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Einschnitte in der Bildung: Schere der sozialen Ungleichheit geht auseinander

Der „Bildung auf einen Blick Bericht 2025“ der OECD zeigt: Während der Anteil der Hochschulabschlüsse steigt, bleibt Deutschland in der Finanzierung und sozialen Gerechtigkeit in der Bildung weiter hinten. Besonders Migrant:innen sind betroffen.

Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) veröffentlichte vor Kurzem den jährlichen „Bildung auf einen Blick 2025” Bericht für Deutschland. Der Bericht enthält unterschiedliche Daten über die Entwicklung des deutschen Bildungssystems, der Finanzierung, den demografischen Daten bis zur Leistung der Institutionen. Der Bericht für 2024 zeigt jedoch: Die Schere der sozialen Ungleichheit geht auseinander.

Deutschland: Wer kann sich Schule leisten?

Während in der Altersgruppe der 25-34-Jährigen inzwischen 40 Prozent einen Hochschulabschluss haben, sieben Prozentpunkte mehr als 2019, stieg auch der Anteil jener, die keine Fachhochschulreife oder Berufsausbildung haben, von 13 auf 15 Prozent. Die Ungleichheit wächst und trotzdem bleibt Deutschland mit dem Anteil der Hochschulabschlüsse 8 Prozentpunkte unter dem Durchschnitt der OECD-Mitglieder und auf einem der letzten Plätze im Anteil derer mit Fachhochschulreife oder Berufsausbildung.

Herkunft bleibt ausschlaggebend für den Bildungsstand

Besonders ausschlaggebend dafür, wer Zugang zu höherer Bildung erhält, bleibt weiterhin die Herkunft. Kinder, deren Eltern weder eine Fachhochschulreife noch eine Berufsausbildung haben, erreichen selbst seltener einen Tertiärabschluss, also eine höhere Bildung. Mit der anhaltenden Wirtschaftskrise werden auch Schulmaterialien, sowie Fahrkarten und Semestergebühren immer teurer. Bildung wird damit schwerer zugänglich.

Der aggressivere Kurs gegen Migrant:innen, aber für gezielte Migration „qualifizierter“ Arbeitskräfte, spiegelt sich auch in der Bildung wider. Während der Anteil ausländischer Student:innen weiterhin wächst, werden Kinder mit Migrationshintergrund hingegen in ihrer Bildung benachteiligt.

Wenig Geld für Bildung, mehr für Rüstung

Nennenswert ist auch, dass der BIP-Anteil, der in Deutschland für Bildung ausgegeben wird, mit 4,4 Prozent des BIP 0,3 Prozent unter dem OECD-Durchschnitt liegt, sogar einen ganzen Prozentpunkt im Vergleich zu Ländern wie Frankreich oder Australien. Parallel dazu steigt der BIP-Anteil für Rüstungsausgaben immer weiter – seit Juni ist das Fünf-Prozent-Ziel Beschluss innerhalb der NATO.

Kein Geld für Schulen – Leistungsdruck für Schüler:innen

Am Dienstag hat eine Bundespressekonferenz zu jenem Bericht stattgefunden, in dem vor allem Deutschlands Stärke in den MINT-Fächern in den Fokus gestellt wurde.

So sagte Bundesforschungsministerin Dorothee Bär (CSU): „Es ist wichtig und ermutigend, dass die OECD-Studie zeigt: Deutschland ist ein hochqualifiziertes MINT-Land. In keinem anderen Land der Welt macht ein höherer Anteil der Absolventinnen und Absolventen im Tertiärbereich einen Abschluss in Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik. Deutschland ist also MINT-Weltmeister! Das ist der große Standortvorteil Deutschlands.”

MINT-Fächer sind besonders wichtig in der Entwicklung neuer Technologien und Maschinen, die notwendig sind, um sich im imperialistischen Konkurrenzkampf wirtschaftlich und militärisch einen Vorteil zu verschaffen. Beim Lehrkräftemangel sollen laut der Konferenz die Länder demnach vor allem MINT-Fächer fördern.

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