Die europäischen Rüstungskonzerne Leonardo, Thales und Airbus verbünden sich, um mit eigenen Satelliten den amerikanischen und chinesischen Weltmarktführern Paroli zu bieten. Dahinter stecken auch geostrategische Überlegungen – und es ist nicht der erste Rüstungsdeal zwischen Deutschland und Frankreich.
Bisher konzentrierten sich der italienische Konzern Leonardo, der französische Konzern Thales und der deutsch-französische Gigant Airbus jeweils auf eigene Satellitenprojekte. Nun wollen die Konzerne ihre Satellitengeschäfte zusammenlegen und unter dem Code-Namen „Projekt Bromo” einen neuen Satellitenhersteller gründen. Nachdem im Sommer Gespräche über das Bündnis noch ins Stocken geraten waren, erklärten Sprecher:innen der Konzerne nun, dass eine Einigung kurz bevor stünde.
Satelliten sind künstliche Raumflugkörper, die im Weltall um die Erde kreisen und dort für vielfältige Zwecke eingesetzt werden. Heute sind sie aus dem zivilen wie auch dem militärischen Leben nicht mehr wegzudenken: rund 13.000 Satelliten befinden sich derzeit in der Erdumlaufbahn. Sie übernehmen zentrale Aufgaben, von der Übertragung von Fernsehsignalen über die Erdbeobachtung und Wettervorhersage bis hin zu Navigationssystemen und Internetverbindungen. Zugleich dienen sie auch der Überwachung und militärischen Aufklärung.
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Konkurrenz zu Elon Musks Starlink
Die Neugründung eines europäischen Satellitenprojekts ist Teil der europäischen Strategie, eigenständiger und unabhängiger von amerikanischen und chinesischen Technologien zu werden. Vor allem der amerikanische, von Elon Musk geführte Konzern Starlink dominiert derzeit das Geschäft mit den Daten in der Erdumlaufbahn.
Traditionell setzten europäische Hersteller auf geostationäre Satelliten in relativ großer Höhe. Mittlerweile hat Starlink mit einem sogenannten Low Earth Orbit-Satellitennetzwerk die Technologie im Bereich der militärischen Anwendung revolutioniert. Während Europa in den Bereichen der Erdbeobachtung und der Navigationssyteme den amerikanischen und chinesischen Konzernen ebenbürtig ist, bedeutet vor allem die Abhängigkeit von Starlink im militärischen Bereich einen wesentlichen Nachteil.
Elon Musk hatte beispielsweise den maßgeblich von Präsident Donald Trump initiierten US-amerikanischen Wandel in der Unterstützung der Ukraine damit untermauert, ukrainischen Streitkräften seine Satellitentechnologie für Aufklärungszwecke vorübergehend zu entziehen.
Europäisches Bündnis: Bruchlinien zwischen Berlin, Paris und London
Neben dem Aufbau eines eigenen Satellitengeschäfts muss Europa auch bei der Produktion leistungsstarker Raketen und der Durchführung von eigenen Raketenstarts aufholen, um im Wettrennen um die Herrschaft in der Erdumlaufbahn nicht weiter ins Hintertreffen zu geraten. Seit einem erfolgreichen Start der von Airbus produzierten Rakete Ariane 6 im Jahr 2024 bringen Raketen diesen Typs nun regelmäßig Satelliten ins Weltall.
„Konsolidierung“ in der europäischen Rüstungsindustrie
Der am neuen Satellitenprojekt beteiligte Weltmarktführer Airbus ist selbst ein Vorzeigebeispiel für die Zusammenarbeit nationaler Kapitalist:innen auf europäischer Ebene. Im internationalen Konkurrenzkampf schließen sie ihre Kräfte zusammen, um in einer gemeinsamen Anstrengung den US-amerikanischen Konzern Boeing zu verdrängen. Airbus wird dabei auch durch milliardenschwere Subventionen europäischer Staaten gestärkt.
Für den Bereich der Rüstungsindustrie fordern Politiker:innen immer wieder eine sogenannte „Konsolidierung“ der europäischen kleinteiligen Produktion. Damit wollen sie sowohl technologisch größere Fortschritte erzielen, aber auch größere Mengen Kriegsgerät günstiger und effizienter produzieren. Dazu soll auch eine Vereinfachung der europäischen Bürokratie verhelfen.
Deutschland und Frankreich beschließen gemeinsames Rüstungsabkommen
Der vormalige deutsche Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) hatte im Frühjahr bei einem EU-Gipfel dahingehend gefordert, europäischen Rüstungskonzernen Zusammenlegungen und Fusionen weiter zu erleichtern.
Das Satellitenprojekt von Leonardo, Thales und Airbus ist nicht das erste Projekt, das aus Zusammenschlüssen europäischer Rüstungsschmieden entsteht. Der Raketenhersteller MBDA und der Panzerproduzent KNDS sind weitere Vorzeigeprojekte, mit denen die europäischen Staaten gemeinsam ihre Position im internationalen Wettbewerb stärken wollen.

