Manuela wohnt seit 2007 in einer Wohnung der GAG im Kölner Stadtteil Gremberg. Nun soll sie zwangsgeräumt werden. Die GAG hat ein Interesse daran, Mieter:innen mit alten Verträgen loszuwerden, da bei einer Neuvermietung deutlich mehr Einnahmen winken. Als Manuela von einem Nachbarn bedroht wurde, blieb der Immobilienkonzern jedoch untätig.
Die GAG hat für den 10. Oktober die Räumung aus deiner Wohnung angesetzt. Wie ist es dazu gekommen?
Ich wohne seit 2007 bei der GAG (Anm. d. Red.: Gemeinnützige Aktiengesellschaft für Wohnungsbau) in Gremberg. Nachdem meine Tochter berufstätig wurde, haben wir uns die Miete zu zweit geteilt. Im Juli 2024 ist meine Tochter ausgezogen. Mit meiner damaligen Teilzeit-Stelle konnte ich mir die Miete alleine nicht leisten. Also habe ich Wohngeld beantragt und die GAG darüber informiert. Während ich auf die Bearbeitung meines Antrags warten musste, sind Mietschulden entstanden. Die GAG hat mir dann im September 2024 die fristlose Kündigung geschickt.
Der Mietrückstand wurde wenig später vom Amt beglichen. Trotzdem hielt die GAG an der fristlosen Kündigung fest. Ich habe versucht, die Kündigung über den Rechtsweg abzuwenden, aber vor Gericht wurde zugunsten der GAG entschieden.
Wenn du deinen Mietvertrag 2007 unterschrieben hast, zahlst du vermutlich relativ wenig Miete – für Kölner Verhältnisse. Denkst du, das Vorgehen der GAG hängt damit zusammen?
Ich zahle aktuell 725 Euro Warmmiete für eine Drei-Zimmer-Wohnung. Das kann man heute tatsächlich als günstig bezeichnen. Die GAG könnte deutlich mehr verlangen, wenn ich rausgehe. Für mich ist klar, dass die GAG hier einfach die Gelegenheit nutzt, meinen Mietvertrag zu beenden.
Die GAG legt viel Wert auf ihr Image als „fairer Vermieter“. „Fair verlässlich für uns alle“ steht in großen Buchstaben auf der Startseite ihrer Website. Spätestens seit den massiven Mieterhöhungen 2023 bröckelt dieses Image. In 11.000 Kölner Wohnungen sollte die Miete damals um bis zu 15 Prozent erhöht werden. Warst du davon auch betroffen?
Bei mir war es so, dass die GAG die hohen Energiepreise 2023 als Anlass genutzt hat, um meine Miete über die Nebenkosten massiv zu erhöhen. Ab dem 1. Januar 2024 wurde meine Miete von 625 Euro auf 888 Euro erhöht, also um 263 Euro! Laut einem Anwalt wäre eine Erhöhung von höchstens 46 Euro zulässig gewesen – also meine damalige Nebenkostennachzahlung runtergerechnet auf zwölf Monate.
Bei der Abrechnung der Nebenkosten für 2024 kam dann raus, dass ich rund 1.600 Euro zu viel gezahlt hatte. Das entspricht übrigens ungefähr dem Mietrückstand, der Mitte letzten Jahres entstanden ist – das ist wirklich Wahnsinn. Seit 2025 zahle ich jetzt 725 Euro – also immer noch 100 Euro mehr als ich 2023 gezahlt habe. Ich habe das Gefühl, die GAG kann machen, was sie will.
Immobilienfirma DEGAG ließ Wohnungen verschimmeln – und ist jetzt pleite
Ein Stressfaktor für dich waren in den letzten Jahren ja nicht nur die Probleme mit der GAG, sondern auch Bedrohungen durch einen Nachbarn. Was ist passiert und wie hat sich die GAG in dieser Sache verhalten?
Ab Februar 2023 hat ein regelrechter Psychoterror durch einen Nachbarn in der Wohnung über mir begonnen. Das ging los, nachdem sich ein anderer Nachbar wegen Lärmbelästigung bei ihm beschwert hat. Der Nachbar über mir ist total ausgerastet und hat dem anderen Nachbarn Gewalt angedroht. Als ich ein paar Minuten später mit meinem Nachbarn über die Situation geredet habe, kam der Nachbar von oben und hat ihm mit einem Messerstich gedroht.
Von da an wollte dieser Nachbar auch mich einschüchtern und hat mich und auch meine Tochter mehrfach bedroht. Immer wieder hat er mir aufgelauert, mich bedrängt und ist mir nachgelaufen. Er hat meine Tür bespuckt, mein Briefkasten-Schild zerkratzt und mir Briefe von der Polizei zerrissen auf die Fußmatte gelegt. Einmal, als ich im Garten war, hat er mit Feuerwerkskörpern um sich geschossen. Außerdem hat er die Reifen von meinem Fahrrad zerstochen.
Die GAG war über alles informiert und es gab auch Gespräche. Eine zuständige Sozialarbeiterin sagte mir, die GAG könne nichts machen, das sei „Zivilrecht“. Ich glaube ehrlich gesagt, die GAG hätte alle Mittel in der Hand gehabt, um mich vor diesem Mann zu schützen. Sie hätte von ihrem Hausrecht Gebrauch machen können. Unternommen hat sie aber nichts. Auch meine Anzeigen bei der Polizei blieben wirkungslos.
Ist der Nachbar immer noch eine Gefahr für dich?
Im November 2024 ist die Situation am heftigsten eskaliert, also über eineinhalb Jahre, nachdem die Drohungen losgegangen sind. Auf dem Weg nach Hause wurde ich von dem Mann und einem Freund von ihm so sehr bedrängt, dass ich mich mit Pfefferspray wehren musste. Das wirkte im ersten Moment. Der Nachbar ist mir dann aber hinterher und hat mir immer wieder mit der Faust ins Gesicht geschlagen.
Danach habe ich die Polizei gerufen. Die hat eine einstweilige Anordnung erwirkt, die sechs Monate gültig war. Mein Nachbar bekam ein Kontaktverbot und musste 20 Meter Abstand zu mir halten. Seitdem ist endlich Ruhe, auch wenn die Anordnung mittlerweile ausgelaufen ist.
Ich finde es einfach bitter, dass die Polizei und die GAG vorher nicht konsequent beziehungsweise gar nicht gehandelt haben – weil nur das hat am Ende ja Wirkung gezeigt. Warum die GAG nicht tätig geworden ist, verstehe ich einfach nicht. Vielleicht wollten sie mich da schon loswerden? Ich suche seit der Situation im November jedenfalls eine neue Wohnung.
Und wie läuft die Wohnungssuche?
Der Wohnungsmarkt in Köln ist krass. Ich habe mich innerhalb von nicht mal einem Jahr auf 400 Wohnungen beworben und bin immer noch auf der Suche. Dass die Miete bei mir vom Amt bezahlt wird, ist für viele Vermieter ein Ausschlusskriterium. Es ist also nicht mal so, dass ich an meiner jetzigen Wohnung besonders hänge. Ich finde nur einfach keine Alternative.
Wie blickst du auf die Räumung am 10. Oktober?
Ganz ehrlich: Ich weiß nicht, ob sich die Räumung noch abwenden lässt. Die ganze Situation stresst mich total. Ich möchte aber auf jeden Fall, dass mehr Menschen darüber erfahren, was die GAG hier abzieht.
Seit kurzem bin ich im Solidaritätsnetzwerk Köln aktiv, einer sozialistischen Stadtteilorganisation. Wir versuchen gemeinsam, einen Umgang mit der Situation zu finden und planen Aktionen, die auf diese Ungerechtigkeit aufmerksam machen. Wir schreiben einen offenen Brief an die GAG, organisieren einen Mieter:innen-Spaziergang durch meinen Stadtteil und werden die Räumung nicht einfach so hinnehmen.
Als ich Schutz vor meinem übergriffigen Nachbar gebraucht habe, hat die GAG weggeschaut, aber als ich mit der Miete im Rückstand war, sollte ich direkt geräumt werden. Das kann eigentlich nicht sein.

