Am 25. September verstarb die Revolutionärin Assata Shakur im Exil auf Kuba. Shakur kämpfte ihr Leben lang gegen rassistische Unterdrückung von Schwarzen in den USA und patriarchale Gewalt gegen Schwarze Frauen.
Assata Shakur – mit Mädchennamen Joanne Deborah Byron – stand für die kompromisslose, antirassistische und antikapitalistische Linie der militanten Schwarzen Bewegung in den 1960er und 1970er Jahren. Sie verband den Kampf gegen die Unterdrückung Schwarzer Menschen in den USA mit einer klaren anti-imperialistischen Haltung, beispielsweise gegen den US-amerikanischen Krieg in Vietnam. „Der Sieg eines unterdrückten Volkes irgendwo auf der Welt ist ein Sieg für die Schwarzen in Amerika“, brachte Shakur diesen Internationalismus einmal auf den Punkt.
In den späten 1960ern schloss sie sich zuerst den Black Panthers an, die für Selbstverteidigung, Community-Programme und politische Bildung eintraten. Später wechselte sie in die Black Liberation Army (BLA), die vor allem direkte Aktionen gegen Polizei und Staat durchführte.
Nachdem sie so ins Fadenkreuz des amerikanischen Repressionsprogramms COINTELPRO gerückt war, wurde Assata Shakur selbst als revolutionäre Persönlichkeit mehr und mehr zur Verkörperung des Kampfs gegen Rassismus und Unterdrückung: Das FBI wollte die Black Panthers spalten, radikale Frauen wie sie delegitimieren und die BLA komplett zerschlagen. Shakur wurde mit Dutzenden Prozessen überzogen – oft ohne konkrete Beweise – und durch mediale Hetze als „gefährlichste Schwarze Frau Amerikas“ und Kriminelle dargestellt.
Verfolgung, Gefangenschaft und Exil
Nachdem sie 1973 mit zwei weiteren Genossen der BLA bei einer Polizeikontrolle in einen Schusswechsel verwickelt und selbst mehrmals angeschossen wurde, klagte sie der US-amerikanische Staat wegen der Tötung eines Polizisten an und sperrte sie ein.
Auch in Gefangenschaft widmete sich Shakur dem Kampf gegen die Unterdrückung und wurde zu einer Vertrauensperson für zahlreiche Schwarze Frauen. In mehreren Briefen und Interviews beschrieb sie sowohl ihre eigene Gefangenschaft als auch die Schicksale anderer Gefangener: „Fast niemand sitzt hier wegen Wirtschaftskriminalität wie Betrug oder Unterschlagung“, schrieb sie 1978 und hob damit die US-amerikanische Verfolgung von Armutskriminalität hervor. „Die Hauptvorwürfe gegen Frauen hier sind Prostitution, Taschendiebstahl, Ladendiebstahl, Raub und Drogen.“
1979 – Shakur war zu diesem Zeitpunkt in einem Hochsicherheitsgefängnis untergebracht – wurde sie von Mitgliedern der Black Liberation Army und Kommunst:innen in einer Rettungsaktion befreit. Ab den 1990er Jahren schließlich lebte Shakur im Exil auf Kuba, wo sie als revolutionäre Kämpferin gegen den US-Imperialismus politisches Asyl erhalten hatte.
Sie blieb politisch aktiv und meldete sich immer wieder aus Kuba zu Wort. Im Exil schrieb sie unter anderem ihre Autobiographie, aus der vor allem ihre kämpferischen Botschaften bekannt geworden sind. „Es ist unsere Pflicht, für unsere Freiheit zu kämpfen. Es ist unsere Pflicht, zu gewinnen. Wir müssen uns gegenseitig lieben und unterstützen. Wir haben nichts zu verlieren außer unseren Ketten“, schrieb Shakur unter anderem.
Vor allem während der Black Lives Matter-Proteste in den USA vor fünf Jahren wurden ihre Schriften wieder vermehrt von jüngeren Generationen gelesen und verbreitet. Bis heute gilt sie wegen ihrer anhaltenden Bedeutung für die revolutionäre Bewegung als Staatsfeindin der USA. So setzen sich zum Beispiel selbst Demokrat:innen dafür ein, dass ihre sterblichen Überreste nicht in den USA beigesetzt werden.

