlich darauf hinauslaufen müssen, dass wir Drohnen gegen Drohnen einsetzen“, so Carsten Breuer, Deutschlands ranghöchster Soldat, zur Nachrichtenagentur dpa. Der Einsatz von Kamikazedrohnen, auch bekannt als „Loitering Munition“, stünde daher eindeutig fest.
Erneut russische Drohnen über Polen, NATO rüstet Luftraum auf
Kamikazedrohnen und Loiterung Munition
Bei Loitering Munition handelt es sich um Drohnen, welche zunächst über einem Zielgebiet kreisen und später dann mithilfe eines festgelegten Datensatzes und künstlicher Intelligenz ein Ziel auswählen. Mithilfe von Gefechtsköpfen kann dieses dann selbstständig attackiert werden. „Zur Loitering Munition haben wir im März eine Entscheidung getroffen, und Ende des Jahres wird die Truppe das erste Mal scharf damit schießen“, erklärte Breuer.
Diese Art der Kriegsführung wird zur Zeit vor allem von Israel genutzt, um den Genozid in Gaza zu automatisieren. Für die NATO stellt sie einen weiteren Schritt in der Aufrüstungskampagne dar und ist zeitgleich ein Schritt in Richtung Kriegstüchtigkeit der BRD. Laut Breuer dürfen jedoch ebenfalls „andere Gefahren nicht vernachlässigt werden“.
Rüstungs-Start-ups wollen profitieren
Ein „Fehler“ wäre es laut Breuer jedoch, den Blick des deutschen Verteidigungsministeriums nur auf die Entwicklung von einsatzfähigen Drohnen zu lenken. Er erläutert, dass es genug andere Bedrohungen gäbe, welche eine akute Gefahr darstellen. So ist die Rede von „Marschflugkörpern, Raketen und Luftfahrzeugen“ die „eine Bedrohung darstellen“.
Die Münchner Rüstungsfirma Helsing, die KI-gesteuerte, preiswerte und massenproduzierbare Kampfdrohnen entwickelt, herstellt und in der Ukraine nutzt, brachte den Vorschlag für einen Drohnenwall an der NATO-Ostflanke ein. Dafür wären wohl mindestens 100.000 Drohnen notwendig.
Stefan Thumann, der Chef des niederbayerischen Start-ups Donaustahl, das die Loitering Munition „Maus“ produziert; fordert, dass ein solcher Drohnenwall möglichst schnell aufgebaut werden sollte. Josef Kranwetvogel von Stark Defence erklärte: „Ich denke, dass Drohnen eine kostengünstige Möglichkeit sind, die Bedrohung aus dem Osten abzuschrecken. Außerdem sind sie schneller als ein Panzer.“
Unruhe unter NATO-Bündnispartnern
Das unerlaubte Eindringen russischer Drohnen und Kampfjets in NATO-Luftraum sorgte in den vergangenen zwei Wochen für Aufsehen. So drangen beispielsweise russische Drohnen in den polnischen Luftraum ein. Zudem klagte Estland am vergangenen Freitag über drei russische Kampfjets im Luftraum des baltischen NATO-Landes. Diese hielten sich insgesamt 12 Minuten im estnischen Luftraum auf.
Das polnische Militär schoss mindestens drei der Drohnen ab, da sie als besonders gefährlich eingestuft wurden. Neben den F-16 Kampfjets aus Polen beteiligten sich auch niederländische F-35 Jets, sowie deutsche und italienische Soldat:innen. „Er (Putin) hat uns als Allianz mit dieser Luftraumverletzung getestet“, so Breuer. Besagter „Test“ sei laut Breuer mit „Geschlossenheit und der schnellen Reaktion“ erfolgreich bestanden worden.

