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Chiquita kehrt nach Panama zurück – mit alten und neuen Skandalen im Gepäck

Nach wochenlangen Streiks im Frühjahr und der Schließung von Plantagen durch Chiquita will das Bananenmonopol nach Panama zurückkehren. Geostrategische Interessen der USA und eine Verurteilung wegen Unterstützung paramilitärischer Gruppen trüben das Bild.

Es ist der 28. April 2025, und in Panama beginnt eine monatelange Protestbewegung. Auslöser ist eine Rentenreform, die der Privatisierung der größten Rentenversicherung des Landes die Türen öffnete und das Rentenalter anheben sollte.

Die Proteste mündeten in einem wochenlangen Streik, Straßenblockaden und massiver Polizeigewalt. Dabei wurden führende Gewerkschafter:innen festgenommen und in der Provinz Bocas del Toro wurde der Ausnahmezustand ausgerufen. Auch das Militär wurde eingesetzt, um die Streiks zu brechen. Zu diesem Zeitpunkt ging es aber längst nicht mehr nur um die Rentenreform.

Ebenfalls im Fokus stand ein Sicherheitsabkommen zwischen den USA und der rechten Regierung in Panama. Dabei geht es vor allem um die Kontrolle des Panama-Kanals, über den etwa 5 bis 6 Prozent des weltweiten Schiffshandels laufen. Das Abkommen erlaubt den USA, amerikanische Soldat:innen für Ausbildung, Übungen und „andere Aktivitäten“ auf von Panama kontrollierten Einrichtungen zu stationieren.

Der Panama-Kanal wurde vor dem Ersten Weltkrieg von den USA gebaut und ist seit 1999 der Panamakanal-Behörde – einer eigenständigen, vom panamaischen Staat unabhängigen Anstalt öffentlichen Rechts – unterstellt.

Panama: Ausnahmezustand gegen Chiquita-Streik

Die Arbeitskämpfe richteten sich aber vor allem gegen die schlechten Arbeitsbedingungen beim Bananenmonopol Chiquita. Das Unternehmen antwortete auf Millionen schwere Profitverluste mit der Schließung von Plantagen und der Entlassung von mehr als 6.000 der 7.500 Arbeiter:innen. Trotz der Streiks blieben Bananen das wichtigste Exportgut für Panama und machen etwa 12 Prozent der Exporte aus.

Die Rückkehr des Bananenmonopols

Durch den Druck der Massen gab die Regierung in Panama teilweise nach und hat die Rentenreform zurückgenommen. Zudem kündigte sie an, mit dem Bananenmonopol in Verhandlungen zu treten, um die Wiederaufnahme des Betriebs der zuvor geschlossenen Plantagen vorzubereiten.

Jetzt kündigte Chiquita an, 5.000 der zuvor etwa 6.000 gestrichenen Stellen stückweise wieder einzurichten: Zunächst sollen 3.000 Arbeiter:innen bis Ende 2025 für Rodung und landwirtschaftliche Wiederherstellung eingestellt werden. Weitere 2.000 sollen dann im kommenden Jahr folgen und für die Ernte und Verpackung verantwortlich sein.

Nach eigenen Angaben will der Konzern außerdem die Arbeits- und Lebensmittelsicherheitsbestimmungen auf das Niveau internationaler Standards heben. Ebenso kündigte das Unternehmen an, die Nachhaltigkeit der Produktion steigern zu wollen. Daneben sollen Förderprogramme für menschenwürdige Beschäftigung und die Entwicklung lokaler Gemeinschaften sorgen.

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Diesen Reformprozess soll eine gemeinsame Kommission aus Regierung und Unternehmen überwachen. Die Arbeiter:innen dürfen daran aber keinen Anteil haben.

Fragliche Versprechen des US-Konzerns

Wie viel von den warmen Worten und Versprechen des Konzerns und der Regierung eingehalten werden, ist fraglich. So beinhaltet das Abkommen jetzt schon den Abbau von 1.000 Arbeitsplätzen. Auch durch die geplante Modernisierung der Produktion, kann es zu weiterem Stellenabbau kommen. Die Arbeitsplätze werden wegrationalisiert, denn durch effizientere Produktionsabläufe werden Stellen oft überflüssig.

Aber auch die geplanten Förderprogramme sind keinesfalls in Stein gemeißelt. So hat Chiquita nur wenig Interesse daran, Geld für etwas auszugeben, was am Ende keinen Profit bringt. Ebenso wenig ist die Regierung von Präsident José Raúl Mulino dafür bekannt, sich für die Interessen der Arbeiter:innen Panamas einzusetzen. Trotzdem bilden beide die einzige Kontrollinstanz über den Prozess.

Auch die verstärkte geopolitische Einflussnahme der USA gibt dem amerikanischen Konzern Rückhalt. Im nahegelegenen Venezuela hat das US-Militär kürzlich begonnen, eine Drohkulisse vor der Küste aufzubauen, indem es mehrere Kriegsschiffe in das Karibische Meer verlegte. US-Präsident Trump rechtfertigt den Einsatz mit einem vorgeblichen Kampf gegen Drogenhandel.

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Das dreckige Geschäft von Chiquita

Neben dem sogenannten Bananenmassaker von 1928 in Kolumbien und dem Staatsstreich von 1954 in Guatemala, gibt es auch aktuellere Skandale um den US-Konzern. Im Juli hat ein Gericht in Kolumbien ehemalige Führungskräfte des Konzern wegen finanzieller Unterstützung paramilitärischer Gruppen zu langen Haftstrafen verurteilt. Sie hatten über 100 Zahlungen an die faschistische Organisation Autodefensas Unidas de Colombia (AUC, dt. Vereinigte Bürgerwehren Kolumbiens) veranlasst.

Von 1997 bis 2006 operierten die AUC in Kolumbien. Die Gruppe war für zahlreiche Massaker, Attentate und andere Menschenrechtsverletzungen verantwortlich, während sie gegen linke Guerillagruppen wie die FARC und ELN kämpfte. Chiquita argumentierte, dass das Unternehmen von den AUC erpresst worden sein soll und dass die Zahlungen notwendig gewesen seien, um die Mitarbeiter:innen vor bewaffneten Marxisten zu schützen.

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