Zeitung für Solidarität und Widerstand

Griechischer Kommunist auf Flotilla: „Gewöhnliche Menschen wagen es, die Allmacht in Frage zu stellen“

Pantelis Louvros ist Mitglied der Kommunistischen Befreiungsbewegung (Κομμουνιστική Απελευθέρωση) und befindet sich auf einem Schiff der griechischen Mission der Global Sumud Flotilla. Im Interview spricht er über die israelische Gaza-Offensive, seine eigenen Beweggründe nach Gaza zu segeln und über die Parole „Ohne ein freies Palästina kann sich niemand frei fühlen“.

Die israelische Armee hat ihre Bodenoffensive auf Gaza-Stadt begonnen. Wie beurteilst du das?

Der israelische Staat und seine Verbündeten haben diesen Krieg mit der Logik einer „finalen lösung“ begonnen. Nach ihren eigenen Worten wollen sie die politische Führung des palästinensischen Widerstands, das soziale Gefüge und alles Leben im Gazastreifen und darüber hinaus im Westjordanland zerstören. Gleichzeitig ist der Umstand, dass sie nach zwei Jahren Krieg – und bei solcher militärischer Überlegenheit – gezwungen sind, jetzt zu solch einer Operation überzugehen, ein Eingeständnis ihres Scheiterns, den Widerstand zu brechen und die Bevölkerung von Gaza aus ihrer Stadt zu vertreiben.

Was ist der Grund dafür, dass Du mit der Global Sumud Flotilla mitsegelst?

Ich habe mich entschlossen, mich für die Teilnahme an der Global Sumud Flotilla zu bewerben, weil ich über den modernen Völkermord schockiert bin, der in Gaza stattfindet. Darüber hinaus glaube ich, dass es in einem Land, dessen Regierung die Kriegsmaschinerie Israels unterstützt, für uns als Bürger entscheidend ist, zu zeigen, dass wir auf der richtigen Seite der Geschichte stehen, an der Seite des palästinensischen Volkes.

Gleichzeitig verstehe ich als Kommunist, dass der Krieg in Palästina trotz seiner Besonderheit Teil eines größeren Konflikts ist, der durch die Politik der großen kapitalistischen Mächte gefördert wird. Ich glaube, dass nur die Unterdrückten, insbesondere die Arbeiter:innenklasse, die Pläne Israels, der USA und der kapitalistischen Mächte im Allgemeinen blockieren können.

Die Organisierung der griechischen Mission, die Teil der internationalen Flottilla ist, ist eine selbstorganisierte Initiative, die an die große Mission nach Kairo und die zahlreichen und dynamischen Demonstrationen in Griechenland im Sommer anknüpft. Wir wollen der Welt zeigen, dass wir Völkermord nicht akzeptieren, dass Solidarität mit dem palästinensischen Volk nicht nur Wunschdenken ist und dass gewöhnliche Menschen es wagen, die Allmacht kapitalistischer Staaten in Frage zu stellen.

„Gewöhnliche Menschen wagen es, die Allmacht in Frage zu stellen“

Wer ist noch auf Deinem Boot und wie ist die Situation für dich?

Auf den fünf Booten der griechischen Mission befinden sich mehrere Dutzend Griechen und Ausländer. Die meisten von uns sind Arbeiter:innen, Aktivist:innen, Akademiker:innen, Kulturschaffende, Mitglieder politischer Organisationen der kommunistischen und antikapitalistischen Linken, der antiautoritären Bewegung und linker reformistischer Organisationen. Auch einige linke Abgeordnete sind dabei.

Trotz unserer unterschiedlichen politischen Hintergründe und unserer unterschiedlichen Ansichten über die Ereignisse in Palästina verbindet uns das gemeinsame Ziel, die Blockade des Gazastreifens aufzuheben und die Verbrechen Israels, der USA und ihrer Verbündeten zu entlarven.

Was sind die nächsten Schritte für die Flottilla? Was erwartest du, was passieren wird?

Wir segeln in Richtung Gaza. In wenigen Tagen werden wir vor der Küste Kretas auf die internationale Flottilla treffen. Die jüngere Geschichte hat gezeigt, dass Israel uns nicht näherkommen lassen und versuchen wird, uns zu verhaften und abzuschieben.

Trotz der Ankündigungen von Regierungsvertretern, dass sie uns wie Terroristen behandeln werden, haben wir keine Angst. Angesichts des Leidens des palästinensischen Volkes ist dies das Mindeste, was wir tun können. Was auch immer geschieht, die Solidaritätsinitiativen werden nicht aufhören. Sie werden sich vervielfachen.

Peoples Bridge: „Die Kräfte auf dem Meer und auf dem Land bündeln“

Was sind Deiner Meinung nach die nächsten notwendigen Schritte für die globale Bewegung in Solidarität mit Palästina?

Der beste Weg, der palästinensischen Sache zu helfen, besteht darin, die Kriegsmaschinerie, die Kriegswirtschaft und die Beteiligung unserer jeweiligen herrschenden Klassen am Spiel um die Aufteilung der Welt zu blockieren. Die globale Solidaritätsbewegung mit Palästina muss sich gegen die Regierungen der Staaten und die Bourgeoisie richten, die in jedem Land mit Israel kooperieren. Wir müssen jede Zusammenarbeit in den Bereichen Handel, Kultur und Forschung unterbinden.

Aber wir müssen die palästinensische Sache auch mit der breiteren Antikriegsbewegung verbinden. Und die Antikriegsbewegung muss zur Sache der Arbeiter:innenklasse, der Gewerkschaften, der Studenten und der Jugend werden und nicht nur einiger weniger emphatischer und aufgeklärter Einzelpersonen.

Um all diese Teile der Gesellschaft zu mobilisieren, müssen wir jedoch die Frage „Butter oder Kanonen“ stellen. Das heißt wir benötigen die Reduzierung von Militärausrüstung und die Streichung von Programmen wie „ReArm Europe“ der Europäischen Union. Außerdem gilt es die Ideologien des Nationalismus und Rassismus zu bekämpfen.

Kommunistische und antikapitalistische Organisationen müssen dabei die Führung übernehmen, ihre eigene Koordinationen und Initiativen schaffen. Der Fall Palästina zeigt, wohin der totalitäre Kapitalismus die Menschheit führt. Unsere Völker müssen verstehen, was ein Slogan der politischen Organisation, der ich angehöre, ausdrückt: „Ohne ein freies Palästina kann sich Niemand frei fühlen.“

Perspektive Online
Perspektive Onlinehttp://www.perspektive-online.net
Hier berichtet die Perspektive-Redaktion aktuell und unabhängig

MEHR LESEN

PERSPEKTIVE ONLINE
DIREKT AUF DEIN HANDY!