Das Kölner Motorenbau-Unternehmen Deutz übernimmt den Drohnen-Antriebsspezialisten Sobek aus Baden- Württemberg. Deutz will damit von den steigenden NATO-Militärausgaben Profit erzielen und tiefer in den stark wachsenden Rüstungsmarkt einsteigen.
Der Kölner Motorenbauer Deutz wird den Antriebsspezialisten Sobek aus Baden-Württemberg kaufen. Der Transaktion-Vollzug werde kurzfristig erwartet, teilte der Konzern in Köln mit. Der Deutz-Chef Sebastian Schulte betonte dabei, dass das – im Vergleich zur über 150 Jahre alten Deutz AG – junge Unternehmen kein Start-Up mehr sei, sondern eben sehr profitabel. Sobek käme auf einen niedrigen bis mittleren zweistelligen Millionen-Euro-Umsatz. Der genaue Kaufpreis wird nicht bekannt gegeben, es lässt sich aber auf einen niedrigen dreistelligen Millionen-Euro-Betrag schließen.
Schulte erklärt: „Durch Sobek bekommen wir direkten Zugang zum stark wachsenden Verteidigungsmarkt und schaffen die Grundlage, diesen auch über den Einsatz klassischer Antriebe hinaus strategisch zu erschließen.“ Der Rüstungsgeschäftsausbau gehört scheinbar zur Unternehmensstrategie von Deutz, um mehr Unabhängigkeit vom zyklischen Geschäft mit Verbrennungsmotoren zu erlangen.
Das Geschäft mit den Drohnen
Das Unternehmen Sobek spezialisiert sich auf die Herstellung von Elektroantrieben und Steuerungselektronik, die vorwiegend in Drohnen genutzt werden, aber auch im Motorsport wie z.B. bei Formel-1-Fahrzeugen. Auch in Luft- und Raumfahrt sowie Medizintechnik ist Sobek tätig. Die Sobek-Technik lässt sich dabei unter anderem in den Drohnen der ukrainischen Armee finden. Bei den Militärausgaben der Nato-Staaten werden Drohnen eine immer wichtigere Rolle spielen. Zur zukünftig weiter steigenden Relevanz von Drohnen im Kriegseinsatz meint Deutz-Manager Schulte: »Verteidigung verändert sich durch neue Technologien und eine veränderte Kriegsführung rasant, die Nachfrage nach militärischen Drohnen wird weiter zunehmen«.
Große Schritte Richtung Krieg – zu Land, zu Wasser und in der Luft
Zurzeit stellt Deutz hauptsächlich Verbrennungsmotoren her, zum Beispiel für Kräne, Hebebühnen und Landmaschinen. Dabei ist das Unternehmen schon heute im Rüstungsgeschäft aktiv. Deutz liefert zum einen den Verbrennungsmotor für einen polnischen Truppentransporter sowie Hilfsmotoren für Kampfpanzer. Außerdem ist das Unternehmen dafür zuständig neue Motoren in alte Panzer einzubauen, um damit diese länger einsetzbar zu machen. Jedoch war das Rüstungsgeschäft für Deutz bisher eher eine kleinere Nische mit einem zweistelligen Millionen-Euro-Jahresumsatz. Zum Vergleich: 2024 kam das Motorenunternehmen Deutz mit ihren 5200 Beschäftigten auf einen Umsatz von rund 1,8 Milliarden Euro.
Neben den Drohnen für Militär plant Deutz mit Sobek auch Technik-Geschäfte für zivil genutzte unbemannte Flugobjekte. In Betracht kommen für die Firma die Bereiche Infrastrukturüberwachung und Logistik.
Blockade durch das Rheinmetall-Entwaffnen-Bündnis
Als Reaktion auf die Mitmischung des Unternehmens in der Rüstungsproduktion blockierten letzten Freitag unterschiedliche Aktivist:innen das Logistikzentrum der Deutz AG in Köln-Kalk. Ca. 140 Menschen versperrten dabei im Rahmen des Rheinmetall Entwaffnen-Protestcamps die Zugänge. Auf Social Media machten die Aktivist:innen klar: „Kein Motor kann das Gelände verlassen!“. Auch vor Ort: die Polizei mit zahlreichen Einsatzkräften, um zu versuchen die Blockade so schnell wie möglich aufzulösen.
„Krieg dem Krieg“ – Erfolgreiche Aktionswoche beim Rheinmetall Entwaffnen Camp in Köln
Auch die sozialistische Betriebsorganisation Betriebskampf stellte sich im Rahmen des Rheinmetall Entwaffnen-Camps vor den Werktoren des Deutz-Werkes in Köln-Porz. Dabei begrüßten sie die Werk-Arbeiter:innen der Frühschicht mit einem antimilitaristischen Transparent: „Zivile Produktion statt Rüstungsproduktion“.
Darüber hinaus kamen sie mit den Werktätigen über die steigende Produktion von Rüstung ins Gespräch. In ihrer Erklärung schrieben sie unter anderem: „Viele der Beschäftigten waren über unsere Aktion erfreut: Oft sind sie ohnehin schon sauer über die Kriegsgeilheit des Deutz-Chefs.“ In ihrer Erklärung machten sie außerdem über die aktuellen ökonomischen Kämpfe in der Branche aufmerksam. „Gemeinsam als Arbeiter:innen müssen wir kämpfen: Für mehr Lohn und gegen ihre Kriegsproduktion!“, so Betriebskampf.

