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Militarisierung mappen: „Täglich erreichen uns neue Orte der Aufrüstung“

Eine neue Initiative zeichnet online auf einer interaktiven Deutschland-Karte ein, wo wer gerade aufrüstet und ob es schon Widerstand dagegen gibt. – Ein Interview mit Tobi Rosswog von „Orte der Aufrüstung“ über Ziele und neuste Entwicklungen.

Hallo Tobi! „Orte der Aufrüstung“ – Was verbirgt sich dahinter?

Wir mappen die Militarisierung. Damit werden die Orte der Aufrüstung sichtbar und es ist möglich, überall dort zu intervenieren, um Druck von unten aufzubauen und klar zu machen: Wir stellen uns gegen eine katastrophale Konversion rückwärts – in Görlitz, in Osnabrück, überall!

Was für ein Bild zeichnen diese Orte der Militarisierung gerade?

Der Boom der Aufrüstung führt zu einem gigantischen Umbau der Wirtschaft, wodurch Kapazitäten für zivile Sektoren wie beispielsweise der Verkehrswende verloren gehen. Die aktuelle Stimmung ist: Aufrüstung um jeden Preis. Im Koalitionsvertrag haben sich SPD, CDU und CSU der Aufrüstung verschrieben und Merz macht seine Haltung deutlich, indem er sagt „Whatever it takes“, also: Koste es, was es wolle. Und Armin Papperger, Vorstandschef von Rheinmetall und Präsident des BDSV, spricht auf der Handelsblatt-Konferenz unter dem Titel „Wirtschaftsfaktor Rüstung“ zynischerweise am 1. September diesen Jahres, dem Antikriegstag, und macht klar: „Bei Rheinmetall werden wir in einigen Bereichen die Kapazitäten nicht nur verdoppeln, sondern verzehnfachen“.

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Das Ergebnis dieses Irrsinns: Überall schreitet die Militarisierung der Gesellschaft voran. Von zivil zu militärisch in Richtung Kriegstüchtigkeit: Fabriken, Softwarefirmen, Krankenhäuser, Bahnstrecken. Jeder Mensch, der in die Rüstung wechselt, fehlt aber in Pflege, Gesundheit, Bahn und Klimaschutz. Genau hier können wir den Wahnsinn aufhalten: Durch Verweigerung und Widerstand in den Betrieben und eben genau den Orten der Aufrüstung.

Welche „Orte der Aufrüstung“ sind auf der Liste, die vielleicht eher unbekannt sind?

Vorab: Die Website dient des kollektiven Sammelns und Sichtbarmachens. Täglich erreichen uns neue Orte der Aufrüstung. Dass Rheinmetall aktuell überall aufkauft und aufrüstet, mag in der Öffentlichkeit vielleicht durchaus bekannt sein. Noch relativ unsichtbar ist es, wenn die Bundeswehr oder Rüstungskonzerne Areale aufkaufen, die eigentlich dem kommunalen Wohnungsbau gewidmet waren, wie in Troisdorf, Wunstorf oder Kiel. Oder wenn, wie in Köln-Merheim, sogenannte „Pop-Up-Intensivstationen“ in Tiefgaragenbereich errichtet werden sollen.

Auf eurer Website geht ihr auch auf „Widerstand“ gegen die jeweiligen Orte ein. Was heißt das genau?

Zwei widerständige Symbole gibt es bereits: In Görlitz soll eine Waggonbaufabrik zu einer Panzerfabrik umgewandelt werden. Und in Osnabrück will Rheinmetall das VW-Werk übernehmen. An den Orten regt sich bereits der Widerstand. Es geht dabei aber nicht nur um einzelne Aktionen, sondern gemeinsame Organisierung. Es gilt Banden zu bilden zwischen kämpferischen Arbeiter:innen, kreativen Aktivist:innen und engagierter Zivilgesellschaft. Es gilt die Militarisierung der Gesellschaft zu verhindern – vor Ort und überall.

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