Einem Aufruf des rechten Aktivisten Tommy Robinson folgten über einhunderttausend Menschen. Mit der Kampagne „Stand up to Racism“ versammelten sich auch zehntausende Antifaschist:innen, um ein Zeichen gegen den Aufmarsch zu setzen.
Die Demonstration von Tommy Robinson am 13. September in London erhielt große internationale Aufmerksamkeit. Mit dabei waren Grußbotschaften von internationalen Gästen wie Elon Musk, Eric Zemmour, einem faschistischen Politiker aus Frankreich und Vorsitzenden der Partei Reconquête, sowie vom deutschen AfD-Politiker Peter Bystron.
Auf eine wochenlange, landesweite Mobilisation folgten etwa 110.000 Menschen dem Aufruf unter dem Motto „Unite the Kingdom“. Außer einem rassistischen Minimalkonsens hatte der Aufruf keine tiefergehende Aussage. Die Demonstration reiht sich allerdings in eine Welle von regelmäßigen Anti-Migrations-Protesten im ganzen Land ein. Die Schlüsselfigur dieser Proteste ist Tommy Robinson.
Hooligan für England – Tommy Robinson
Tommy Robinson, bürgerlich Stephen Christopher Yaxley-Lennon, ist eine Schlüsselfigur der britischen Rechten. Schon seit 2008 ist er ein aktiver Teil der rechten bis faschistischen Bewegung in Großbritannien. 2009 gründete er schließlich die English Defense League.
Die Gruppe rekrutierte sich aus ehemaligen und aktiven Hooligan-Zirkeln und wurde früh durch gewalttätige Aufzüge geprägt. Sie zeichnete sich durch aggressive Islamfeindlichkeit und Rassismus aus und erlangte so über die 2010er Jahre hinweg Bekanntheit.
Der 41-Jährige war schon vor seiner politischen Karriere in rechtliche Auseinandersetzungen verwickelt, darunter mehrfach wegen Körperverletzung und Landfriedensbruch. Nachdem Robinson während der rassistischen Pogrome in Großbritannien und Irland 2024 eine federführende Rolle in der Hetze gegen Migrant:innen und bei der Aufstachelung zu Gewalt eingenommen hatte, wurde er erneut zu 18 Monaten Haft und einer Geldstrafe von 50.000 Pfund verurteilt.
Gewaltexzesse auf dem Demozug
Nachdem Elon Musk per Videobotschaft zu einer „Auflösung des Parlaments“ und einem „Regierungswechsel“ aufgerufen hatte, kam es es am Samstag zu verschiedenen Gewaltexzessen durch die anwesenden Demonstrierenden. So wurden mit Flaschen und Pyrotechnik auf Polizist:innen und Gegendemonstrant:innen geworfen, sexistische Chöre angestimmt und andere Versammlungen angegriffen.
Von Tommy Robinson wurde Musk vor der Menge dafür gefeiert, dass er ihnen mit seiner Arbeit die Möglichkeit geben würde, frei ihre Meinung zu äußern. Musk warnte davor, dass „die Gewalt zu euch kommen wird“ und die Demonstrierenden entweder zurückschlagen müssten oder sterben würden. Ähnlich äußerte sich Musk auch in der Vergangenheit in öffentlichen Gesprächen mit der AfD-Politikerin Alice Weidel.
Gegendemo in der Unterzahl
Zu den Gegenprotesten hatte unter anderem die Socialist Workers Party (SWP) aufgerufen, um sich gegen die zunehmenden Angriffe auf Geflüchtete, Migrant:innen und Muslim:innen zu stellen. Laut verschiedener Angaben waren zwischen 5.000 und 20.000 antifaschistische Demonstrierende am Samstag auf der Straße.

Auch revolutionäre Organisationen wie die Anti-Imperialist Front London, die philippinische Jugendorgansation Anakbayan, die International League of People’s Struggle und Young Struggle beteiligten sich an den Protesten. Sie riefen dazu auf, „aufzustehen und ihnen zu zeigen, dass Migrant:innen und Geflüchtete hier willkommen sind, dass die Politik der Klassensolidarität und des Internationalismus gewinnende Ideologien sind im Vergleich zu Hass, Spaltung und Misstrauen innerhalb der Arbeiterklasse und unserer Gemeinschaften“.
Gegen die Massen an Faschist:innen hatten sie jedoch keine große Chance. Lili Miller von Young Struggle London berichtete, dass es dafür mehr „an Organisierung, an Militanz, an konsequentem Antifaschismus in der politischen Bewegung“ bedürfe.
Die Polizei hielt sich im Vergleich zu anderen Demonstrationen zwar größtenteils zurück und ließ die rechte Demonstration und die Gegendemonstrierenden sich sehr nahe kommen. Den Antifaschist:innen gelang es aber nicht, die Route zu blockieren und die Demonstration damit zu stören. „Die Faschisten haben eine Haltung gezeigt, bei der man gemerkt hat, sie haben das Gefühl, dass sie stark sind, dass sie gewonnen haben“, so Miller.

